Nachrichten VogtlandCARIA: Pop-Projekt aus Rostock veröffentlicht erstes Album und legt den Finger in die Wunde

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CARIA gehört zu den deutschsprachigen Newcomer-Projekten. Hinter dem Namen steckt allerdings keine unbekannte Künstlerin, sondern Sängerin Carina Castillo, die bereits seit vielen Jahren auf der Bühne steht. Gemeinsam mit Produzent und Multiinstrumentalist Philipp Krätzer hat sie Anfang des Jahres das Bandprojekt CARIA gegründet und mit „Mädchen wie ich“ ein Debütalbum veröffentlicht, das persönliche Geschichten mit gesellschaftlichen Themen verbindet.

Castillo stammt aus Panama und der Ukraine, aufgewachsen ist sie in Norddeutschland. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Musik und studierte später Pop- und Weltmusik an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Mit ihrer früheren Band RIVANEE gewann sie den Newcomer-Bandpreis der Vita Cola Clubtour und erreichte das Finale des Finsterwalder Sängerwettbewerbs. Außerdem stand sie bei der NDR- und MDR-Sommertour bereits als Support für Künstler wie Christina Stürmer, Andreas Bourani, Frida Gold und Lena auf der Bühne.

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An ihrer Seite steht Musiker, Produzent und Diplom-Pianist Philipp Krätzer. Er arbeitete unter anderem mit dem isländischen Künstler Ragnar Algier, schrieb und arrangierte Musik für das Sinfonia Nord Orchestra Iceland, komponierte Gaming-Soundtracks sowie Musik für eine arabische Netflix-Produktion.

„Mädchen wie ich“ erzählt persönliche Geschichten

Mit ihrem ersten Album „Mädchen wie ich“ präsentiert CARIA einen modernen Sound zwischen Urban Pop, elektronischen Beats und lateinamerikanischen Rhythmen. Im Mittelpunkt stehen Songs, die persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Themen miteinander verbinden. „Boss Avatar“ setzt sich mit Rollenbildern und Sexismus im Musikgeschäft auseinander, während „Zombie“ den Blick auf eine Gesellschaft richtet, die zwischen Social Media, Dauer-Scrollen und digitalem Autopiloten zunehmend den Kontakt zu sich selbst verliert. „Himmel“ schlägt dagegen leisere Töne an und erzählt von Naturverbundenheit und persönlichem Wachstum.

Warum das Album so persönlich geworden ist und noch mehr im Interview:

„Mädchen wie ich” greift ein sehr persönliches Thema auf. Was steckt hinter dem Song?

In „Mädchen wie ich” verarbeite ich Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe. Ich bin mit verschiedenen Kulturen aufgewachsen, mein Vater kommt aus Panama, meine Mutter aus der Ukraine und ich selbst bin in Deutschland groß geworden. Leider bin ich Kind mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Berührung gekommen. Diese persönlichen Erlebnisse bilden den Ausgangspunkt des Songs. In der zweiten Strophe weitet sich der Blick jedoch. Weltweit erleben Frauen bis heute Diskriminierung, Unterdrückung oder Gewalt, oft in einer Form, die noch viel schwerwiegender ist. Mir war es wichtig, als Künstlerin auch diese verletzliche Seite von mir zu zeigen. Kunst darf nicht nur die schönen Momente erzählen, sondern auch Schmerz und schwierige Erfahrungen sichtbar machen. Gleichzeitig soll der Song niemanden belehren. Mir geht es vielmehr darum, Mut zu machen und zu zeigen, dass man trotz traumatischer Erlebnisse seinen Lebensmut nicht verlieren muss. Dass man gestärkt daraus hervorgehen und sich seine Freude am Leben bewahren kann.

Gibt es Momente, in denen du bewusst gegen Erwartungen angekämpft hast – sei es kulturell oder gesellschaftlich?

Ja, solche Momente gibt es leider immer wieder. Ein Teil davon steckt auch in meinem Song „Boss Avatar”. Ich bin eine Frau, ich kleide mich gerne feminin, schminke mich gerne und habe Spaß daran, schöne Outfits zusammenzustellen. Trotzdem habe ich oft erlebt, dass man dadurch schnell in eine Schublade gesteckt wird, als würde das etwas über den Charakter oder die Fähigkeiten eines Menschen aussagen. Ich wünsche mir, dass Menschen einander erst einmal die Chance geben, sich wirklich kennenzulernen. Denn eine Frau kann gleichzeitig feminin, intelligent, ehrgeizig und talentiert sein. Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus. Ich glaube, viele Frauen kennen diese Vorurteile und können sich in dieser Erfahrung wiederfinden.

Seid ihr euch kreativ und musikalisch immer einig?

Im Großen und Ganzen ja. Philipp und ich machen schon seit vielen Jahren gemeinsam Musik. Er ist mein Produzent und Pianist, und in dieser Zeit haben wir eine gemeinsame musikalische Sprache entwickelt. Wir kennen die Stärken und Schwächen des anderen, wissen, wie der andere arbeitet, und teilen einen ähnlichen Musikgeschmack. Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Meinungen. Aber gerade weil wir uns so gut kennen, finden wir meistens schnell eine Lösung, mit der wir beide glücklich sind. Das macht unsere Zusammenarbeit sehr entspannt und vertrauensvoll.

Was nervt dich aktuell an der Musikbranche am meisten?

Mich stört, dass sich heute so vieles um Zahlen dreht,Klicks, Follower und Reichweite. Gerade wenn es um große Labels geht, habe ich oft das Gefühl, dass Social-Media-Kennzahlen inzwischen wichtiger sind als die Musik selbst. Dabei geraten Qualität, Tiefe und künstlerische Persönlichkeit manchmal in den Hintergrund. Ich bin überzeugt, dass es viele großartige Künstlerinnen und Künstler gibt, die fantastische Musik machen, aber nicht bereit sind, jedem Trend hinterherzulaufen. Dadurch bekommen sie oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdienen. Generell finde ich es schade, dass Social Media unsere Aufmerksamkeitsspanne so stark verkürzt hat. Man hat oft das Gefühl, ständig den nächsten Trend mitmachen zu müssen. Ich möchte das bewusst nicht. Mir ist es wichtiger, authentisch zu bleiben und Musik zu machen, hinter der ich wirklich stehe, auch wenn dieser Weg manchmal länger dauert.

Glaubt ihr, Humor erreicht Menschen besser als Vorwürfe?

Zu tausend Prozent. Was wäre das Leben ohne Humor? Ich glaube, Humor ist oft der beste Weg, um Menschen zu erreichen. Niemand hört gerne Vorwürfe oder lässt sich gerne belehren. Mit einer Prise Humor oder Sarkasmus kann man auf Missstände aufmerksam machen, ohne dass sich Menschen sofort angegriffen fühlen. Außerdem sitzen wir als Künstler selbst im selben Boot wie alle anderen. Wir beobachten die Welt, sind Teil davon und erzählen davon. Genau deshalb glaube ich, dass Humor Türen öffnet, während Vorwürfe sie oft eher schließen.

Gibt es ein Thema, das unbedingt noch ein Song werden soll?

Auf jeden Fall. Mit einem Album hat man längst nicht alles erzählt. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber ein Thema liegt mir besonders am Herzen: sich selbst treu zu bleiben. Gerade durch Social Media entstehen oft unrealistische Ideale und ein enormer Druck, jemand anderes sein zu müssen. Ich wünsche mir, dass Menschen sich nicht verstellen, sondern den Mut haben, authentisch zu bleiben – und dass wir einander so akzeptieren, wie wir wirklich sind.

Auf dem Album geht es um Themen wie Sexismus, Selbstoptimierung und Social Media – trotzdem wirkt es nie belehrend. War das eine bewusste Entscheidung?

Absolut. Niemand möchte belehrt werden oder das Gefühl haben, mit dem Finger auf ihn gezeigt zu bekommen. Wir selbst sind von vielen dieser Themen betroffen und erleben sie jeden Tag. Deshalb war es uns wichtig, sie mit einer Prise Humor und Sarkasmus zu erzählen. Als Künstler spiegeln wir die Gesellschaft wider. Wir greifen auf, was wir beobachten und erleben, und verarbeiten das in unserer Musik ohne den Anspruch, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

Gab es Textzeilen, bei denen du dachtest: „Kann man das wirklich so sagen?”

Ja, definitiv. Manche Zeilen zu schreiben und zu singen hat Überwindung gekostet. Besonders der Song „Mädchen wie ich” war für mich ein großer Schritt. Darin erzähle ich von sehr persönlichen Erfahrungen und zeige eine Seite von mir, die sehr verletzlich ist. Das öffentlich auszusprechen und zu singen kostet mich große Überwindung, jedes Mal, wenn ich den Song live spiele. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass viele andere Künstlerinnen und Künstler noch viel direkter formulieren. Das hat mir gezeigt, dass Ehrlichkeit auch Mut braucht. Manche Dinge müssen einfach klar ausgesprochen werden. Genau das mag ich an der deutschen Sprache, sie kann sehr direkt sein. Und manchmal ist genau diese Direktheit notwendig, damit eine Botschaft wirklich ankommt.

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Nachgefragt bei Carina Castillo
Lieblingsessen: Definitiv Platana-Kochbananen,die esse ich jedes Mal, wenn ich in Panama bin. Außerdem liebe ich Obstsalat. Und vegetarisches Kimchi gehört für mich auch ganz klar dazu.
Lieblingsmusik: Ich lege mich gar nicht auf ein bestimmtes Genre fest. Für mich zählt vor allem, dass Musik mich berührt. Ob Pop, Rock, Soul, R’n’B oder Klassik,wenn ein Song etwas in mir auslöst, dann ist das die Musik, die ich hören möchte.
Lieblingswort: Mein Lieblingswort ist „colibrí”. Zum einen, weil der Kolibri eines meiner Lieblingstiere ist. Zum anderen verbinde ich ihn mit meinen panamaischen Wurzeln. Für mich steht der colibrí für Leichtigkeit, Lebensfreude und Stärke , trotz seiner kleinen Größe. 
Lieblingsort: Ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkehre, ist El Valle de Antón in Panama. Das Dorf liegt mitten in einem erloschenen Vulkankrater und ist unglaublich grün, ruhig und idyllisch. Dort kann ich wunderbar abschalten und neue Kraft tanken.
Lieblingsmoment: Der Moment, in dem ich auf der Bühne stehe und meine eigenen Songs mit dem Publikum teilen darf. Dafür mache ich Musik und dieses Gefühl wird für mich nie selbstverständlich.

Instagramhttps://www.instagram.com/caria.music/ 
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