Nachrichten VogtlandDas große Monsterfest

Einmal im Jahr, wenn der Vollmond die Wiesen silbern färbt, feiern die Monster ihr großes Fest. Dafür gibt es einen geheimen Ort im Vogtland. Von dort kann man bis zum Aschberg schauen. Mächtige alte Bäume umgeben die Wiese und schützen sie vor neugierigen Blicken. Denn die Menschen müssen schließlich nicht alles wissen. Manche Dinge sind Monstersache.

Schon Tage vorher herrscht große Aufregung. Die Monsterköche rühren in riesigen Töpfen, die großen Monster suchen ihre Festgewänder heraus, und die kleinen fragen alle fünf Minuten: „Geht es jetzt los?“ Auch Wendy freut sich. Er ist ein kleines Monster, das lieber Blumen streichelt, als Menschen zu erschrecken.

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Als der große Tag endlich da ist, machen sich alle auf den Weg. Manche laufen, andere flattern und einige kommen hüpfend an. Und rumms landet ein Monster mitten im Himbeerstrauch. „Genau hier wollte ich hin“, behauptet es und pflückt sich verlegen eine Beere. Als die Sonne untergeht, leuchten zwischen den Bäumen bunte Lampions auf. Musik erklingt. Es knackt, rumpelt und klingelt – und plötzlich stehen auf der Wiese die Fahrgeschäfte bereit.

Eine Achterbahn schlängelt sich durch hohle Baumstämme. Am Riesenrad schaukeln kleine Kürbisgondeln. Und das Monsterkarussell dreht sich so schnell, dass den Zuschauern die Ohren schlackern. Ganz hinten wartet „Der wilde Rachen des Drachen“. Wer einsteigt, nimmt in einem großen grünen Drachenkopf Platz. Dann reißt der Drache sein Maul auf und pustet die Gondel mit einem gewaltigen Rülpser in die Höhe. „BRÖÖÖÖP!“

Beim ersten Mal erschrecken sogar die großen Monster. Beim zweiten Mal lachen sie schon vorher. Wendy hält sich den Bauch vor Lachen. Neben ihm versucht ein altes Monster, den Rülpser nachzumachen. Es klingt wie ein Staubsauger, der eine Socke verschluckt hat. An den Ständen duftet es nach Monsterwürsten und Schokoladenfledermäusen. Es gibt knisternde Schleimbonbons und silberne Mondkugeln. Die machen beim Hineinbeißen leise: „Pling!“ Mumpitz, ein kleines Monster mit großem Appetit, steckt sich gleich mehrere in den Mund. Pling, pling, pling!

Kurz darauf beginnt sein Bauch zu leuchten. „Mumpitz“, sagt seine Mutter, „vielleicht isst du ein bisschen langsamer.“ „Aber Mama! Die werden sonst kalt!“ Ob Mondkugeln überhaupt kalt werden können, weiß niemand. Sein Bauch leuchtet jedenfalls so hell, dass ein vorbeifliegender Nachtfalter darauf landen möchte. Als der Vollmond hoch über den Bäumen steht, beginnt der große Monsterreigen. Überall fassen sich Monster an den Händen und singen ein schrecklich schiefes Lied.

Bald werden selbst die wildesten Monster müde. Die Musik verstummt, und das Karussell dreht eine letzte Runde. Wendy will gerade nach Hause gehen, als er im Gras eine silberne Bonbonhülle entdeckt. Ein Stück weiter liegt ein zerknülltes Papier zwischen den Wurzeln. „Moment mal“, sagt er und hebt beides auf. „So können wir unsere Festwiese doch nicht zurücklassen.“

Mumpitz kommt näher. Sein leuchtender Bauch macht sogar die kleinen Schnipsel im Gras sichtbar. „Du leuchtest, ich sammle“, schlägt Wendy vor. Bald helfen auch die anderen mit. Kleine Monster krabbeln unter die Bänke, große tragen die vollen Abfallkörbe davon. Gemeinsam sind sie schnell fertig. Wendy schaut sich zufrieden um. Zwischen den Grashalmen liegt kein Papier mehr. „Jetzt kann hier morgen wieder der Igel spazieren gehen“, sagt er.

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Auf dem Heimweg schläft Mumpitz in den Armen seiner Mutter ein. Sein Bauch zeigt ihnen noch immer den Weg. Und Wendy? Der kuschelt sich wenig später ins Bett und denkt an den Festplatz. Alle haben dort Spaß gehabt. Und alle haben mitgeholfen, ihn sauber zu hinterlassen. So bleibt die Wiese ein schöner Ort – für die Tiere, für die Blumen und für das nächste große Monsterfest. Aber pssst! Wo das ist, bleibt natürlich geheim.

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Oskar Wunderwald
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Hinter dem Pseudonym Oskar Wunderwald steht der 1951 geborene Autor aus Hessen. Neben seinen liebevollen Geschichten für Kinder schreibt er unter einem anderen Namen auch Literatur für ein erwachsenes Publikum.

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