Das Potenzial ist da. Genau das macht Bülent Ceylans zweites musikalisches Studioalbum „B.L.N.T.“ so zwiespältig. Einige Songs stehen ihm ausgesprochen gut, manches Zusammenspiel überzeugt. Dazwischen steckt allerdings eine Suche nach musikalischer Identität, die erstaunlich angestrengt wirkt.
Auf Ceylans zweitem Album drängt sich die Bühnenrolle immer wieder so weit nach vorn, dass die Musik Mühe hat, ein eigenes Profil zu entwickeln. Dabei bieten die Texte durchaus Gedanken, denen man gern folgen würde. Inhaltlich hat Ceylan etwas zu erzählen; musikalisch findet er dafür nicht immer die überzeugende Form.
Das Album erschien vor wenigen Tagen folgt auf „Ich liebe Menschen“ von 2024. Mit Doro Pesch und Michael Rhein sind zwei Gäste aus der Rock- und Metal-Szene dabei. Die Voraussetzungen stimmen. Doch ein passendes Umfeld allein macht noch kein schlüssiges Album. Melodieführung und Stimmlage scheinen Ceylan nicht immer entgegenzukommen. Manche Passagen wirken angestrengt, manche Töne liegen ihm hörbar weniger gut. Der Gesang bekommt dadurch etwas Bemühtes, das die Wirkung der Songs schwächt.

„Habt euch endlich alle lieb“ steht Ceylan gut. Auch „Randale und Radau“ funktioniert. Mit Michael Rhein, dem Frontmann von In Extremo, hat er dafür einen passenden Partner gefunden. Die Stimmen passen gut zusammen; das gemeinsame Stück wirkt schlüssig. Die beiden Songs sind wichtige Gegenbeispiele. „Am Ende gut“ lässt ihn dagegen stimmlich auf Distanz rücken. Das verstärkt den Eindruck einer Platte, die vieles versucht und ihren Hauptdarsteller dabei stellenweise aus dem Blick verliert.
Fazit:
Bülent Ceylan hat auf „B.L.N.T.“ einige Songs gefunden, die ihm ausgesprochen gut stehen. Sein zweites musikalisches Studioalbum zeigt, wie überzeugend er mit dem passenden Material und den richtigen Partnern wirken kann. Zugleich bleibt der Eindruck einer musikalischen Suche, auf der noch nicht jede Entscheidung gleichermaßen schlüssig ausfällt.
Der Vogtlandstreicher verleiht 3 von 5 Streichern:

Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.
Bülent Ceylan “B.L.N.T.”: Eine nicht ganz leichte Suche nach musikalischer Identität

