Nachrichten VogtlandRoxette bringen nach 25 Jahren „Room Service“ zurück – und damit verborgene Songschätze

Es ist nicht das Roxette-Album, auf dem sich die ganz großen Welthits aneinanderreihen. Kein „The Look“, kein „Listen to Your Heart“, kein „Joyride“. Dafür besitzt „Room Service“ etwas, das sich manchmal erst mit einigem zeitlichen Abstand erschließt: Songs, die nie zu den bekanntesten des schwedischen Duos gehörten, aber bis heute erstaunlich frisch, eigenwillig und berührend klingen. Zum 25. Geburtstag ist das Album nun als umfangreiche Roxette Room Service 25th Anniversary Edition zurückgekehrt.

Als „Room Service“ im Frühjahr 2001 veröffentlicht wurde, lag die ganz große internationale Hitphase bereits einige Jahre zurück. Marie Fredriksson und Per Gessle mussten niemandem mehr beweisen, dass sie Refrains für die Ewigkeit schreiben konnten. Trotzdem wirkte das siebte Studioalbum damals ein wenig, als stehe es im Schatten seiner berühmten Vorgänger.

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Dabei steckt genau jene Mischung darin, die Roxette unverwechselbar machte: glasklare Popmelodien, Gitarren, elektronische Spielereien, große Gefühle und dieser reizvolle Wechsel zwischen Gessles verschmitzter Leichtigkeit und Fredrikssons emotionaler Wucht. Die Produktion trägt deutlich die Handschrift der frühen 2000er-Jahre. Synthesizer, programmierte Rhythmen und hochglänzende Popoberflächen sind überall zu hören. Manches wirkt heute wie eine musikalische Zeitkapsel. Erstaunlich vieles hat die vergangenen 25 Jahre jedoch ausgesprochen gut überstanden.

Keine Hitparade – sondern eine Schatzkammer

Es ist kein Album, das mit jedem Titel sofort auf maximale Wiedererkennbarkeit zielt. Gerade darin liegt heute sein Reiz. Zwischen den Singles verbergen sich Stücke, die nie dieselbe Aufmerksamkeit erhielten wie die großen Klassiker – obwohl sie sie verdient hätten.

„Jefferson“ ist eines dieser kleinen Popkunstwerke. Der Song wirkt leichtfüßig, verspielt und melancholisch zugleich. Seine Melodie schwingt scheinbar mühelos dahin, während unter der freundlichen Oberfläche eine leise Traurigkeit liegt. Typisch Per Gessle: Selbst wenn eine Geschichte schmerzt, bekommt sie einen Refrain, der sich anfühlt wie Sonne auf der Haut. Auch „Looking for Jane“, „Fool“ und „It Takes You No Time to Get Here“ zeigen ein Duo, das sich nicht ausschließlich auf die bewährte große Ballade verlässt.

„Milk and Toast and Honey“: Wärme gegen die Schwere des Lebens

Der Mittelpunkt des Albums könnte „Milk and Toast and Honey“ sein, der zugleich zu den besten Roxette-Songs überhaupt gehört. Schon der Titel klingt nach Geborgenheit, nach einem kleinen Frühstück gegen die großen Sorgen. Marie Fredriksson singt das Stück nicht mit demonstrativer Dramatik. Sie lässt es wachsen. Aus vorsichtigen Strophen erhebt sich ein Refrain, der Trost spendet, ohne den Schmerz kleinzureden. Genau das konnte ihre Stimme wie kaum eine andere: stark sein, ohne Härte zu brauchen, und verletzlich klingen, ohne jemals schwach zu wirken. „Milk and Toast and Honey“ ist keine jener Powerballaden, die auf den großen Knall warten. Der Song bleibt näher, wärmer und menschlicher – und berührt vielleicht gerade deshalb auch nach 25 Jahren.

„Bla Bla Bla Bla Bla“: Viel mehr als nur ein kurioser Titel

Die Jubiläumsausgabe macht aus „Room Service“ mehr als eine bloße Wiederveröffentlichung. Sie öffnet das Archiv und holt Titel hinzu, die zur Entstehungszeit des Albums gehören, auf der ursprünglichen Ausgabe aber keinen Platz fanden. Dazu zählt „Bla Bla Bla Bla Bla (You Broke My Heart)“. Hinter dem augenzwinkernden Titel steckt ein herrlich direkter Popsong, in dem Liebeskummer nicht ehrfürchtig zelebriert, sondern mit Schwung und einer Portion Trotz abgeschüttelt wird. Der Titel klingt fast wie eine beiläufige Pointe – der Refrain bleibt dafür umso hartnäckiger im Kopf.

Weitere Ergänzungen wie „Entering Your Heart“, „The Weight of the World“, „Every Day“ und die Roxette-Version von „Stupid“ zeigen, wie ergiebig diese Schaffensphase war. Hinzu kommen alternative Fassungen und frühe Demos, durch die sich nachvollziehen lässt, wie die Songs auf dem Weg ins Studio ihre endgültige Gestalt annahmen.

Marie Fredriksson starb im Dezember 2019 – umso bewegender ist es, ihre Stimme auf dieser Jubiläumsausgabe noch einmal so unmittelbar zu hören.

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Die Jubiläumsausgabe bietet deutlich mehr als das Original

Die vor wenigen Tagen erschienene 25th Anniversary Edition wird in mehreren Formaten angeboten. Das ursprüngliche Album umfasst zwölf Titel. Die Doppel-Vinyl-Ausgabe erweitert es auf 24 Stücke und erscheint erstmals überhaupt auf Schallplatte – wahlweise auf schwarzem sowie limitiert auf rot-schwarz marmoriertem Vinyl. Die Doppel-CD enthält insgesamt 26 Titel und ein 20-seitiges Booklet.

Neben den zwölf ursprünglichen Songs finden sich auf der CD 14 Bonusaufnahmen. Dazu gehören Outtakes, eine alternative Fassung von „Bringing Me Down to My Knees“ und frühe T&A-Demos von mehreren Albumtiteln. „Walk On, Lonely Eyes“ und „Beautiful Girl“ geben zusätzliche Einblicke in das Material, das rund um „Room Service“ entstand. Die digitale Ausgabe fällt mit 21 Titeln kürzer aus.

Fazit:

Nicht jeder Klang auf „Room Service“ ist zeitlos. Einige elektronische Effekte verraten ziemlich genau, in welchem Jahr dieses Album entstanden ist. Doch selbst dort, wo die Produktion hörbar altert, bleiben die Melodien stark. „Room Service“ ist vermutlich nicht das Album, das man einem Roxette-Neuling als Erstes in die Hand drücken würde. Wer die bekannten Hits jedoch längst auswendig kennt, kann hier eine andere Seite des Duos entdecken.

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