Ein Sonnenuntergang ist im August nichts Ungewöhnliches. Doch heute Abend wird die Sonne nicht als leuchtende Scheibe hinter dem Horizont verschwinden. Stattdessen dürfte – sofern das Wetter mitspielt – nur noch eine schmale, rötlich-goldene Sichel über der Landschaft stehen. Es ist die tiefste partielle Sonnenfinsternis seit 1999.
Das Himmelsschauspiel beginnt kurz nach 19 Uhr und erreicht gegen 20.11 beziehungsweise 20.12 Uhr seinen Höhepunkt. Dann sind rund 86,6 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. I
Und der Himmel legt in dieser Nacht sogar noch nach. Nach Sonnenuntergang lohnt es sich, draußen zu bleiben. In der Nacht zum Donnerstag erreichen auch die Perseiden ihren Höhepunkt. Sonnenfinsternis und Sternschnuppenregen innerhalb weniger Stunden – somit könnte es einer der eindrucksvollsten Himmelsabende des Jahres werden.
Wann beginnt die Sonnenfinsternis?
Die genauen Zeiten unterscheiden sich je nach Standort um wenige Minuten. Für Plauen beginnt die partielle Sonnenfinsternis gegen 19.19 Uhr. Das Maximum wird gegen 20.11 Uhr erreicht. Zu diesem Zeitpunkt sind nach astronomischen Berechnungen etwa 86,64 Prozent der sichtbaren Sonnenfläche verdeckt.
In Zwickau beginnt das Schauspiel bereits gegen 19.18 Uhr, das Maximum wird ebenfalls gegen 20.11 Uhr erreicht. Für Dresden wird der Höhepunkt gegen 20.10 Uhr erwartet, dort werden rund 85,7 Prozent der Sonne verdeckt.
Auch auf der anderen Seite der Landesgrenze sind die Unterschiede gering. In Gera beginnt die Sonnenfinsternis gegen 19.18 Uhr und erreicht um 20.11 Uhr ihr Maximum. Für Hof wird der Beginn gegen 19.19 Uhr und der Höhepunkt gegen 20.12 Uhr berechnet. In Bayreuth liegt das Maximum gegen 20.13 Uhr. Deutschlandweit werden je nach Standort etwa 84 bis knapp 90 Prozent der Sonne verdeckt. Eine Sonnenfinsternis dieses Ausmaßes wird hierzulande erst 2081 wieder auftreten.

Warum diese Sonnenfinsternis besonders spektakulär werden könnte
Nicht allein der hohe Bedeckungsgrad macht die Sonnenfinsternis außergewöhnlich. Entscheidend ist auch ihre Uhrzeit. Während sich der Mond immer weiter vor die Sonne schiebt, sinkt diese bereits tief in Richtung Westen beziehungsweise West-Nordwesten. Zum Zeitpunkt der größten Verfinsterung steht sie nur noch wenige Grad über dem Horizont.
Das bedeutet: Die ohnehin nur noch schmale Sonnensichel trifft auf das warme Licht des späten Sommerabends. Dunst und die Erdatmosphäre können die Farben zusätzlich verstärken. Bei guten Bedingungen könnte eine orangefarbene bis tiefrote Sichel knapp über Wäldern, Feldern und Hügelketten stehen.
Wo kann man die Sonnenfinsternis am besten beobachten?
Für die Beobachtung ist diesmal nicht unbedingt der höchste Berg automatisch der beste Platz. Viel wichtiger ist eine möglichst freie Sicht zum westlichen bis nordwestlichen Horizont. Wälder, Baumreihen, Häuser oder Hügel können problematisch sein, denn die Sonne steht beim Höhepunkt bereits sehr niedrig. Geeignet sind deshalb beispielsweise offene Höhenlagen und Feldwege, freie Hochflächen, Aussichtslagen und eher offene Landschaften.
Wer einen bestimmten Aussichtspunkt ins Auge gefasst hat, sollte allerdings unbedingt prüfen, ob dort tatsächlich freie Sicht nach Westen beziehungsweise West-Nordwesten bis unmittelbar an den Horizont besteht.
Wie stehen die Wetterchancen im Vogtland?
Nach der derzeitigen Prognose stehen die Chancen für das Vogtland gut. Für Mittwoch ist ein überwiegend sonniger bis teilweise sonniger Tag erwartet. Am Abend soll es zunächst nur geringe Bewölkung geben. Das ist allerdings keine Garantie. Gerade bei dieser Sonnenfinsternis entscheidet ein sehr kleiner Bereich des Himmels über Erfolg oder Enttäuschung: Liegt ausgerechnet am westlichen Horizont eine Wolkenbank oder stärkerer Dunst, kann die tief stehende Sonne schnell verschwinden.
Was passiert bei einer Sonnenfinsternis eigentlich?
Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt. Obwohl der Mond viel kleiner als die Sonne ist, befindet er sich auch wesentlich näher an der Erde. Von unserem Standpunkt aus erscheinen Sonne und Mond deshalb am Himmel nahezu gleich groß. Trifft der Kernschatten des Mondes auf die Erde, kann die Sonne vollständig verschwinden – es entsteht eine totale Sonnenfinsternis. Deutschland liegt am Mittwoch allerdings außerhalb dieses Kernschattens. Wir befinden uns im sogenannten Halbschatten des Mondes und erleben deshalb eine partielle Sonnenfinsternis.
Wo wird die Sonnenfinsternis total?
Wer erleben möchte, wie die Sonne vollständig verschwindet und für kurze Zeit die Sonnenkorona sichtbar wird, muss deutlich weiter reisen. Der schmale Streifen der Totalität verläuft über arktische Gebiete, Grönland, Island und Spanien bis zu den Balearen. Auch Mallorca liegt teilweise innerhalb der Totalitätszone. Das Maximum der gesamten Finsternis wird über dem Nordatlantik erreicht. Dort kann die Sonne für rund zwei Minuten und 18 Sekunden vollständig verschwinden. Besonders spektakulär dürfte die Situation auch in Spanien werden: Dort ereignet sich die Totalität ebenfalls am Abend bei bereits tief stehender Sonne.
Ganz wichtig: Niemals ohne Schutz in die Sonne schauen
Auch wenn fast 90 Prozent der Sonne vom Mond verdeckt sind, bleibt der sichtbare Rest gefährlich hell. Deshalb gilt während der gesamten Beobachtung: Niemals mit bloßem Auge direkt in die Sonne schauen. Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus. Auch CDs, Rettungsdecken, geschwärztes Glas, Kamerafilm oder ähnliche improvisierte Lösungen bieten keinen zuverlässigen Schutz.
Benötigt wird eine geeignete Sonnenfinsternisbrille nach DIN EN ISO 12312-2. Die Filterfolie sollte vor der Verwendung außerdem auf Kratzer oder Beschädigungen überprüft werden. Besondere Vorsicht gilt bei Ferngläsern und Teleskopen. Sonnenlicht darf niemals ungefiltert durch solche optischen Geräte betrachtet werden – die gebündelte Strahlung kann innerhalb kürzester Zeit schwere Augenschäden verursachen.
Sonnenfinsternis fotografieren: Auch die Kamera braucht Schutz
Das Naturschauspiel dürfte ein begehrtes Fotomotiv werden. Doch auch Kameraobjektive und Teleskope benötigen einen geeigneten Sonnenfilter. Vor allem bei Kameras mit längeren Brennweiten wird das Sonnenlicht stark gebündelt. Ohne geeigneten Filter können Sensor, Verschluss oder andere Bauteile beschädigt werden. Für Fotografen dürfte die tiefe Position der Sonne gleichzeitig besonders spannend sein. Mit einem Teleobjektiv lassen sich die schmale Sonnensichel und markante Landschaftselemente miteinander kombinieren.
Nach der Sonnenfinsternis kommen die Perseiden
Wer nach dem Sonnenuntergang seine Decke noch nicht zusammenpackt, könnte belohnt werden. Denn in derselben Nacht erreichen die Perseiden ihren jährlichen Höhepunkt. Der Meteorstrom gehört zu den bekanntesten Sternschnuppenereignissen des Jahres. Unter optimalen Bedingungen können theoretisch zahlreiche Meteore pro Stunde sichtbar werden. Die Voraussetzungen sind besonders günstig. Die Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden – und entsprechend fehlt in der anschließenden Nacht störendes Mondlicht. Für Sternschnuppen gilt dann allerdings genau das Gegenteil wie zuvor bei der Sonnenfinsternis: Weg von Städten, Straßenlaternen und anderen Lichtquellen und möglichst an einen dunklen Ort fahren. Die Augen benötigen etwa 20 bis 30 Minuten, um sich vollständig an die Dunkelheit anzupassen.
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Sonnenfinsternis: Heute verschwindet die Sonne zu fast 90 Prozent – was dabei zu beachten ist

