Nachrichten Vogtland40 Jahre nach Tschernobyl: Ausstellung im Malzhaus zeigt Erinnerung und Vergänglichkeit

Titelfoto: Bild zur Ausstellung
Eine Stadt, die innerhalb weniger Stunden ihre Bewohner verlor. Zurückgelassene Wohnungen, leere Straßen und eine Natur, die sich Stück für Stück ihren Raum zurückholt. Vier Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl widmet sich die Galerie im Malzhaus Plauen einem Ereignis, dessen Folgen bis heute sichtbar und spürbar sind.

Vom 15. August bis 4. September 2026 ist dort die Ausstellung „TSCHERNOBYL – 40 Jahre nach der Katastrophe“ zu sehen. Sie verbindet historische Aufarbeitung mit eindrucksvoller Fotografie und stellt zugleich die Frage, wie unterschiedlich über die Katastrophe diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze informiert wurde.

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Als die Welt von Tschernobyl erfuhr

Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl eine der folgenschwersten technischen Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Die Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Gesellschaft reichen weit über die damalige Sowjetunion hinaus und beschäftigen Europa bis heute.

Die Plauener Ausstellung zeichnet die Ereignisse und ihre Folgen anschaulich nach. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die mediale Berichterstattung in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland. Gegenübergestellt werden unterschiedliche Informations- und Kommunikationsstrategien während des Kalten Krieges. Damit geht es nicht allein um die Katastrophe selbst, sondern auch darum, was die Menschen damals darüber erfuhren – und wie darüber berichtet wurde.

Oleksandr Syrota: Fotografien einer verlorenen Heimat

Eine sehr persönliche Perspektive bringt Oleksandr Syrota in die Ausstellung ein. Der 1976 geborene Dokumentarfotograf und gesellschaftliche Aktivist verbrachte seine Kindheit in Prypjat. Als Zehnjähriger wurde er nach der Reaktorkatastrophe gemeinsam mit seiner Mutter aus dem Gebiet evakuiert.

Erst 1992 konnte Syrota erstmals wieder nach Prypjat zurückkehren. Der Besuch wurde zu einem Wendepunkt. Er erkannte, dass eine Rückkehr in sein früheres Leben unmöglich geworden war. Die Erinnerung an seine Heimatstadt, an Tschernobyl und die Folgen der Katastrophe wurde schließlich zu einer Lebensaufgabe. Seine Fotografien erzählen deshalb nicht einfach von einem verlassenen Ort – sie erzählen von Heimat, Verlust und Erinnerung.

Daniel Möschke: Prypjat mit den Augen eines Besuchers

Einen bewusst anderen Blick eröffnet der gebürtige Plauener Daniel Möschke. Der leidenschaftliche Hobbyfotograf bereiste unter anderem die Ukraine und besuchte Prypjat und Tschernobyl. Anders als Syrota kannte Möschke die Katastrophe zuvor ausschließlich aus den Medien. Seine Bilder zeigen damit die Perspektive eines Gastes. Im Zentrum steht der Wandel einer Stadt, die 1986 abrupt verlassen wurde und seitdem zunehmend von der Natur zurückerobert wird.

Die Fotografien entstanden im November 2019. Die Jahreszeit verstärkt dabei die besondere Atmosphäre der verlassenen Stadt: Tristesse, Stille und Vergänglichkeit prägen die Aufnahmen. Gerade im Zusammenspiel der beiden fotografischen Positionen entsteht so ein spannender Kontrast zwischen persönlicher Erinnerung und später Begegnung mit einem historischen Ort.

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Gemeinsamer Ausstellungsrundgang am 19. August

Zur Ausstellung gehört auch ein gemeinsamer Rundgang am Mittwoch, 19. August 2026, um 17 Uhr. Die Galerie im Malzhaus am Alten Teich 7–9 ist regulär von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Ausnahme gibt es am Samstag, 29. August 2026: An diesem Tag bleibt die Galerie geschlossen.

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