Nachrichten VogtlandBis zu 60 Grad an den Ähren: Hitze hinterlässt Spuren bei der Ernte 2026

Die Ernte 2026 fällt im Saale-Orla-Kreis durchwachsen aus. Während die Wintergerste vielerorts noch solide Ergebnisse liefert, bleiben andere Kulturen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Besonders Raps, Winterweizen und Sommergerste leiden unter den Folgen der Hitzeperiode im Juni. Gleichzeitig verschärft die anhaltende Trockenheit die Situation für viehhaltende Betriebe, weil die nächste Futterernte zunehmend fraglich wird.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt sich bei der Agrar-Milch-Mast GmbH Frössen. Der rund 800 Hektar große Landwirtschaftsbetrieb verbindet Pflanzenbau, Milchviehhaltung, Bullenmast, Schaf- und Weidewirtschaft mit einer Biogasanlage zu einem modernen Kreislaufsystem. Doch auch effiziente Technik kann die Auswirkungen von Wetterextremen, sinkenden Erträgen und wirtschaftlichem Druck nur begrenzt auffangen.

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Hitze im Juni traf Getreide und Raps in entscheidender Phase

Bei der diesjährigen Ernte zeigt sich in Frössen ein sehr unterschiedliches Bild. Die Wintergerste erreichte mit 78 Dezitonnen pro Hektar noch ein solides Ergebnis. Winterweizen und Sommergerste blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück. Besonders schwach fiel der Raps mit lediglich 27 Dezitonnen pro Hektar aus.

„Während wir bei der Wintergerste mit 78 Dezitonnen pro Hektar ein solides Ergebnis erzielt haben, blieben der Winterweizen und die Sommergerste hinter den Erwartungen zurück und die Rapsernte fiel mit 27 Dezitonnen besonders enttäuschend aus“, berichtet Geschäftsführer Sandro Schellenberg.

Nach Angaben des Kreisbauernverbandes ist das kein Einzelfall. Auch im übrigen Kreisgebiet liegen die durchschnittlichen Erntemengen bei Winterweizen, Sommergerste, Roggen und Raps teilweise deutlich unter den Erwartungen und den Ergebnissen der vergangenen Jahre.

Als eine der wesentlichen Ursachen gilt die Hitzeperiode im Juni. Mehrere Tage lang stiegen die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius – und das während einer empfindlichen Wachstums- und Reifephase der Pflanzen. Nach Angaben des Kreisbauernverbandes wurden auf Höhe der Ähren Temperaturen von bis zu 60 Grad gemessen. Unter solchen Bedingungen werden Kornbildung und Reife erheblich beeinträchtigt.

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Foto: Landratsamt Saale-Orla – v.l.n.r.: Landrat Christian Herrgott, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Gunnar Jungmichel, Geschäftsführer Sandro Schellenberg mit Frau Mandy Bielmeier-Schellenberg, Olaf Löscher vom TLLLR und Dr. Britta Ender vom Thüringer Bauernverband – beim Erntegespräch in der Agrar-Milch-Mast GmbH Frössen

Trockenheit wird für Viehbetriebe zum nächsten Problem

Während die Getreide- und Rapsernte bereits weitgehend zeigt, welche Spuren der Sommer hinterlassen hat, richtet sich der Blick bei viehhaltenden Betrieben zunehmend auf die Grünflächen. Denn die anhaltende Trockenheit gefährdet die weitere Futterproduktion. „Die ersten beiden Schnitte waren gut, aber so wie es aktuell aussieht, scheint kein weiterer ertragreicher Futtermittelschnitt mehr möglich zu sein“, sagt Schellenberg.

Gerade für Milchviehbetriebe kann das zum Problem werden. Bleiben die Erträge auf Wiesen und Grünland aus, fehlt betriebseigenes Grundfutter. Futter muss dann entweder aus vorhandenen Reserven kommen oder zusätzlich eingekauft werden – und erhöht damit die ohnehin gestiegenen Produktionskosten.

Milchpreis fällt – Kosten bleiben hoch

Denn die Landwirtschaft kämpft nicht allein mit dem Wetter. Besonders in der Milchviehhaltung wächst der wirtschaftliche Druck. Der Milchpreis lag im Juni mehr als 15 Cent pro Liter unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig sind zahlreiche Kosten für die Betriebe infolge weltweiter Krisen und Lieferengpässe deutlich gestiegen. Damit treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: geringere Erlöse, hohe Produktionskosten, schwächere Ernten und Unsicherheit bei der Futterversorgung.

Die Agrar-Milch-Mast GmbH Frössen versucht, diesen Herausforderungen mit möglichst effizienten Strukturen zu begegnen. Der Betrieb bewirtschaftet rund 500 Hektar Ackerland und 300 Hektar Grünland. Getreide- und Rapsanbau, Milchvieh, Bullenmast, Mutterschafe sowie acht Herden tragender Färsen sind Teil eines weitgehend geschlossenen landwirtschaftlichen Kreislaufs. Auch die anfallende Gülle und der Mist werden weiter genutzt: Eine Biogasanlage erzeugt daraus Strom und Wärme für die Region.

Moderne Melktechnik soll Arbeitsaufwand reduzieren

Ein weiterer Baustein ist die moderne Melkanlage. In Frössen kommt ein Batch-Milking-System von Lemmer-Fullwood zum Einsatz. Die Technik soll Arbeitsabläufe bündeln, Arbeitszeiten optimieren und den Personalaufwand reduzieren.

Das gewinnt auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels an Bedeutung. Denn neben Wetter und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt sich die Suche nach qualifizierten Beschäftigten zu einer langfristigen Herausforderung für die Landwirtschaft.

Der Thüringer Bauernverband versucht deshalb mit einem eigenen Projekt, Auszubildende stärker zu unterstützen und die duale Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen attraktiver zu machen. Entscheidend wird sein, junge Menschen nicht nur für die Branche zu gewinnen, sondern ihnen auch langfristige berufliche Perspektiven aufzuzeigen.

Landwirtschaft zwischen Hightech und Wetterextremen

Das Beispiel Frössen verdeutlicht, wie stark sich moderne Landwirtschaft inzwischen verändert hat. Kreislaufwirtschaft, automatisierte Melktechnik und Energieerzeugung aus betriebseigenen Reststoffen stehen längst neben klassischem Ackerbau und Tierhaltung.

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Gleichzeitig bleibt ein entscheidender Faktor kaum steuerbar: das Wetter. Wenige extrem heiße Tage während einer sensiblen Wachstumsphase können die Erträge einer ganzen Saison beeinflussen. Bleibt anschließend auch noch der Regen aus, betrifft das nicht nur Getreide und Raps auf dem Acker, sondern zunehmend auch das Futter für die Tiere.

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