Titelfoto: VSC Klingenthal e.V.
Der Regen hörte am Samstag in Klingenthal nicht auf. Die Fans blieben trotzdem. Sie standen an der Schanze am Schwarzberg und feierten jeden Sprung mit Hochsommerlaune.
Genau an diesem Nachmittag entschied sich, wer den Sommer Grand Prix 2026 gewinnen würde. Klingenthal ist traditionell die letzte Station der Serie, bevor im November die Wintersaison beginnt. Wer hier vorn lag, nahm den Titel mit nach Hause.
Ein Meter fehlt zum eigenen Rekord
Den Sprung des Tages zeigte Marius Lindvik. Der Norweger landete schon im ersten Durchgang bei 140,5 Metern. Im Finale flog er auf 147 Meter, so weit wie an diesem Tag niemand sonst. Mit 295,7 Punkten lag er am Ende 5,7 Punkte vor dem Zweiten.
Das war mehr als ein Tagessieg. Lindvik kennt diese Schanze wie kaum ein anderer. Am 5. Oktober 2019 stellte er hier mit 148 Metern den Sommerrekord der Vogtland Arena auf, der bis heute gilt. Diesmal fehlte ihm genau ein Meter zu seiner eigenen Bestmarke. Schon 2024 hatte er in Klingenthal das Einzel der Herren gewonnen.
Hinter ihm landete der Japaner Ren Nikaido auf Platz zwei, Dritter wurde der Pole Klemens Joniak. Die deutschen Springer blieben im Mittelfeld. Pius Paschke wurde 18., Philipp Raimund lag nur drei Zehntelpunkte dahinter auf Platz 19. Karl Geiger verpasste als 31. den zweiten Durchgang.
Nakamura enteilt, Raimund verliert seinen Titel
Die Gesamtwertung der Herren war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden. Der Japaner Naoki Nakamura gewann den Sommer Grand Prix mit 450 Punkten. Das sind mehr als doppelt so viele wie beim Zweiten. Zweiter wurde der Österreicher Daniel Tschofenig, Dritter Danil Vassilyev aus Kasachstan.
Für Philipp Raimund gab es keine Wiederholung. Vor zwölf Monaten hatte er in Klingenthal als erster Deutscher seit 2013 den Gesamtsieg geholt. In diesem Sommer reichte es für Rang acht. Er bleibt trotzdem der beste Deutsche der Serie.
Wie knapp es an diesem Wochenende zuging, zeigte schon der Freitag. In der Qualifikation flog der erst 19 Jahre alte Pole Kacper Tomasiak auf 144 Meter und gewann. Jan Hörl aus Österreich sprang mit 144,5 Metern sogar einen halben Meter weiter. Weil er bei der Landung Punkte verlor, wurde er nur Dritter. Bester Deutscher war dort Andreas Wellinger auf Platz 19.
Midtskogen gewinnt den Tag, Klinec den Sommer
Bei den Damen drehte sich am Freitag noch alles um Nika Prevc. Die Slowenin gewann die Qualifikation mit 139 Metern. Am Samstag aber gehörte der Tag einer anderen.

Die junge Norwegerin Ingvild Synnøve Midtskogen legte im ersten Durchgang 142,5 Meter vor. Im Finale bestätigte sie mit 133,5 Metern ihren Vorsprung. Prevc wurde Zweite, die Norwegerin Eirin Maria Kvandal Dritte. Beste Deutsche war Agnes Reisch auf Rang zwölf. Selina Freitag vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal war in der Qualifikation noch Neunte, im Wettkampf wurde sie 24.
Den Gesamtsieg holte sich Ema Klinec. Die Slowenin reiste als Führende an und verteidigte ihren Vorsprung souverän. Klingenthal liegt ihr. Schon 2023 hatte sie hier das Einzel der Damen gewonnen. Hinter ihr folgen in der Gesamtwertung Anna Twardosz aus Polen und die Japanerin Yuki Ito.
Julina Kreibich springt vor heimischem Publikum ins Finale
Den lautesten Jubel aus vogtländischer Sicht gab es für eine Springerin vom VSC Klingenthal. Julina Kreibich schaffte es vor heimischem Publikum unter die besten 30 und damit ins Finale. Am Ende stand Platz 29. Schon der Freitag war für den Verein ein guter Tag. Anne Häckel als 31. und Kreibich als 38. lösten ihr Ticket für den Wettkampf. Im Einzel endete Häckels Weg nach dem ersten Durchgang auf Rang 36. Ganz knapp war es für Megi Lou Schmidt vom Bundesstützpunkt Klingenthal. Ihr fehlte in der Qualifikation ein einziger Platz zum Feld der besten 40.
Die Ergebnisse im Überblick
Einzel Damen, Samstag, 24. Oktober 2026
| Platz | Name | Nation | 1. Durchgang | 2. Durchgang | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ingvild Synnøve Midtskogen | NOR | 142,5 m | 133,5 m | 255,7 |
| 2 | Nika Prevc | SLO | 131,5 m | 131,0 m | 246,5 |
| 3 | Eirin Maria Kvandal | NOR | 129,5 m | 131,5 m | 241,2 |
| 12 | Agnes Reisch | GER | 115,5 m | 129,0 m | 193,8 |
| 24 | Selina Freitag | GER | 115,0 m | 115,0 m | 169,7 |
| 29 | Julina Kreibich (VSC Klingenthal) | GER | 117,0 m | 108,0 m | 133,8 |
Einzel Herren, Samstag, 24. Oktober 2026
| Platz | Name | Nation | 1. Durchgang | 2. Durchgang | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Marius Lindvik | NOR | 140,5 m | 147,0 m | 295,7 |
| 2 | Ren Nikaido | JPN | 139,0 m | 140,0 m | 290,0 |
| 3 | Klemens Joniak | POL | 140,5 m | 142,5 m | 283,5 |
| 18 | Pius Paschke | GER | 131,0 m | 135,5 m | 239,6 |
| 19 | Philipp Raimund | GER | 128,5 m | 129,5 m | 239,3 |
| 22 | Andreas Wellinger | GER | 128,5 m | 135,0 m | 234,2 |
| 26 | Felix Hoffmann | GER | 130,0 m | 132,0 m | 230,7 |
Gesamtwertung Sommer Grand Prix 2026, Damen
| Platz | Name | Nation | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Ema Klinec | SLO | 363 |
| 2 | Anna Twardosz | POL | 294 |
| 3 | Yuki Ito | JPN | 278 |
| 21 | Selina Freitag | GER | 100 |
| 34 | Agnes Reisch | GER | 39 |
| 58 | Julina Kreibich (VSC Klingenthal) | GER | 6 |
Gesamtwertung Sommer Grand Prix 2026, Herren
| Platz | Name | Nation | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Naoki Nakamura | JPN | 450 |
| 2 | Daniel Tschofenig | AUT | 216 |
| 3 | Danil Vassilyev | KAZ | 201 |
| 8 | Philipp Raimund | GER | 172 |
| 30 | Andreas Wellinger | GER | 67 |
| 59 | Pius Paschke | GER | 16 |
Ergebnisse: Weltcup Klingenthal, skispringen.com. In den Einzeltabellen stehen die ersten drei und alle Deutschen, die den zweiten Durchgang erreicht haben.
Norwegen gewinnt zum Abschluss das Mixed Team
Am Sonntag ging der Sommer Grand Prix mit dem Mixed-Team-Wettbewerb zu Ende. Dauerregen und Sturm machten auch den diesen Tag schwer, im zweiten Durchgang erzwang der Wind eine Verschiebung. Den Sieg holte Norwegen mit Ingvild Synnøve Midtskogen, Kristoffer Eriksen Sundal, Eirin Maria Kvandal und Marius Lindvik. Die Norweger führten vom ersten Durchgang an. Lindvik sprang 143 und 144 Meter und gehörte damit wieder zu den Stärksten.

Auf dem zweiten Platz war Slowenien mit Nika Vodan, Timi Zajc, Nika Prevc und Domen Prevc, Platz 3 ging an Japan mit Nozomi Maruyama, Ryoyu Kobayashi, Ringo Miyajima und Ren Nikaido. Die Japaner zeigten den stärksten zweiten Durchgang, Maruyama flog dabei auf 140 Meter. Das deutsche Team mit Selina Freitag, Pius Paschke, Agnes Reisch und Andreas Wellinger kam auf Rang fünf.
Knapp 5000 Gäste kamen an den drei Wettkampftagen in die Arena, trotz Regen, Kälte und Sturm.
INFO: Der Sommer Grand Prix in Klingenthal
Seit 2006 macht der Sommer Grand Prix Station in Klingenthal. In diesem Jahr ging die Schanze der Vogtland Arena in Betrieb, eine Großschanze, deren Hillsize bei 140 Metern liegt. So weit gilt ein Sprung hier noch als sicher. Gebaut wurde sie für rund 14 Millionen Euro. Ihre Vorgängerin, die Aschbergschanze, war bereits 1990 geschlossen worden.
Am 30. September 2006 gewann Adam Małysz aus Polen den ersten Sommer Grand Prix auf der neuen Schanze, vor dem Österreicher Andreas Widhölzl und Tami Kiuru aus Finnland. Małysz wurde in jenem Jahr auch Gesamtsieger.
2018 gingen beim Finale in Klingenthal erstmals Damen und Herren an den Start. Es war bereits der zwölfte Wettkampf der Serie im Vogtland. Am 3. Oktober 2018 machte der Wind allerdings beide Wettkämpfe unmöglich.
Am 5. Oktober 2019 flog Marius Lindvik auf 148 Meter. Es ist bis heute der Sommerrekord der Schanze. Den Wettkampf gewann wegen des starken Windes nach nur einem Durchgang der Slowene Anže Lanišek. Gesamtsieger wurde der Pole Dawid Kubacki.
Am 2. Oktober 2021 stellte die Österreicherin Marita Kramer mit 141,5 Metern den Sommerrekord der Damen auf. Die Slowenin Nika Križnar sprang 2023 genauso weit.
2023 und 2024 gewann das deutsche Mixed-Team in Klingenthal. 2023 sprangen Selina Freitag, Martin Hamann, Katharina Schmid und Andreas Wellinger, 2024 Freitag, Pius Paschke, Schmid und Wellinger. 2024 gewann Katharina Schmid zudem das Einzel der Damen.
2025 holte Philipp Raimund mit Platz zwei hinter dem Japaner Ryoyu Kobayashi den ersten deutschen Gesamtsieg seit 2013. Bei den Damen gewann Nozomi Maruyama aus Japan Tag und Gesamtwertung, Japan siegte auch im Mixed-Team.
Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita
Nakamura und Klinec gewinnen den Sommer Grand Prix 2026 in Klingenthal
