Fotos: Jürgen Dirrigl
Zwei ausverkaufte Säle, zwei Auftritte an einem Abend, drei Gäste: Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff und Simon Schwarz stellen am Dienstagabend „Steckerlfischfiasko” im Admiral Boutique Kino in Nürnberg vor – und machen sichtbar, was ein Kinosaal noch immer kann und ein Fernseher nie können wird.
Königstraße 11, kurz vor Viertel vor sieben. Es ist der erste kühle Tag nach einer langen Hitzeperiode, den ganzen Vormittag über hat es geregnet – und fast pünktlich zum Einlass hört es auf. Die Menschen kommen trockenen Fußes durch die Fußgängerzone. Drinnen ist es dunkel und voll. Sehr voll. Beide Säle, die das Admiral Boutique Kino Nürnberg an diesem Dienstag für die Eberhofer-Kinotour freigeräumt hat, sind ausverkauft. Auf den Tischchen zwischen den Sesseln stehen Gläser, kleine Lampen leuchten wie Windlichter in die Sitzreihen hinein, und irgendwo im Halbdunkel wartet ein Publikum, das gleich zeigen wird, dass Nürnberg lauter kann als München.
„Die rasten aus, die Nürnberger”
Der Moderator des Abends baut die Erwartung auf, wie man ein Feuer aufbaut: erst das Papier, dann das Holz. Er erinnert an die Weltpremiere in München acht Tage zuvor – „die Stimmung war super” – und legt nach: „Aber in Nürnberg, wartet’s ab. Die rasten aus.” Dann kommt der Dank ans Haus:: „Ein großes Dankeschön an die Susanne Fläxl, die Chefin hier, vom wunderschönen Admiral Boutique Kino. Das ist dein Applaus, liebe Susanne.”

Der Applaus kommt. Und er kommt wieder, lauter, als die drei den Saal betreten, die seit vierzehn Jahren zusammen bayerische Provinz spielen: Simon Schwarz, der den Privatdetektiv Rudi Birkenberger gibt. Lisa Maria Potthoff, die Susi. Und, wie der Moderator ihn ankündigt, „der einzig wahre Franz Eberhofer” – Sebastian Bezzel.
Das Kino als Hauptdarsteller
Was dann passiert, ist für einen Werbetermin bemerkenswert: Der Film tritt für ein paar Minuten hinter den Ort zurück, an dem er läuft. Bezzel schaut sich um und sagt schlicht: „Das ist wahnsinnig schön hier.” Und, kurz darauf: „Ich bin begeistert.”
Im zweiten Saal wiederholt sich die Szene, diesmal ausführlicher. Der Moderator fragt: „Sebastian, schönes Kino, oder?” Bezzel, knapp: „Ja, geil.” Dann dreht er sich zum Publikum: stolz könne man schon sein, dass man so ein schönes Kino hier habe.
Simon Schwarz übernimmt – und aus der Höflichkeitsfloskel wird ein Appell: „Ich find auch: Da müsst ihr wirklich unterstützen, dieses Kino, dass das so weiter existieren kann. Wir sehen ja viele Kinosäle – aber das sind wirklich ganz, ganz tolle Säle.” Er lässt eine halbe Sekunde Pause, dann die Pointe: „Da kann man ganz andere Erlebnisse haben, als wenn man zu Hause noch so eine tolle Glotze hat. Das ist halt Kultur.”
Wenige Minuten später führt Schwarz den Gedanken zu Ende, und er tut es ohne jede Ironie: „Ihr sitzt da gemeinsam im Kino, ihr kennt euch gar nicht, und erlebt gemeinsame Emotionen. Das Gemeinsame mit ganz vielen fremden Menschen, das ist ja was total Soziales. Das fehlt in unserer Gesellschaft ja total.”
Es ist der Satz des Abends. Und er beschreibt genau das, was die Streamingdienste nicht liefern können: einen ganzer Saal voll fremder Menschen, die im selben Moment lachen.

Was das Admiral so besonders macht
Die Wertschätzung ist verdient, und sie lässt sich in Zahlen und Daten fassen. Das Haus in der Königstraße 11 reicht in seinen Ursprüngen bis um 1908 zurück, wurde 1957 und 2002 umgebaut und im Dezember 2024 als Boutique-Kino wiedereröffnet. Fünf Säle, rund 600 Plätze. Geführt wird es von Susanne Fläxl und Benjamin Dauhrer.
Fläxl stammt aus einer Kinofamilie mit über hundert Jahren Geschichte – ihre Urgroßeltern gründeten 1912 ein Lichtspielhaus in Freising. Über das Nürnberger Projekt sagte sie dem Vogtlandstreicher: „Kino ist ein Teil von mir. Das Projekt hat sofort mein Herz erobert, weil es mich an das Kino meiner Oma erinnert hat.”
Dazu kommt die Technik, und die ist keine Marketingprosa: Am 8. Juli 2025 eröffnete Saal 1 als erstes Dolby-Vision-Kino Deutschlands – mit einem Laserprojektor, den Dolby gemeinsam mit Christie entwickelt hat und der zu diesem Zeitpunkt europaweit einzigartig war. Doppelte Helligkeit bisheriger Systeme, echtes Schwarz, 12 Bit Farbtiefe, 4K. Alle fünf Säle haben Dolby Atmos, also objektbasierten Ton mit Lautsprechern über, hinter und neben dem Publikum. Dazu Art-déco-Säle mit elektrisch verstellbaren Sitzen, ein Sofa-Saal mit Wohnzimmergefühl und auf dem Dach die Skybar mit Blick über die Altstadt.
Wie ernst es das Haus mit dem Komfort meint, zeigt sich am Ende des Abends auf die schönste Art. Als der Moderator alle für ein gemeinsames Saalfoto aufstehen lässt, muss er nachschieben: „Erste Reihe, bleibt liegen, bitte.” Dann, an alle: „Ihr könnt euch hinsetzen – oder hinlegen.”
Vierzehn Jahre, zwei Jeans, ein Paar geklebte Plastikschuhe
Was die drei anschließend mit ihrem Publikum machen, ist keine Pressekonferenz, sondern ein Küchentischgespräch mit Mikrofon. Lisa Maria Potthoff erzählt vom Wiedersehen mit dem Kostüm: „Es war mit meinen zwei Lieblingsjeans das Aufeinandertreffen mit zwei engen Freunden.” Das Kostüm der Susi habe sich in vierzehn Jahren kaum verändert – und das sei Absicht: „Ich finde, dass die Figuren so, wie wir sie mal vor vierzehn Jahren gebaut haben, eigentlich sehr stimmig sind. Die müssen gar nicht so mit der Zeit gehen.”


Warum die Reihe funktioniert, erklärt sie gleich mit: Die Filme seien „eben nicht so gelackt und so durchdesignt wie in anderen Filmen”. Der Held wohne eben nicht im Hamburger Industrieloft mit Hafenblick. „Sondern das sind eher Figuren, die nah am Scheitern gebaut sind. Eher Verlierertypen als Gewinnertypen. Menschen aus dem Leben, die nicht so glatt gebügelt sind.” Dass das Publikum jünger wird, freut sie – und sie zitiert dafür ihren Kollegen: „Sebastian sagt ja immer, der Eberhofer-Fan ist ein nachwachsender Rohstoff.”
Simon Schwarz kontert mit einer Anekdote, die mehr über deutsche Filmproduktion verrät als mancher Förderbericht: „Ich hab ja diese gelben Schuhe, die hab ich seit ‚Dampfnudelblues’. Und die fallen total auseinander.” Inzwischen seien die Treter beim Schuhmacher gewesen – „ganz billige Plastikschuhe”, geklebt, mit Auflage: „Er hat gesagt, ja, sie dürfen aber nur angezogen werden, wenn die Kamera drauf ist.” Also trägt Schwarz sie nur noch in den Einstellungen, in denen sie zu sehen sind. Wo sie den Rest der Zeit lagern? „Die liegen jetzt wahrscheinlich im Tresor neben der Brille vom Flötzinger.”
Und Potthoff liefert die Erinnerung, die dem Glamour den Zahn zieht: Für die Szene mit der Litfaßsäule sei sie einen ganzen Drehtag lang auf High Heels über Asphalt gerannt. Ihr Fazit, unlackiert: „Ich hatte selten einen beschisseneren Drehtag.”

Im zweiten Saal wird es dann kurz sehr menschlich. Der Kreislauf macht Lisa Maria Potthoff zu schaffen, sie hockt sich mitten im Gespräch auf den Boden – „bevor ich jetzt umkippe, hock ich mich lieber hin” –, während Simon Schwarz trocken kommentiert, Danke sagen sei ja schön, aber sie gleich anzubeten, das sei „schon beachtlich”. Der Saal lacht. Niemand macht ein Drama daraus. Es ist genau die Mischung, die diese Reihe auszeichnet.
“Vor vierzehn Jahren haben wir ein Casting gemacht…”
Zweimal an diesem Abend, in beiden Sälen, kommt derselbe Gedanke – und beide Male klingt er nicht nach Textbaustein. Simon Schwarz erzählt vom Anfang: „Vor vierzehn Jahren haben wir ein Casting gemacht, jeder für sich, unabhängig voneinander, für einen Film: ‚Dampfnudelblues’. Und es war nie geplant, dass das eine Kinoreihe wird. Es war nicht mal geplant, dass es eine Fernsehreihe wird. Das war einfach nur als Film geplant, fertig.”
Dann der Bogen ins Heute: „Jetzt stehen wir hier, und zehn Filme haben wir gemacht. Und diese zehn Filme haben wir nur gemacht, weil ihr ins Kino geht, weil ihr euch diese Filme anschaut, weil ihr sie weiterempfehlt. Das ist wirklich ein großes Geschenk für uns.”
Sebastian Bezzel formuliert es im anderen Saal knapper und härter: „Dass es diese Eberhofer-Reihe so lange gibt, daran ist nur einer schuld – und zwar die Fans. Ohne euch, wenn es da kein Interesse gäbe und eure Hartnäckigkeit, ins Kino zu gehen, hätten wir die ganzen Filme nicht drehen können.”

Das Schlusswort gehört dem Moderator, dem Saalfoto und einem Satz, der die Adresse gleich mitliefert: „Vielen Dank, Nürnberg, für den tollen Empfang hier im wunderschönen Admiral Boutique Kino. Das waren für euch: Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff und Sebastian Bezzel.”
Und der Film? Ein Fiasko ist er nicht
Zum Abstecher in die Sache selbst. „Steckerlfischfiasko” ist der zehnte Eberhofer-Krimi im Kino, nach den Romanen von Rita Falk, wieder inszeniert von Ed Herzog, der das Drehbuch gemeinsam mit Stefan Betz geschrieben hat. Verleih: Constantin Film. 99 Minuten, FSK 12, Kinostart war Donnerstag, der 13. August 2026, die Weltpremiere lief drei Tage zuvor im Münchner Mathäser Filmpalast.
Der Fall: Der örtliche Steckerlfischkönig wird im Wellnessbereich eines neu eröffneten Golfclubs tot aufgefunden. Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger ermitteln zwischen zwei verfeindeten Volksfestclans und wohlhabenden Golferinnen und Golfern. Nebenbei kandidiert Susi für das Bürgermeisteramt, was sowohl den Amtsinhaber als auch den eigenen Lebensgefährten beunruhigt. Die Kritik ist freundlich bis gemischt, und sie ist sich in einem Punkt einig: Der Krimi ist Beiwerk.
Das Publikum stört das erkennbar nicht. Rund 410.000 Besucherinnen und Besucher sahen den Film bis zum Sonntag nach dem Start inklusive Vorpremieren – Platz zwei der deutschen Kinocharts, knapp hinter „Spider-Man: Brand New Day” mit etwa 452.500 im dritten Wochenende (Quelle: InsideKino, zitiert nach Kino-Total, 17.08.2026). Es ist einer der zehn stärksten Starts des Jahres und einer der neun besten für einen deutschen Film seit der Pandemie. Auf der Bühne im Admiral fällt am Dienstagabend die nächste Marke: Man habe „gerade den 500.000. Besucher gemacht, seit dem Start am Donnerstag”. Die gesamte Reihe hat im deutschsprachigen Raum inzwischen mehr als 10,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht.
Und noch eine Zahl, die Sebastian Bezzel selbst am wenigsten betont: Mit dem zehnten Auftritt als Franz Eberhofer hat er den Rekord von Pierre Brice eingestellt, der Winnetou zehnmal auf der Kinoleinwand spielte. Für den Alleinbesitz bräuchte es einen elften Film. Man ahnt, wie das Publikum im Admiral abstimmen würde.

VERLOSUNG:
Der Vogtlandstreicher.de verlost zwei Tickets für “Steckerlfischfiasko” im Admiral Boutique Kino Nürnberg. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Das Gewinnspiel läuft vom 20. August 2026 bis zum 26. August 2026 um 0 Uhr. Die Teilnahme erfolgt per E-Mail mit Angabe von Name und Wohnort an gewinnspiel@vogtlandstreicher.de mit dem Betreff „Steckerlfisch“. Unter allen Einsendungen wird ausgelost und die Gewinner werden bis spätestens 28. Juli 2026 per E-Mail informiert. Die Teilnahmedaten werden nur für die Dauer des Gewinnspiels gespeichert und anschließend gelöscht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita
Eberhofer-Krimi: Im Admiral Boutique Kino Nürnberg waren die “Steckerlfischfiasko”-Stars nicht nur auf, sondern vor der Leinwand
