Nachrichten VogtlandBarry Manilow – What A Time: Das späte Meisterwerk einer Pop-Legende?

Mit 82 Jahren könnte sich Barry Manilow längst auf seinem Lebenswerk ausruhen. Über 85 Millionen verkaufte Alben, mehr als fünf Jahrzehnte im Musikgeschäft und unzählige Klassiker später veröffentlicht der amerikanische Entertainer jedoch ein Album, das überraschend aktuell, persönlich und relevant wirkt. What A Time ist nicht nur sein erstes Studioalbum mit überwiegend neuem Material seit fast 15 Jahren – es könnte auch eines seiner emotionalsten Werke überhaupt sein.

Ende 2025 wurde bei Manilow ein Lungenkarzinom im Frühstadium diagnostiziert. Der Sänger sprach später offen darüber, dass ihn diese Erfahrung dazu gebracht habe, über sein Leben, sein Vermächtnis und seine Zukunft nachzudenken. Genau diese Reflexion scheint sich wie ein roter Faden durch das Album zu ziehen. Bereits die erste Vorabsingle Once Before I Go wirkte wie ein musikalischer Blick zurück – nicht als Abschied, sondern als bewusste Bestandsaufnahme eines Künstlers, der weiß, wie kostbar Zeit geworden ist.

Für viele Fans dürfte die größte Überraschung sein, dass die Platte kein weiteres Nostalgieprojekt geworden ist. Statt auf Neuaufnahmen alter Hits oder Coverversionen zu setzen, präsentiert Manilow fast ausschließlich neues Material. Das Album entstand gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Michael Lloyd und vereint zudem prominente kreative Partner wie Kenneth „Babyface“ Edmonds, Produzent Dave Cobb sowie die langjährigen Songwriter Bruce Sussman und Adrienne Anderson.

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Damit schlägt Manilow eine Brücke zwischen klassischem Adult Contemporary und modernen Produktionsansätzen. Statt zwanghaft zeitgemäß wirken zu wollen, setzt er auf das, was ihn immer ausgezeichnet hat: große Melodien, emotionale Geschichten und eingängige Refrains.

Zwischen Hoffnung und Rückblick

Während Sun Shine eine optimistische, lebensbejahende Seite präsentiert und musikalisch überraschend leichtfüßig wirkt, offenbart die Neuaufnahme von Another Life – 2026 eine nachdenklichere Perspektive. Besonders letzteres Stück gewinnt durch Manilows jüngste Lebensgeschichte eine zusätzliche emotionale Ebene. Aus einem Song über verpasste Chancen wird plötzlich ein Lied über zweite Chancen. Auch Titel wie One More Chance, Nobody Knows My Song oder When Somebody Says Goodbye lassen bereits erahnen, dass hier Themen wie Vergänglichkeit, Dankbarkeit und Neubeginn eine zentrale Rolle spielen.

Was What A Time besonders macht, ist die Perspektive, aus der diese Songs geschrieben wurden. Popmusik ist oft die Domäne der Jugend. Barry Manilow dagegen erzählt aus der Sicht eines Mannes, der fast alles erlebt hat – Erfolge, Rückschläge, Liebe, Kritik und persönliche Krisen. Seine Stimme trägt heute mehr Lebenserfahrung als früher. Sie besitzt nicht mehr jede jugendliche Nuance vergangener Jahrzehnte, dafür aber eine Glaubwürdigkeit, die viele jüngere Künstler erst noch erreichen müssen.

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