Zwei Jugendliche überwinden die Berliner Mauer – und kehren heimlich zurück. Menschen begegnen jenen, die sie einst überwachten. Die Deutsch-Deutschen Filmtage 2026 in Plauen und Hof erzählen von deutscher Geschichte durch die Menschen, die sie erlebt haben. Vom 13. bis 17. November laden die Partnerstädte zur 16. Ausgabe unter dem Motto „Von der Teilung zur Einheit“ ein. Spielorte sind das Capitol-Kino Plauen und das Central-Kino Hof. Der Eintritt ist frei.
Kino, das nach dem Abspann weitergeht
Seit 2009 gehören die Deutsch-Deutschen Filmtage zur kulturellen Zusammenarbeit von Plauen und Hof. Ihr besonderer Reiz liegt im Zusammenspiel von Film und Begegnung: Nach den Vorführungen kommen Zeitzeugen, Filmschaffende und weitere Gäste mit dem Publikum ins Gespräch. Persönliche Erinnerungen ergänzen die Bilder auf der Leinwand, eröffnen andere Blickwinkel und lassen Raum für Fragen.
Die Reihe richtet sich an alle Generationen. Gerade jüngeren Besuchern bietet sie einen Zugang zu einer Zeit, die sie selbst nur aus Erzählungen kennen. Für andere können die Filme an eigene Erfahrungen anknüpfen.
„3 1/2 Stunden“: Eine Zugfahrt zwischen zwei möglichen Leben
Wie unmittelbar große Geschichte in den Alltag eingreifen kann, zeigt der Spielfilm „3 1/2 Stunden“ von Regisseur Ed Herzog. Am 13. August 1961 sind Menschen in einem Interzonenzug von München nach Ost-Berlin unterwegs. Während der Fahrt erfahren sie vom Bau der Berliner Mauer. Für die Reisenden aus der DDR bleibt wenig Zeit: im Westen bleiben oder zurückkehren? Beziehungen, berufliche Pläne und Überzeugungen stehen plötzlich zur Disposition. Der Film läuft am 15. November um 13.30 Uhr in Plauen und um 17 Uhr in Hof. Als Gast ist Drehbuchautor, Regisseur und Zeitzeuge Prof. Robert Krause angekündigt.
„Spione unter uns“: Begegnungen mit der Vergangenheit
Der Dokumentarfilm „Spione unter uns“ begleitet den Historiker Dr. Peter Keup, der in der DDR als politischer Gefangener inhaftiert war. Auf der Suche nach Antworten zur eigenen Familiengeschichte begegnet er ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit. Im Anschluss spricht Dr. Lars Lüdicke mit Keup über dessen Erfahrungen, die Aufarbeitung des DDR-Unrechts und die Bedeutung von Erinnerung für die Gegenwart. Zu sehen ist der Film am 14. November um 11 Uhr in Hof und um 17 Uhr in Plauen.
Vom Grenzstreifen zum Grünen Band
Auch die Natur erzählt von gesellschaftlichen Umbrüchen. „WIEGEHTNATUR?!“ widmet sich dem Biologen und Moorforscher Michael Succow, der mit seinen Mitstreitern 1989/90 ein umfangreiches Naturschutzprogramm auf den Weg brachte. Seine Tochter Kathrin Succow ist als Gesprächsgast angekündigt. Die Vorführungen finden am 14. November um 13.30 Uhr in Plauen und um 17 Uhr in Hof statt.
Eine andere künstlerische Form wählt „Das Grüne Band“: Die szenische Lesung verbindet historische Dokumente und Zeitzeugenberichte mit Filmaufnahmen und Gitarrenimprovisationen. Darunter sind auch Bilder aus der Region um Plauen und Hof. Im Mittelpunkt steht die Verwandlung der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu einem Natur- und Erinnerungsraum. Mitwirkende sind Thom Gallie, Gundula Piepenbring, Olaf Oelstrom und Vincent Babl. Beginn ist am 15. November um 13.30 Uhr in Hof und um 17 Uhr in Plauen.
Mauerspringer, Medaillen und geheime Tunnel
Von einem ungewöhnlichen Grenzübertritt erzählt „Go West Go East – Mauerspringer“: Zwei Jugendliche gelangen Anfang der 1970er-Jahre nach West-Berlin und anschließend unbemerkt zurück. Beim anschließenden Gespräch mit Zeitzeugin Anne Hahn geht es um unangepasste Jugendliche in der DDR.
Weitere Programmpunkte widmen sich dem staatlichen Doping im DDR-Sport und einer Geheimdienstoperation unter dem geteilten Berlin. Den Auftakt bildet „Die Mauer – Beton und Stacheldraht“. Die Plauener Veranstaltung eröffnet Oberbürgermeister Steffen Zenner am 13. November.
Deutsch-Deutsche Filmtage 2026: Das Programm im Überblick
| Film / Veranstaltung | Capitol-Kino Plauen | Central-Kino Hof |
|---|---|---|
| Die Mauer – Beton und Stacheldraht | 13.11., 19.30 Uhr | 13.11., 15 Uhr |
| WIEGEHTNATUR?! | 14.11., 13.30 Uhr | 14.11., 17 Uhr |
| Spione unter uns | 14.11., 17 Uhr | 14.11., 11 Uhr |
| 3 1/2 Stunden | 15.11., 13.30 Uhr | 15.11., 17 Uhr |
| Szenische Lesung: Das Grüne Band | 15.11., 17 Uhr | 15.11., 13.30 Uhr |
| Go West Go East – Mauerspringer | 16.11., 15 Uhr | 16.11., 11 Uhr |
| Missbraucht für Medaillen – Doping und Menschenversuche im DDR-Sport | 16.11., 19.30 Uhr | 17.11., 17 Uhr |
| Operation Gold – Der Spionagetunnel von Berlin / Spionagetunnel Berlin-Rudow | 17.11., 17 Uhr | 16.11., 17 Uhr |
Eintritt frei – Gruppen sollten sich anmelden
Alle Veranstaltungen können kostenfrei besucht werden. Ein Anspruch auf einen Sitzplatz besteht jedoch nicht. Schulklassen und Gruppen wird eine verbindliche Anmeldung empfohlen. Reservierte Gruppen müssen spätestens zehn Minuten vor Beginn anwesend sein, sonst verfällt die Reservierung.
Ansprechpartnerin ist Steffi Behncke im Kulturreferat der Stadt Plauen, erreichbar unter 03741 291-2342 oder steffi.behncke@plauen.de. Das vollständige Programm steht unter www.plauen.de/filmtage.
Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.
Deutsch-Deutsche Filmtage 2026: Plauen und Hof bringen Geschichte auf die Leinwand

