Nachrichten Vogtland„Ein Schlag ins Gesicht”: Die Nordische Kombination fliegt raus aus Olympia – was das bedeutet

Titelfoto: Archiv/Stephanie Rössel
Wie eine Entscheidung in Lausanne die Königsdisziplin des nordischen Skisports trifft und einer ganzen Generation von Nachwuchssportlerinnen und Sportlern auch im Vogtland die Perspektive nimmt.

Am 7. Juli 2026 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne beschlossen, die Nordische Kombination aus dem Programm der Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen zu streichen. Damit endet – zumindest vorerst – eine Geschichte, die exakt so alt ist wie die Winterspiele selbst. Und mit ihr steht eine Sportart auf dem Spiel, die in Klingenthal seit über hundert Jahren gelebt, geliebt und mit größtem Ehrgeiz betrieben wird.

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Für Außenstehende mag es nach einer von vielen Programmreformen klingen, wie es sie im olympischen Betrieb immer wieder gibt. Für die Athletinnen und Athleten, für die Vereine, die Trainerinnen und Trainer, für die vielen Ehrenamtlichen ist es weit mehr: Es ist die Frage, ob es den Sport, dem sie ihr Leben verschrieben haben, in fünf Jahren überhaupt noch in der bisherigen Form geben wird.

Was genau entschieden wurde

Das IOC hat die Nordische Kombination – die Verbindung aus Skispringen und Skilanglauf – nicht in das Wettkampfprogramm der Spiele 2030 aufgenommen. Grundlage war die Empfehlung einer Arbeitsgruppe, die alle Disziplinen anhand eines festgelegten Kriterienkatalogs bewertet hatte. Das Ergebnis fiel für die Kombination vernichtend aus: Bei elf von vierzehn Indikatoren belegte sie den letzten Platz unter allen Disziplinen des Winterprogramms.

Hinzu kommt ein zweiter Vorwurf, den das IOC ins Feld führt: die mangelnde „Universalität”. Über die vergangenen vier Winterspiele hinweg konnten Athleten aus lediglich fünf Nationen olympische Medaillen gewinnen. Die Sportart, so das Argument, sei zu wenig in der Welt verankert, ihre Leistungsspitze zu schmal, ihre mediale Reichweite – gemessen an Fernsehquoten, Zuschauerzahlen und Präsenz in den sozialen Netzwerken – zu gering.

Genau dieser Begründung widersprechen die Fachleute des Sports mit Nachdruck. Horst Hüttel, Sportdirektor Nordisch im Deutschen Skiverband (DSV), hält die Argumentation für sachlich falsch: „Die beiden angeführten Punkte, die Social-Media-Daten und die fehlende Universalität der Disziplin, können aus unserer Sicht so nicht stehen bleiben. Gerade bei der Universalität haben wir uns in den vergangenen drei Jahren enorm weiterentwickelt. Bei den Herren waren in den beiden olympischen Wettbewerben jeweils fünf Nationen in den Top Ten vertreten. Bei den Damen kamen sogar sechs Nationen aus dem Gesamtweltcup unter die Top Sechs und sieben Nationen aus drei Kontinenten unter die Top Ten. Da stellt sich die Frage: Welche Sportart hat hier eine größere Universalität? Deshalb fällt es uns sehr schwer, diese Argumentation so zu akzeptieren.” Für den Verband ist die Entscheidung, in Hüttels Worten, „niederschmetternd und sehr enttäuschend”.

Ganz verschlossen ist die Tür nicht. Nach der sogenannten „Fit-for-the-Future”-Strategie des IOC kann sich jede Sportart ab dem kommenden Jahr einer neuen Bewertung stellen und eine Rückkehr beantragen – konkret für die Spiele 2034 in Salt Lake City. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sprach von „sehr guten Gesprächen” mit dem Weltverband und hielt eine Wiederaufnahme 2034 ausdrücklich für möglich. Doch genau hier liegt das Problem: Zwischen einem theoretischen Comeback in acht Jahren und der gelebten Wirklichkeit in den Trainingshallen und auf den Schanzen von heute klafft eine Lücke, in die ganze Sportlerkarrieren und gewachsene Förderstrukturen zu fallen drohen.

Warum das Aus existenzbedrohend ist

Um zu verstehen, weshalb diese Entscheidung nicht nur ärgerlich, sondern für die Sportart tatsächlich existenzbedrohend ist, muss man begreifen, wie eng im deutschen Leistungssport alles miteinander verwoben ist. Der olympische Status ist nicht bloß ein Ehrentitel. Er ist die Achse, um die sich Förderung, Finanzierung und Nachwuchsarbeit drehen.

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Öffentliche Mittel des Bundes, Trainerstellen, die Anerkennung als Bundesstützpunkt, die Einordnung in die Spitzensportförderung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) – all das bemisst sich in erheblichem Maß daran, ob eine Disziplin olympisch ist und Medaillenperspektiven bietet. Fällt der olympische Status weg, gerät diese gesamte Statik ins Wanken. Es geht dann nicht mehr nur um Preisgelder oder Prestige, sondern um Planstellen, um die Finanzierung von Sportstätten, um Perspektiven für junge Talente, die sich fragen müssen, ob sich der Weg in den Leistungssport überhaupt noch lohnt.

„Die Auswirkungen, die diese Entscheidung auf die Athletinnen und Athleten haben werden, sind unbegreiflich”, sagt Alexander Ziron, Geschäftsführer des VSC Klingenthal. „Wir arbeiten jeden Tag mit Spitzen- und Nachwuchssportlern zusammen, deren Lebensinhalt über Nacht nun keine Bedeutung mehr zu haben scheint. Das ist ein Armutszeugnis für die Zustände, die innerhalb des IOC und des internationalen Skisports herrschen.”

Genau darin liegt die eigentliche Härte: Ein junger Mensch, der seit dem Kindesalter jeden freien Nachmittag auf der Schanze und in der Loipe verbracht hat, der Schule und Sport im Internat unter einen Hut gebracht hat, der auf ein einziges Ziel hin trainiert – die Olympischen Spiele –, verliert dieses Ziel nicht durch eine Verletzung oder eine verlorene Qualifikation, sondern durch einen Beschluss am grünen Tisch. Und mit dem Ziel droht die Grundlage zu verschwinden, von der sich der Sport überhaupt bestreiten lässt.

Die bittere Ironie: Die Frauen standen vor der Tür

Besonders schwer wiegt der Zeitpunkt. Denn die Nordische Kombination war die letzte olympische Wintersportart, in der ausschließlich Männer starten durften. Seit 1924 gehören die Männer zum olympischen Programm – die Frauen dagegen kein einziges Mal in 102 Jahren. Dass die Kombination der Frauen so lange auf sich warten ließ, hat einen Grund: Während die Männer schon seit 1983 einen eigenen Weltcup austragen – die jährliche Rennserie des Weltverbands FIS, die unabhängig von Olympia stattfindet –, gibt es einen Frauen-Weltcup überhaupt erst seit 2020, also 37 Jahre später. Erst damit war die weibliche Konkurrenz auf höchstem Niveau organisiert. Hätte das IOC die Sportart im Programm gehalten, wären bei den Spielen 2030 aller Voraussicht nach zum ersten Mal auch Frauen olympisch an den Start gegangen.

Stattdessen wird die Disziplin gestrichen – ausgerechnet in dem Moment, in dem sie den entscheidenden Schritt zur Gleichberechtigung machen wollte. Für eine Generation junger Athletinnen, die für ihren Traum gekämpft und die Voraussetzungen erfüllt haben, bedeutet das eine doppelte Enttäuschung.

Eine von ihnen ist Nathalie Armbruster, mit 20 Jahren bereits Gesamtweltcupsiegerin und die erste deutsche Kombiniererin, der dieses Kunststück gelang. Sie fand nach der Entscheidung deutliche Worte: Sie sei „am Boden zerstört, geschockt und so wütend”, dass das IOC „die Leistung der vergangenen Jahre und die Geschichte unseres Sports mit Füßen tritt”. Dem Komitee warf sie vor, seine eigenen olympischen Werte zu verraten – es gehe „leider nur noch um Geld und Kommerz”. Die Behauptung, der Sport sei zu unpopulär und werde von zu wenigen auf hohem Niveau betrieben, lasse sich „schwarz auf weiß mit Fakten widerlegen”.

Ein Sport mit weit über hundert Jahren Geschichte

Die Nordische Kombination ist keine Randnotiz der olympischen Geschichte – sie gehört zu ihrem Fundament. Seit den ersten Winterspielen 1924 im französischen Chamonix ist sie fester Bestandteil des Programms. Damals gewann der Norweger Thorleif Haug vor zwei Landsleuten; über Jahrzehnte dominierten die Skandinavier die Disziplin, die als „Königsdisziplin” des nordischen Skisports gilt, weil sie von ihren Athleten zweierlei verlangt: den Mut und die Explosivität des Skispringers und die Ausdauer und Zähigkeit des Langläufers.

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Deutschland gehört seit Langem zur absoluten Weltspitze. Namen wie Eric Frenzel, der fünfmal in Folge den Gesamtweltcup gewann, Johannes Rydzek, Fabian Rießle oder der zweifache Olympiasieger Vinzenz Geiger stehen für eine Ära großer Erfolge. Bei den Spielen 2018 in Pyeongchang gelang den deutschen Kombinierern von der Großschanze ein historischer Dreifachsieg – Gold, Silber und Bronze für ein einziges Team. Es sind Momente wie diese, die zeigen, welche Strahlkraft dieser Sport entfalten kann und welche Substanz hinter ihm steht.

In Klingenthal reicht die Tradition sogar über hundert Jahre zurück. Die Stadt ist eine der geschichtsträchtigsten Wintersportstandorte Deutschlands. Mit der Sparkasse Vogtland Arena und der Harry-Glaß-Schanze verfügt er über eine der modernsten Sprunganlagen der Welt, fertiggestellt 2006. Die kleineren Vogtlandschanzen in Mühlleithen – von der K10 bis zur K77 – bilden das Rückgrat der Nachwuchsarbeit. Betrieben wird der Bundesstützpunkt seit 2012 von der Skisport- und Schulinternat Vogtland GmbH, die Langlauf, Nordische Kombination und Skispringen unter einem Dach vereint. Erst im Januar 2027 soll die Weltelite der Kombinierer wieder im Vogtland zu Gast sein.

Die Stimmen: zwischen Fassungslosigkeit, Wut und Trotz

Kaum eine Entscheidung im Wintersport hat in den vergangenen Jahren eine derart geschlossene Welle der Empörung ausgelöst. Von den Weltverbänden über die deutsche und internationale Spitze bis zu den Trainerinnen und Trainern an der Basis reicht das Spektrum der Reaktionen – und fast alle eint dieselbe Mischung aus Enttäuschung, Unverständnis und Kampfgeist.

Die Verbände reagierten betont diplomatisch, aber unüberhörbar kritisch. DOSB-Präsident Thomas Weikert erklärte: „Ich teile die Enttäuschung der Athletinnen und Athleten, die über Jahre mit großer Disziplin, Leidenschaft und Entbehrung auf die Verwirklichung ihres olympischen Traums hingearbeitet haben und nun zunächst mit dieser Entscheidung leben müssen.” Zugleich müsse man anerkennen, dass das IOC das Programm „an veränderte Rahmenbedingungen anpassen” müsse – umso wichtiger sei es jetzt, „gemeinsam neue Perspektiven für die Nordische Kombination zu schaffen”. Andreas Schlütter, Vorstand Sport im DSV, wurde deutlicher: „Wir respektieren die Entscheidung des IOC, auch wenn sie aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Nordische Kombination ist eine unserer Kerndisziplinen und hat den nordischen Skisport über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.”

Auch der Internationale Skiverband FIS zeigte sich getroffen. Der erst im Juni gewählte Präsident Alexander Ospelt sprach von einer „sehr schwierigen Entscheidung” und betonte, die Disziplin sei „seit den allerersten Olympischen Winterspielen 1924 Teil des Programms und ein Grundpfeiler des Nordischen Skisports auf allen Ebenen”. Der zuständige FIS-Renndirektor Lasse Ottesen fand die schärfsten Worte: „Die heutige Entscheidung des IOC ist äußerst enttäuschend. Mir fehlen die Worte und ich kann die Gründe dahinter kaum nachvollziehen.” Der Weltverband kündigte an, „hart daran zu arbeiten, die Nordische Kombination 2034 wieder bei den Olympischen Winterspielen zu sehen”.

Die aktiven Athletinnen und Athleten trifft die Entscheidung am unmittelbarsten. Neben Nathalie Armbruster meldete sich der zweifache Olympiasieger Vinzenz Geiger zu Wort: „Es war für uns natürlich ein Riesenschock, wir haben nicht damit gerechnet, dass wir rausfliegen. Vor allem für die jungen Athleten ist das natürlich etwas echt Tragisches.” Dem IOC hielt er entgegen: „Wenn jemand sagt, unsere Sportart ist nicht spannend, dann sollte er sich einfach mal ein Rennen anschauen.” Der österreichische Gesamtweltcupsieger Johannes Lamparter sprach von einem „Schlag ins Gesicht” und einem Traum, „der uns genommen wird”. Der Norweger Jens Luraas Oftebro, in Milano-Cortina noch dreifacher Olympiasieger, brachte die Stimmung vieler auf den Punkt: „Für alle, die die Kombination lieben, fühlt sich das wie das Ende einer Ära an. Nordische Kombination bedeutet viel zu viel, als dass die Geschichte hier enden kann.”

Besonders bitter empfinden viele die Verpackung der Entscheidung als Fortschritt bei der Gleichstellung. Der Österreicher Paul Walcher kritisierte, ausgerechnet im Zusammenhang mit den angeblich „ersten geschlechtergerechten Winterspielen” eine Sportart auszuschließen, „mit der unglaublichen Entwicklung, die die Damen in den letzten Jahren hingelegt haben”, sei „eine absolute Frechheit”.

Die ehemaligen Größen des Sports reagierten nicht weniger emotional. Johannes Rydzek, Olympiasieger und siebenfacher Weltmeister, der seine Karriere erst im März 2026 beendet hatte, sagte: „Das zieht mir, zieht, glaube ich vielen so ein bisschen den Boden unter den Füßen weg.” Es sei „eine Entscheidung, die so weitreichend ist, die uns, vor allem den Athleten, den Betreuern, dem Umfeld die Perspektive raubt.” Ronny Ackermann, viermaliger Weltmeister und heute Trainer am Olympiastützpunkt Oberhof, fasste sich kurz: „Ich bin wütend und traurig. Damit habe ich nicht gerechnet.” Wie tief der Schmerz sitzt, zeigte der frühere österreichische Medaillengewinner Lukas Klapfer, der aus Protest seine Olympia-Medaillen demonstrativ in den Müll warf: „Das ist es, was das IOC mit jungen Talenten macht. Es wirft ihre Träume in den Müll.”

Die Trainerinnen und Trainer schließlich sorgen sich um die Substanz des Sports – und um den Nachwuchs. Eric Frenzel, einst erfolgreichster Kombinierer der Weltcup-Geschichte und heute Herren-Bundestrainer des DSV, berichtete aus dem laufenden Trainingslager: „Wir sind aktuell im Lehrgang – von den Junioren bis zu den Herren – und gerade für die jungen Athleten ist das besonders schmerzhaft. Wenn man heute in ihre Augen geblickt und die Enttäuschung gesehen hat, wurde deutlich, was diese Entscheidung mit ihnen macht. Sie verlieren damit ein Stück Zukunft, viele Optionen und auch Vertrauen in gewisse Strukturen.” Zugleich forderte er Transparenz vom IOC: Er hoffe „inständig, dass das IOC jetzt die Größe hat, einen fairen Prozess zu ermöglichen und den Verbänden diese Zahlen im Vergleich transparent vorzulegen. Als traditionsreiche Sportart haben wir das verdient.”

Florian Aichinger, Bundestrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, erhielt die Nachricht mitten im Lehrgang in Oberstdorf: „Das hat uns natürlich schon schwer getroffen und lässt uns auch ein Stück weit sprachlos zurück.” Und der österreichische Cheftrainer Christoph Bieler warnte vor den strukturellen Langzeitfolgen, die weit über die Sportart hinausreichen: „Wo ich mir große Sorgen mache, sind die kleineren Verbände, in denen viele Fördergelder von den Olympischen Komitees kommen. Das große Problem der Sportart wird werden, dass kleine Nationen es nur noch schwer finanzieren können.” Trotzig fügte er hinzu: „Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken.”

Der Streit im Weltverband als Hintergrund

Die Entscheidung des IOC fällt in eine Phase großer Unruhe im internationalen Skisport. Über Jahre stand der Internationale Skiverband FIS unter der Führung seines Präsidenten Johan Eliasch in der Kritik – auch weil die Vermarktung und Positionierung der einzelnen Disziplinen zunehmend umstritten war. Unter Eliasch schrumpfte das Vermögen des Verbandes externen Berichten zufolge von 130 auf 43 Millionen Franken.

Im Juni 2026 wurde Eliasch beim Kongress in Belgrad hauchdünn mit 65 zu 64 Stimmen abgewählt; sein Nachfolger wurde der Liechtensteiner Rechtsanwalt Alexander Ospelt. Dass die Nordische Kombination gerade in diesen Jahren zunehmend ins Abseits geriet, hat die nun getroffene Entscheidung nach Einschätzung vieler Beteiligter mit begünstigt. Der Weltverband, der seine Disziplinen eigentlich schützen und stärken soll, war mit sich selbst beschäftigt – und die Kombination zahlte dafür den höchsten Preis.

Was das für Klingenthal bedeutet

Für den Standort Klingenthal geht es um mehr als sportliche Ehre. Der Bundesstützpunkt ist, wie Landrat Thomas Hennig betont, „ein zentraler Baustein der Nachwuchs- und Spitzensportförderung”, dessen langfristige Finanzierung „eng mit den Förderstrukturen des Leistungssports verbunden” ist.

„Die Entscheidung des IOC hat uns im Vogtland tief getroffen”, so Hennig. „Ich bin über diese Entwicklung sehr erschüttert und hätte nicht erwartet, dass die Nordische Kombination ihre olympische Perspektive tatsächlich verliert. Für unsere Athletinnen und Athleten, Trainer, Akteure und die vielen Ehrenamtlichen, die diese Sportart seit Jahrzehnten mit großer Leidenschaft tragen, ist das eine bittere Nachricht.”

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Foto: Archiv/Stephanie Rössel: So war die Nordische Kombination in Klingenthal bisher zu erleben.

Der Landrat verweist zugleich darauf, dass in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in die Sportstätten investiert wurden und weiter investiert werden. Zwar bestehe aktuell Planungssicherheit, doch mittelfristig müsse man „gemeinsam Antworten darauf finden, wie der Standort dauerhaft gesichert werden kann”. Es ist die entscheidende Frage: Wie hält man eine leistungsfähige Infrastruktur am Leben, wenn eine ihrer tragenden Säulen ihren olympischen Status verliert?

Hennigs Appell zielt nach vorn: „Jetzt gilt es, den ersten Schock hinter uns zu lassen und nach vorn zu schauen. Klingenthal bleibt ein bedeutender Wintersportstandort mit einer leistungsfähigen Infrastruktur und international anerkannten Wettkämpfen.” Gemeinsam mit dem Zweckverband, dem Betreiber, dem Freistaat Sachsen und dem Bund wolle man sich für die Zukunft des Bundesstützpunkts einsetzen und „jungen Talenten weiterhin beste Bedingungen bieten”.

„Wir werden kämpfen”

Beim VSC Klingenthal will man die Entscheidung nicht als Endpunkt hinnehmen. Die Botschaft aus dem Verein ist unmissverständlich: Man werde kämpfen – für den Traum, für den Erhalt von weit über hundert Jahren Wintersporttradition in Klingenthal, für die Nachwuchsathletinnen und -athleten und für die Nordische Kombination selbst. Gemeinsam mit Partnern aus Sport, Politik und Wirtschaft.

Der eindringliche Appell des Vereins richtet sich an die Entscheidungsträger in Politik und beim DOSB: Jetzt keine bewährten Förderstrukturen zu zerschlagen – sondern sie zu erhalten, um die Nordische Kombination stärker denn je aufzustellen und ab 2034 wieder im olympischen Programm zu etablieren.

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Denn genau das ist der Kern des Dilemmas. Der Weg zurück nach Salt Lake City 2034 führt nur über funktionierende Strukturen, über Athletinnen und Athleten, die bis dahin durchhalten, über Vereine und Stützpunkte, die in der Zwischenzeit nicht ausbluten. Wer die Förderung jetzt zurückfährt, riskiert, dass es 2034 niemanden mehr gibt, der die Rückkehr sportlich einlösen könnte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Politik und Sport dieser Verantwortung gerecht werden – und ob ein Jahrhundert Wintersporttradition im Vogtland eine Zukunft hat.

Infobox: „Jetzt erst recht!” – Vorverkauf für den Weltcup läuft

Der VSC Klingenthal e.V. setzt ein Zeichen: Unter dem Motto „Jetzt erst recht!” hat der Vorverkauf für den FIS Weltcup der Nordischen Kombination vom 8. bis 10. Januar 2027 in der Sparkasse Vogtland Arena begonnen. Denn trotz des olympischen Aus wird der Weltcup in dieser Disziplin weiter ausgetragen – und der Verein nimmt das zum Anlass, die Nordische Kombination mit noch mehr Enthusiasmus zu unterstützen. Ausgetragen werden Wettbewerbe der Damen und Herren auf der Schanze und in der Loipe.

„Wir wollen der Nordischen Kombination eine Bühne bieten, mit all der Begeisterung, die dieser Sport auslöst”, sagt Geschäftsführer Alexander Ziron.

Tickets: Tagestickets für Erwachsene gibt es am Freitag ab 7,00 Euro, am Samstag und Sonntag jeweils ab 18,50 Euro (ermäßigt ab 5,00 bzw. 14,00 Euro). Das günstigere Wochenendticket für alle drei Tage ist ab 34,00 Euro erhältlich, ermäßigt ab 29,00 Euro. Bis zum 31. Dezember 2026 gilt für alle Kategorien ein Frühbucherrabatt gegenüber dem Preis an der Tageskasse. Kinder bis einschließlich 12 Jahre besuchen das Event kostenlos.

Tickets und alle Informationen zum Programm: www.weltcup-klingenthal.de


Quellen und Belege

Nachrichten Vogtland
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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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