Manchmal beginnt eine Kinokarriere mit vier Minuten. Manchmal erzählt ein Gebäude so viel vom Leben, dass es selbst zur Hauptfigur wird. Bei den 60. Internationalen Hofer Filmtagen stehen beide Geschichten für ausgezeichnetes Kino. Hannah Herzsprung erhielt den Filmpreis der Stadt Hof. Der Jury-Kurzfilmpreis ging an Christoph Schwarz für „All Buildings Are Beautiful“. Die Ehrungen richten den Blick auf unterschiedliche Seiten des Films – auf eine Schauspielerin, deren Weg eng mit Hof verbunden ist, und auf einen Regisseur, der in scheinbar unbelebter Architektur menschliche Geschichten sichtbar macht.
Hannah Herzsprung erhält den Filmpreis der Stadt Hof
Am vergangenen Donnerstag wurde Hannah Herzsprung im Festsaal der Freiheitshalle Hof ausgezeichnet. Wie viel ihr dieser Ort bedeutet, fasste die Schauspielerin in einem Satz zusammen: „Hof ist der Geburtsort für mich als Schauspielerin.“
Hier begeisterte 2006 ihr Leinwanddebüt „Vier Minuten“ von Regisseur Chris Kraus – jener Film, der zum Ausgangspunkt ihrer Kinokarriere wurde. An ihrer Seite spielte der gebürtige Hofer Sven Pippig, der mit dem Grimme-Preis geehrt wurde. Zehn Jahre später gehörte Herzsprung zum Ensemble von Kraus’ „Die Blumen von gestern“, dem Eröffnungsfilm der 50. Hofer Filmtage. Mit „15 Jahre“, der Fortsetzung von „Vier Minuten“, führte ihr Weg erneut zum Festival.
Kraus beschreibt ihre schauspielerische Stärke als Fähigkeit, sich ganz auf das Gegenüber einzulassen: „Ihr gelingt die Reise ins Innere einer Rolle, weil sie das Geheimnis des Schauspiels beherrscht: das bedingungslose Zuhören.“
Von „Vier Minuten“ bis „Babylon Berlin“
Vor der Kinoleinwand stand zunächst die Fernsehkamera: Mit 16 Jahren übernahm die gebürtige Hamburgerin eine Rolle in der BR-Serie „Aus heiterem Himmel“. Auf eine Schulausbildung mit dem Schwerpunkt Performing Arts und privaten Schauspielunterricht folgte ein Studium der Kommunikationswissenschaften. Parallel dazu arbeitete sie weiter als Schauspielerin. Für „Vier Minuten“ erhielt Herzsprung den Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin, für „Das wahre Leben“ den Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin. Beide Filme stammen aus dem Jahr 2006.
Es folgten unter anderem „Der Baader Meinhof Komplex“ unter der Regie von Uli Edel und die internationale Produktion „Der Vorleser“ von Stephen Daldry, beide 2008. Auch in der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ unter der Regie von Tom Tykwer war sie zu sehen. Als Synchronsprecherin wirkte sie an „Die Hüter des Lichts“ und „Die Schlümpfe 2“ mit. 2024 wurde sie für ihre Darstellung in „15 Jahre“ mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Darstellerin ausgezeichnet. Zu ihren jüngsten Dreharbeiten zählen „Corpus Delicti“, „Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang“, „Tamas Traum“ und „Kochschule Schwarz“.

Ein Filmpreis für die Verbindung zu Hof
Oberbürgermeister Stefan Schmalfuß kennt die Filmtage auch aus der Perspektive eines Kinobetreibers. Über 28 Jahre habe er erlebt, wie viel Leidenschaft und Engagement in dem Festival steckten, sagte er bei der Verleihung. Dass er nun selbst Filmschaffende auszeichnen dürfe, hätte er sich damals kaum vorstellen können. Er verband damit den Wunsch, der besondere Geist der Filmtage möge auch kommende Generationen inspirieren.
Der nicht dotierte Filmpreis der Stadt Hof wird seit 1986 an Persönlichkeiten verliehen, die der Stadt und dem Festival besonders verbunden sind. Erste Preisträgerin war Doris Dörrie. Zu den später Ausgezeichneten gehören unter anderem Wim Wenders, Werner Herzog, Tom Tykwer, Dominik Graf und Caroline Link. Im vergangenen Jahr erhielt Conny Walther den Preis.
Jury-Kurzfilmpreis für „All Buildings Are Beautiful“
Einen Tag später rückte in der Bürgergesellschaft eine andere Hauptfigur ins Licht: eine in die Jahre gekommene Universität. Für seinen Film „All Buildings Are Beautiful“ erhielt Christoph Schwarz am Freitag den mit 2500 Euro dotierten Jury-Kurzfilmpreis der Stadt Hof.
Die dreiköpfige Jury wählte den Beitrag aus den teilnehmenden Kurzfilmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Überzeugt hätten insbesondere die Gestaltung der Bilder, der Ton und die Musik. Schwarz erwecke etwas zum Leben, von dem man zunächst kaum Lebendigkeit erwarte.
Je länger die Jury zugeschaut habe, desto deutlicher sei geworden, wie viel Leben sich in Architektur ansammeln könne. So werde die Universität zu einem Protagonisten, mit dem das Publikum mitfühle. Obwohl kaum Menschen zu sehen oder zu hören seien, entstehe ein zutiefst menschlicher Film – mit fein dosiertem Humor. Dabei reicht der Blick über das Gebäude hinaus: Wie entstehen und bleiben Orte erhalten, an denen Menschen einander begegnen? Wie gehen wir mit Veränderung um? Und in welcher Gesellschaft wollen wir leben?
Kurzfilme bekommen in Hof eine Bühne
Bei der Verleihung erinnerte Schmalfuß daran, dass Kurzfilme früher selbstverständlich vor einem Langfilm im Kino liefen. Heute seien sie dort kaum noch zu sehen, obwohl sie häufig am Beginn einer Filmkarriere stünden. Der Kurzfilmpreis solle jungen Filmschaffenden Raum geben, ihre Arbeit zu zeigen und sich weiterzuentwickeln. Neben dem Jurypreis gibt es in Hof einen ebenfalls mit 2.500 Euro dotierten Publikums-Kurzfilmpreis. Über diesen entscheiden die Besucherinnen und Besucher durch digitale Abstimmung im Kino und beim Streaming-Festival.
Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.
Hofer Filmtage 2026: Hannah Herzsprung und Christoph Schwarz ausgezeichnet

