Nachrichten VogtlandBrummel, das mutige Angstmonster

Im Knisterwald, wo die Bäume nachts leise „knack, knack“ flüsterten und die Pilze im Dunkeln kichernd glühten, lebte ein kleines Monster namens Brummel.

Brummel war eigentlich ziemlich mutig. Also … fast. In der Dämmerung kletterte es auf die höchsten Baumwurzeln, sprang über glitschige Moossteine und übte, möglichst beeindruckend „Buhaaaa!“ zu rufen. Na ja, manchmal klang es eher wie „Buh … ha?“. Aber das war schon ganz okay.

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Doch es gab ein Geheimnis: Brummel fürchtete sich vor der allerdunkelsten Dunkelheit. Schatten machten ihm nichts aus, knarrende Äste auch nicht. Selbst der alte Grummelbaum, der ständig „Grrrmmm“ brummte, konnte es nicht erschrecken. Aber dieses tiefe Schwarz, in dem man nicht einmal seine eigenen Monsterfüße sehen konnte – das war etwas anderes. Und genau so eine Nacht stand bevor. „Heute ist die Nacht ohne Glimmen!“, riefen die anderen Monster fröhlich. „Kein Mond, keine Pilzlichter, nur Dunkelheit!“ „Juhuu!“, jubelten sie. „Oje …“, flüsterte Brummel.

Am Abend wurde es still. Die Pilze hörten auf zu leuchten, die Glühwürmchen versteckten sich. Sogar der Wind hielt kurz den Atem an. Brummel stand vor seiner kleinen Höhle und starrte hinein. Drinnen war es schwarz. So schwarz, dass es nicht einmal den vertrauten Schlafplatz erkennen konnte. „Ich geh da jetzt rein“, sagte es zu sich selbst. „Ich bin ein Monster. Ich kann das!“

Es setzte eine Pfote hinein. Dann noch eine. Dann … PLOPP! Brummel stolperte über etwas Weiches. „Hilfe! Ein Schattendings!“, rief es und sprang wieder hinaus. Draußen kicherte jemand. „Das war kein Schattendings. Das war dein Kissen.“

Es war Flitzi, ein winziges Monster mit viel zu großen Ohren. Brummel blinzelte. „Oh.“ Flitzi setzte sich. „Hast du Angst?“, fragte es leise. Brummel zögerte und nickte. „Ein bisschen. Also … vielleicht ein bisschen mehr als ein bisschen.“ „Ich auch manchmal“, sagte Flitzi. „Echt?“ „Klar. Mutig sein heißt nicht, keine Angst zu haben.“ Brummel runzelte die Stirn. „Was heißt es dann?“ Flitzi dachte kurz nach. „Mutig sein heißt … es trotzdem zu versuchen.“

Eine Weile sagte Brummel nichts. Dann wandte es sich wieder seiner Höhle zu und holte tief Luft. „Okay. Ich versuche es. Aber … kommst du mit?“ „Klar“, sagte Flitzi sofort. „Ich quietsche vielleicht vor Schreck.“ „Ich auch“, sagte Brummel. Gemeinsam gingen sie hinein. Es war, als hätte sich die Dunkelheit mitten in die Höhle gesetzt und alles unter sich versteckt. „Ich seh nichts“, flüsterte Brummel. „Ich auch nicht. Das ist irgendwie … doof.“

Die beiden blieben einen Moment stehen. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an das wenige Licht, das vom Höhleneingan schimmerte. Die Wand zeichnete sich ab, dann das kleine Regal. Auch das Kissen konnten sie nun erkennen. Und in einer Ecke funkelte etwas. „Flitzi … siehst du das?“ „Ja.“

Dort lag ein winziger, vergessener Leuchtpilz. Er glühte so schwach, dass Brummel ihn beim Hereinkommen gar nicht bemerkt hatte. „Es ist immer noch dunkel“, sagte es leise. „Aber irgendwie nicht mehr so schlimm.“ „Manchmal reicht ein kleines bisschen Licht.“ „Oder ein kleines bisschen Mut“, sagte Brummel und rückte noch etwas näher an Flitzi heran.

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In dieser Nacht schlief Brummel in seiner Höhle. Flitzi lag neben ihm, in der Ecke glimmte der Leuchtpilz. Im Bauch breitete sich ein warmes Gefühl aus. Die Angst war nicht einfach verschwunden. Aber Brummel hatte sich getraut, es trotzdem zu versuchen. Und es wusste jetzt, dass es dabei um Hilfe bitten durfte. Am nächsten Morgen erklang ganz laut: „BUHAAAA!“ Diesmal klang es viel lauter und viel mutiger.

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Oskar Wunderwald
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Hinter dem Pseudonym Oskar Wunderwald steht der 1951 geborene Autor aus Hessen. Neben seinen liebevollen Geschichten für Kinder schreibt er unter einem anderen Namen auch Literatur für ein erwachsenes Publikum.

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