alle Fotos: Schattenwelt Südharz
Sie sind geheimnisvoll, beeindruckend und sorgen überall für staunende Blicke: Die Schattenwelt Südharz hat sich längst einen Namen weit über ihre Heimat hinaus gemacht. Mit aufwendig gestalteten Kostümen, detailreichen Masken und eindrucksvollen Walking Acts erweckt die Gruppe alte Sagen, Mythen und Legenden zum Leben. Statt Fantasiefiguren ohne Hintergrund stehen hier Wesen im Mittelpunkt, die tief in der Geschichte und den Überlieferungen des Harzes und des Südharzes verwurzelt sind.
Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Erbe der Region auf außergewöhnliche Weise zu bewahren. Jede Figur basiert auf historischen Sagen, Legenden oder regionalen Überlieferungen und wird mit viel Liebe zum Detail dargestellt.
Ob geheimnisvolle Waldgeister, Hexen, Dämonen oder sagenhafte Herrscher – hinter jeder Maske verbirgt sich eine eigene Geschichte. Viele der Figuren treten nahezu vollständig maskiert auf und kommunizieren überwiegend durch ihre Körpersprache.
Zum Repertoire gehören inzwischen mehr als 40 verschiedene Charaktere. Darunter finden sich bekannte Sagengestalten wie Kaiser Barbarossa, Frau Perchta, der Wilde Jäger Hackelberg, der Karstteufel, der Moosmann oder verschiedene Hexen, Naturgeister und mystische Wesen.
Regelmäßig sind sie auf Mittelaltermärkten, Fantasy-Events, historischen Festen und großen Musikfestivals unterwegs. Mit Walking Acts oder Inszenierungen mit Licht-, Nebel- und Feuereffekten schaffen die Mitglieder einzigartige Begegnungen.
Auch in diesem Jahr ist die Gruppe bei zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland unterwegs. Geplant sind unter anderem Auftritte bei auf Wacken (29. Juli bis 2. August), beim M’era Luna in Hildesheim (8. und 9. August) sowie dem Festival Mediaval in Selb (11.-13- September).

Was die Schattenwelt Südharz so besonders macht, wie Figuren entstehen und noch viel mehr erzählen sie selbst:
Wie und wann entstand die Idee zur Schattenwelt Südharz?
Die Schattenwelt Südharz wurde 2019 gegründet. Der Ursprung war ein abgewandeltes Mittelalterfest, das unter dem Motto „Südharz – Geschichte, Brauchtum, Mythen und Sagen“ stand. Neben Darstellern in mittelalterlicher Gewandung wollten wir die faszinierenden Sagen und Legenden unserer Heimat auf besondere Weise zum Leben erwecken. So entstanden die ersten Sagenfiguren und Fabelwesen der Region – und aus dieser Idee entwickelte sich schließlich die Schattenwelt Südharz.
Was war eure erste Figur?
Unsere erste Figur war der Pestdoktor. Er war die erste Gestalt, mit der wir auf Veranstaltungen unterwegs waren und das war auch Grundstein für alles was danach entstand. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Figuren hinzu, sodass heute eine große Vielzahl an Sagenwesen, Dämonen, Hexen und anderen mystischen Gestalten dazu gehören.
Wie groß ist eure Gruppe heute?
Aktuell bestehen wir aus 52 aktiven Mitgliedern. Gemeinsam bringen wir es auf fast 80 verschiedene Kostüme, da viele von uns mehrere Figuren verkörpern. So können wir uns je nach Veranstaltung immer wieder neu präsentieren und unterschiedlichste Gestalten zum Leben erwecken. Genau diese Vielfalt macht unsere Auftritte für das Publikum jedes Mal aufs Neue spannend.
Jede Figur basiert auf einer Sage. Wie findet ihr diese Geschichten? Wie viel historische Recherche steckt dahinter?
Hinter jeder unserer Figuren steckt eine intensive Recherche. Uns ist es wichtig, dass die Geschichten und Sagen möglichst authentisch dargestellt werden. Dafür recherchieren wir im Internet, in historischen Quellen, alten Sagenbüchern sowie in regionaler Literatur. Einen festen Ablauf gibt es dabei allerdings nicht. Manchmal inspiriert uns eine überlieferte Sage zu einer neuen Figur, manchmal entsteht zunächst die Figur und wir entdecken erst anschließend die passende Geschichte oder historische Überlieferung dazu. So ergänzen sich Kreativität und geschichtlicher Hintergrund auf ganz natürliche Weise.
Wie viel künstlerische Freiheit erlaubt ihr euch?
Jede Figur beginnt mit der überlieferten Sage oder Geschichte. Darauf bauen wir auf und entwickeln sie kreativ weiter. Dabei bringt jedes Mitglied seine eigenen Ideen und Vorstellungen mit ein. So entstehen individuelle Figuren, die zwar der ursprünglichen Sage treu bleiben, aber dennoch eine ganz persönliche Handschrift tragen. Genau diese Mischung aus historischer Vorlage und künstlerischer Freiheit macht unsere Charaktere einzigartig.

Gibt es Figuren, die euch besonders am Herzen liegen?
Eigentlich liegt uns jede einzelne Figur am Herzen, denn hinter jeder steckt viel Zeit, Leidenschaft und Liebe zum Detail. Jede hat ihren eigenen Charakter und ihre Besonderheiten. Mit der Zeit merkt man natürlich, welche Figuren bei bestimmten Veranstaltungen besonders gut beim Publikum ankommen – zum Beispiel auf Familienveranstaltungen oder Festivals wie Wacken. Diese setzen wir dann gezielt ein. Einen wirklichen Favoriten gibt es für uns aber nicht, denn jede Figur ist auf ihre Weise etwas Besonderes.
Wie lange dauert es, bis eine Figur fertig ist?
Das lässt sich gar nicht pauschal beantworten. Manche Figuren entstehen innerhalb von ein bis zwei Wochen, andere begleiten uns über mehrere Monate – teilweise sogar ein halbes Jahr. Es kommt immer darauf an, wie aufwendig es ist und ob wir mit dem Ergebnis wirklich zufrieden sind. Selbst wenn eine Figur eigentlich fertig ist, wird oft noch weiter daran gearbeitet und immer wieder etwas verbessert oder ergänzt.
Baut und näht ihr alles selbst?
Einen großen Teil unserer Figuren gestalten wir selbst. Viele Masken, Requisiten und Accessoires entstehen in Eigenarbeit oder werden von uns aufwendig umgebaut und individuell angepasst. Jedes Kostüm wird bis ins kleinste Detail von Hand veredelt – sei es durch zusätzliche Dekorationen, selbst gefertigte Accessoires, neu eingesetzte Haare oder den Einbau und Austausch von Lichtelementen für Augen oder andere Effekte. So wird jede Figur zu einem echten Unikat.

Welches Kostüm war bisher die größte Herausforderung?
Eigentlich war jedes Kostüm auf seine Weise eine Herausforderung. Manche Figuren entstehen fast wie von selbst, bei anderen braucht es viele Anläufe, bis alles genau so aussieht, wie wir es uns vorstellen. Oft werden während des Bauprozesses immer wieder neue Ideen umgesetzt, Details verändert oder ergänzt. Genau dieser kreative Prozess macht den Reiz aus – und sorgt dafür, dass wir mit einer Figur erst dann zufrieden sind, wenn wirklich alles stimmig ist.
Wie erlebt ihr Begegnungen mit Menschen auf einem Festival? Neugier? Respekt? Was überwiegt?
Das ist für uns einer der spannendsten Aspekte überhaupt. Wir erleben die unterschiedlichsten Reaktionen. Manche Besucher bleiben zunächst stehen und beobachten uns aus der Ferne, andere kommen ganz selbstverständlich auf uns zu und möchten Fotos machen oder erzählen uns, wie beeindruckend sie unsere Figuren finden. Besonders schön ist es, wenn Kinder ihre anfängliche Scheu überwinden und uns plötzlich umarmen oder gar nicht mehr von unserer Seite weichen möchten.
Was uns immer wieder berührt, sind die kleinen, persönlichen Momente. Besucher flüstern uns heimlich zu, wie sehr sie unsere Figuren mögen, bedanken sich dafür, dass wir da sind, oder erzählen, welche Emotionen wir bei ihnen auslösen. Viele suchen ganz bewusst die Nähe und wünschen sich sogar eine Umarmung, weil unsere Figuren sie für einen Moment in eine andere Welt versetzen. Genau diese Begegnungen machen die Schattenwelt Südharz für uns so besonders. Die Reaktionen der Menschen sind oft emotionaler und intensiver, als wir es uns jemals hätten vorstellen können – und genau das ist für uns jedes Mal aufs Neue faszinierend.
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Schattenwelt Südharz: Wenn Sagen lebendig werden – Mystische Wesen auf großen Festivals

