Nachrichten VogtlandLotta und Luca sind da: Zwei weitere Luchse streifen durch Sachsens Wälder

Titelfoto: Archiv/Stephanie Rössel
Ein vorsichtiges Öffnen der Transportkisten, wenige Augenblicke des Zögerns – dann verschwinden zwei Luchse zwischen den Bäumen des Westerzgebirges. Lotta und Luca heißen die jüngsten Bewohner der sächsischen Wälder. Am Montag wurden die beiden etwa ein Jahr alten Tiere im Forstbezirk Eibenstock ausgewildert. Für die Rückkehr des Luchses nach Sachsen ist das ein weiterer wichtiger Schritt – und aus dem Projekt gibt es noch mehr erfreuliche Nachrichten.

Lotta und Luca starten in ein Leben in Freiheit

Mit Lotta und Luca setzt das Projekt „RELynx Sachsen“ die Wiederansiedlung des Luchses im Erzgebirge fort. Beide Tiere wurden vor ihrer Freilassung mehrere Monate auf ein möglichst selbstständiges Leben in freier Wildbahn vorbereitet.

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Lotta stammt aus dem Wildgatter Oberrabenstein des Tierparks Chemnitz. Dort hat das Zuchtpaar in diesem Jahr bereits zum vierten Mal erfolgreich Nachwuchs bekommen. Luca wiederum wurde im belgischen Tierpark Domaine des Grottes de Han geboren.

Seine Geschichte ist eng mit einem früheren sächsischen Luchs verbunden: Luca ist ein Geschwistertier von Anton, der im Spätsommer 2024 im Westerzgebirge ausgewildert worden war. Nur wenige Monate später wurde Anton von einem Fahrzeug erfasst und tödlich verletzt.

Vorbereitung fernab vom Menschen

Im Frühjahr waren Lotta und Luca in das Koordinierungsgehege im Wildkatzendorf Hütscheroda umgezogen. Dort wurden die jungen Raubkatzen möglichst menschenfern auf das Leben in der Natur vorbereitet. Beide bestanden die erforderlichen Gesundheits- und Verhaltenstests. Damit stand ihrer Reise ins Erzgebirge nichts mehr im Wege.

Am 17. August war es schließlich so weit: Im Eibenstocker Forst wurden die mit Stroh ausgelegten Transportkisten vorsichtig geöffnet. Im Abstand von nur wenigen Minuten verließen sie ihre Boxen und verschwanden in ihrem neuen, dicht bewaldeten Lebensraum. Für die beiden beginnt damit ein Leben, in dem sie künftig selbst Beute machen, Reviere erkunden und möglichst wenig Kontakt zum Menschen haben sollen. Etwa ein Jahr lang trage die Tiere einen Sender. Alle vier Stunden geben die Halsbänder ein Signal. Später sollen diese von selbst abfallen.

Warum jeder neue Luchs für Sachsen wichtig ist

Die Auswilderung hat nicht allein das Ziel, die Zahl der Luchse im Erzgebirge zu erhöhen. Ebenso wichtig ist die genetische Vielfalt der noch jungen Population. Jedes geeignete Tier bringt neue Gene mit und kann dazu beitragen, die Population langfristig stabiler und widerstandsfähiger zu machen. Das übergeordnete Ziel ist eine sogenannte Trittsteinpopulation im Erzgebirge. Sie soll nicht isoliert bleiben, sondern langfristig zur Verbindung verschiedener Luchsvorkommen in Europa beitragen. Denn für eine dauerhaft überlebensfähige Population reicht es nicht, wenn einzelne Luchsgruppen voneinander getrennt in verschiedenen Regionen leben. Die Tiere müssen sich ausbreiten und zwischen Populationen wandern können, damit genetischer Austausch möglich bleibt.

Noch mehr Luchs-Nachwuchs: Alva ist erneut Mutter

Besonders erfreulich ist deshalb eine zweite Nachricht aus dem Projektgebiet: Luchsin Alva hat erneut Nachwuchs. Die 2024 ausgewilderte Luchsin ist bereits zum zweiten Mal Mutter geworden. Im Juli konnten mithilfe von Wildkameras zwei Jungtiere nachgewiesen werden. Die Aufnahmen zeigen die kleinen Luchse beim Spielen und Erkunden ihrer Umgebung.

Auch Alvas Nachwuchs aus dem vergangenen Jahr entwickelt sich offenbar gut. Die Geschwister sind inzwischen weitgehend selbstständig und halten sich weiterhin im Projektgebiet auf. Dass sie bereits zum zweiten Mal erfolgreich Junge aufzieht, ist für das Wiederansiedlungsprojekt von besonderer Bedeutung. Denn eine stabile Luchspopulation kann auf Dauer nicht allein durch Auswilderungen entstehen. Entscheidend ist, dass sich die Tiere in ihrem neuen Lebensraum selbstständig fortpflanzen.

Neun Luchse seit 2024 ausgewildert

Mit Lotta und Luca wurden seit Beginn von „RELynx Sachsen“ im Jahr 2024 insgesamt neun Luchse im Forstbezirk Eibenstock ausgewildert. Den Anfang machten 2024 fünf Tiere. Mit Alva und Nova kamen zwei Wildfänge aus dem Schweizer Juragebirge nach Sachsen. Hinzu kamen die aus Tierhaltungen stammenden männlichen Luchse Anton, Chapo und Juno. 2025 folgten Charlie und Freya. Nun vergrößern Lotta und Luca die Gruppe der ausgewilderten Tiere. Anton ist bislang das einzige der neun Tiere, das nachweislich nicht mehr lebt. Sein Tod im Straßenverkehr zeigt zugleich eine der Gefahren, denen die streng geschützten Katzen bei ihrer Ausbreitung begegnen.

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Vom Erzgebirge bis zu den Alpen

Die für die Auswilderung ausgewählten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs. Geeignete Nachzuchten werden über das Expertennetzwerk Linking Lynx vermittelt. Das langfristige Ziel reicht dabei weit über Sachsen hinaus: Verschiedene Luchspopulationen sollen miteinander verbunden werden, sodass eine lebensfähige sogenannte Metapopulation entstehen kann – von den Karpaten über die deutschen Mittelgebirge bis zum Jura und in die Westalpen. Das Erzgebirge könnte dabei zu einem wichtigen Bindeglied werden.

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