Heute feiert das Freibad Haselbrunn ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 100 Jahren gehört die Anlage zu den beliebtesten Sommerzielen in Plauen. Was 1926 als ehrgeiziges Bauprojekt begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem Wahrzeichen der Stadt – mit bewegter Geschichte, dramatischer Schließung und einer beeindruckenden Wiedergeburt dank engagierter Bürger.
Bereits bei seiner Eröffnung im Jahr 1926 galt es als echtes Vorzeigeprojekt. Am ruhigen Rand des Stadtwaldes entstand in idyllischer Lage eine der modernsten und größten Anlagen Deutschlands. Der Wunsch nach einem großen städtischen Freibad bestand damals schon lange. Errichtet wurde es 1925/1926 als sogenannte „Notstandsarbeit“. Mit Baukosten von mehr als 780.000 Reichsmark für Becken, Gebäude und Luftbäder war das Projekt keineswegs günstig.
Schon wenige Jahre später wurde das Bad als eine der „schönsten und größten Freibadanlagen Deutschlands“ bezeichnet. Die riesige Wasserfläche, eingerahmt von einem rund 17 Meter breiten Sandstrand, lockte Tausende Besucher an. Auch sportlich schrieb Haselbrunn Geschichte: So fand hier 1934 unter anderem der Schwimmländerkampf zwischen Deutschland und Frankreich statt.
Das Aus nach fast 70 Jahren
Fast sieben Jahrzehnte lang war es ein fester Bestandteil. Doch 1995 kam das überraschende Ende. Neue gesetzliche Vorgaben verlangten, dass Freibäder mit einer modernen Wasserumwälzanlage ausgestattet sein mussten. Für das Haselbrunner Bad mit seinen rund 18.900 Kubikmetern Wasser hätte dies Investitionen in Millionenhöhe bedeutet. Die inzwischen rund 70 Jahre alte Bausubstanz und der enorme Sanierungsbedarf machten einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb unmöglich. Schweren Herzens wurde das Freibad geschlossen.
Bürgerengagement rettet das Freibad
Doch die Geschichte war damit noch nicht beendet. Der damalige Oberbürgermeister-Kandidat Ralf Oberdorfer, der selbst eine enge persönliche Verbindung zum Freibad hatte, machte dessen Rettung zu einem zentralen Wahlkampfthema.
Gemeinsam mit Bernd Märtner gründete er im Jahr 2000 den Förderverein „Freibad Plauen-Haselbrunn e. V.“. Der Verein entwickelte ein tragfähiges Finanzierungskonzept und überzeugte damit den Stadtrat. Zahlreiche Ehrenamtliche, regionale Unternehmen und engagierte Bürger unterstützten das Projekt. Insgesamt kamen rund 110.000 D-Mark an Spendengeldern zusammen.
Bereits im Juni 2002 konnte das Freibad wieder eröffnet werden – ein emotionaler Moment für viele Plauener. Sein Wahlversprechen löste Ralf Oberdorfer dabei spektakulär ein: In Hose und Hemd sprang er vom Zehn-Meter-Turm ins Wasser.
Modernisierung mit Respekt vor der Geschichte
Im Zuge der Sanierung wurde die ursprüngliche Wasserfläche deutlich verkleinert. Die einst rund 9.000 Quadratmeter große Beckenlandschaft war dauerhaft wirtschaftlich nicht mehr zu betreiben. Stattdessen entstand ein modernes Freibad mit einer Wasserfläche von rund 825 Quadratmetern. Die neuen Becken wurden rund um den markanten Sprungturm angeordnet, während der ehemalige Beckenbereich zu großzügigen Liegewiesen umgestaltet wurde.
Heute verbindet das Freibad historische Architektur mit moderner Technik und bietet gleichzeitig den Charme der traditionsreichen Anlage.
Alle Infos zum Fest: 100 Jahre Freibad Haselbrunn: Badespaß mit großem Jubiläumsfest
Interview mit Ronny Adler, Geschäftsführer der Bäder Plauen GmbH
Welche Rolle spielt der Förderverein in der Geschichte des Freibads?
Kurz und knapp: Ohne den Förderverein Freibad Plauen-Haselbrunn würde es das Freibad heute vermutlich nicht mehr geben.
Wie ist das Freibad heute aufgestellt?
In den vergangenen Jahren konnten wir das Freibad mit Fördermitteln des Bundes und des Freistaates Sachsen sowie Eigenmitteln der Bädergesellschaft und Zuschüssen der Stadt Plauen nachhaltig modernisieren. Alle Becken verfügen heute über eine Edelstahlauskleidung und entsprechen damit dem aktuellen technischen Standard. Eine Photovoltaikanlage deckt einen großen Teil unseres Strombedarfs, Wärmepumpen sorgen für die Warmwasserversorgung der Duschen. Zudem wurden sämtliche denkmalgeschützten Kabinen und Gebäude umfassend saniert.
Was erwartet die Besucher heute?
Das Freibad bietet moderne Wassertechnik, Edelstahlauskleidungen in allen Becken sowie zahlreiche Attraktionen – darunter Rutschen, den Sprungturm, Spielplätze, Volleyballfelder und einen FKK-Bereich. Ergänzt wird das Angebot durch großzügige Liegewiesen, moderne Sanitäranlagen, Umkleiden und einen Kiosk, die den Aufenthalt besonders angenehm machen.
Wie ist der Stand der aktuellen Sanierungsarbeiten?
Dank einer weiteren Förderung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen wird seit April der letzte Bauabschnitt der historischen Kabinen saniert. Die Arbeiten sollen Ende August abgeschlossen sein. Gemeinsam mit dem Förderverein möchten wir noch in diesem Jahr außerdem den Eingangsbereich und das historische Kassenhaus sanieren. In den kommenden Jahren stehen die Sanierung des Aufsichtsgebäudes sowie die kontinuierliche Pflege und Instandhaltung der denkmalgeschützten Gebäude an. Wer sich für dieses Stück Plauener Stadtgeschichte begeistern kann, ist herzlich eingeladen, den Förderverein als aktives Mitglied zu unterstützen. Natürlich hilft auch jede Spende beim Erhalt der historischen Anlage. Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet zahlreiche weitere Informationen in der vom Förderverein herausgegebenen Chronik. Diese ist an der Freibadkasse sowie an weiteren Verkaufsstellen erhältlich.
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Seit 100 Jahren ein Stück Plauen: Die Geschichte des Freibads Haselbrunn

