BenzinpreisDie Zwei vor dem Komma ist zurück: Warum Tanken plötzlich wieder so teuer ist

Wer am Wochenende im Vogtland an der Tankstelle war, wurde teilweise überrascht: Super kostet mancherorts im Schnitt 2,12 Euro, der Liter Diesel 1,96 Euro – und das, obwohl doch angeblich Frieden am Persischen Golf herrscht und der Ölpreis längst wieder fällt. Wie passt das zusammen? Die Antwort hat weniger mit Tankern im Nahen Osten zu tun, als viele denken – und mehr mit einer Entscheidung aus Berlin, die exakt auf den 1. Juli fiel.

Ein Preissprung mit Ansage – Punkt zwölf Uhr mittags

Es geschah am vergangenen Mittwoch und zwar auf die Minute genau um zwölf Uhr mittags. An Tankstellen in ganz Deutschland sprangen die Preistafeln nach oben: Diesel verteuerte sich binnen eines Tages um rund 20 Cent, Benzin um etwa 17 bis 19 Cent. Der ADAC meldete für den 2. Juli einen bundesweiten Tagesdurchschnitt von 2,03 Euro für Super E10 und 1,97 Euro für Diesel. Damit ist die Zwei vor dem Komma zurück.

Der Sprung, ist kein Zufall. Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland die sogenannte Zwölf-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal am Tag anheben, und zwar um Punkt zwölf. Senken dürfen sie jederzeit. Die Regel, dem österreichischen Vorbild nachempfunden, sollte das wilde Auf und Ab an den Zapfsäulen beruhigen. Der eigentliche Auslöser vor ein paar Tagen aber war eine andere Uhr, die ablief: Um Mitternacht endete der Tankrabatt.

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Was der Tankrabatt war – und warum er weg ist

Zur Erinnerung: Im Frühjahr waren die Spritpreise nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs auf historische Rekorde geklettert. Der April 2026 war der teuerste Tankmonat, den es in Deutschland je gab – Diesel kostete am 7. April mit 2,45 Euro pro Liter so viel wie noch nie, Super E10 schrammte mit knapp 2,20 Euro nur um einen Cent am Allzeithoch aus dem Jahr 2022 vorbei.

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Die Bundesregierung reagierte und senkte für zwei Monate, vom 1. Mai bis zum 30. Juni, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um gut 14 Cent pro Liter. Weil auf den Spritpreis zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, kam beim Autofahrer eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter an – bei einer 50-Liter-Tankfüllung immerhin achteinhalb Euro. Eine Verlängerung über den Juni hinaus lehnte die Koalition mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage ab.

Seit dem 1. Juli gilt also wieder der volle Steuersatz: 65,45 Cent Energiesteuer auf jeden Liter Benzin, 47,04 Cent auf jeden Liter Diesel. Der Preissprung zum Monatswechsel ist damit zum allergrößten Teil kein Marktphänomen, sondern schlicht die zurückgekehrte Steuer. Ärgerlich für Verbraucher: Nach Beobachtung des ADAC hatten die Mineralölkonzerne die Preise schon in den letzten Junitagen vorsorglich angehoben – das Ende des Rabatts wurde gewissermaßen eingepreist, bevor er überhaupt ausgelaufen war. Und schon während der Rabattphase kam die Steuersenkung nach einer Untersuchung des ifo-Instituts zumindest beim Diesel nur zu etwa drei Vierteln an der Zapfsäule an.

Der Krieg, der alles ins Rutschen brachte

Um die heutige Lage ganz zu verstehen, muss man noch einmal ins Frühjahr zurück. Ende Februar griffen die USA und Israel den Iran an, mitten in laufenden Atomverhandlungen. Der Iran antwortete mit Raketen auf Israel und amerikanische Stützpunkte – und mit einem Schritt, der die Weltwirtschaft ins Mark traf: Er sperrte die Straße von Hormus.

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Wer diesen Namen nur vage kennt, dem hilft ein Blick auf die Landkarte. Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen dem Iran im Norden und Oman im Süden, an der schmalsten Stelle nur etwa 40 Kilometer breit. Sie ist das Nadelöhr, durch das fast das gesamte Öl aus dem Persischen Golf hinaus auf die Weltmeere muss – aus Saudi-Arabien, dem Irak, Kuwait, Katar und den Emiraten. Rund ein Viertel des weltweit per Schiff gehandelten Öls und ein Fünftel des Flüssigerdgases passieren normalerweise diese Passage. Es gibt kaum Ausweichrouten: Ein paar Pipelines führen am Nadelöhr vorbei, aber sie können nicht einmal die Hälfte der üblichen Menge ersetzen. Wer die Straße von Hormus sperrt, dreht der Welt buchstäblich den Ölhahn zu.

Genau das geschah im März. Der Iran verlegte Seeminen, beschoss Handelsschiffe und kaperte Frachter; die großen Reedereien mieden die Route, Kriegsversicherungen für eine einzige Tankerpassage kosteten zeitweise mehrere Millionen Dollar. Die Ölexporte aus dem Golf brachen um rund 60 Prozent ein. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent, der Anfang des Jahres noch um die 60 Dollar gependelt hatte, schoss auf über 120 Dollar – der stärkste Quartalsanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen. An deutschen Tankstellen kamen diese Weltmarktpreise mit voller Wucht an, im Vogtland genauso wie überall sonst.

Frieden auf dem Papier, Vorsicht auf dem Wasser

Mitte Juni dann die Wende: Am 17. Juni unterzeichneten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen, das sogenannte Islamabad-Memorandum – 14 Punkte, darunter das Ende der Kampfhandlungen, die Wiederöffnung der Straße von Hormus, die Aufhebung der Seeblockaden und ein 60-Tage-Fenster für Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Washington feierte das als Durchbruch, und tatsächlich fiel der Ölpreis daraufhin steil: Brent kostet aktuell noch rund 72 Dollar – weniger als vor dem Krieg.

Wer daraus schließt, am Golf sei alles wieder wie früher, liegt falsch. Die Straße von Hormus ist derzeit befahrbar, aber weit entfernt von Normalbetrieb. Am 1. Juli passierten nach Daten von Schiffsbeobachtungsdiensten 43 Handelsschiffe die Meerenge – vor dem Krieg waren es je nach Zählweise doppelt so viele oder mehr. Eine britisch-französisch geführte Flotte, an der auch deutsche Minenjagdboote beteiligt sind, räumt noch immer iranische Seeminen; pikanterweise soll der Iran selbst den Überblick verloren haben, wo überall welche liegen. Die Kriegsrisikoprämien der Versicherer liegen nach Branchenangaben noch etwa beim Achtfachen des Vorkrisenniveaus, und Schifffahrtsexperten rechnen damit, dass die Normalisierung noch rund drei Monate dauert. Befriedet ist die Lage also allenfalls auf dem Papier – auf dem Wasser regiert weiter die Vorsicht, und Vorsicht kostet Geld, das am Ende im Spritpreis steckt.

Der Ölpreis fällt – warum der Sprit trotzdem teuer bleibt

Hier liegt der Kern des Rätsels, das viele Autofahrer gerade umtreibt: Rohöl ist billiger als vor einem Jahr um diese Zeit erwartet, der Sprit aber deutlich teurer. Super E10 kostet derzeit rund 33 Cent mehr als im Juli 2025, Diesel sogar etwa 35 Cent mehr.

Ein Teil der Erklärung ist die Steuer, wie beschrieben. Ein zweiter Teil sind die Margen der Branche. Fachleute, die die Einkaufspreise der Mineralölwirtschaft täglich verfolgen, rechnen vor: Die Beschaffungskosten für Rohöl und Fertigprodukte liegen – auch währungsbereinigt – inzwischen wieder unter dem Niveau von Anfang März, der Sprit an der Tankstelle ist aber fünf bis zehn Cent teurer als damals. Diese Lücke ist Gewinn, der irgendwo zwischen Raffinerie und Zapfsäule hängen bleibt. Das Bundeskartellamt schaut deshalb genau hin: Die Wettbewerbshüter haben Verfahren gegen die Eigentümer sämtlicher deutscher Raffinerien eröffnet, und Amtspräsident Andreas Mundt warnte die Branche am 30. Juni öffentlich, das Ende des Tankrabatts nicht für Preiserhöhungen zu nutzen, „die sich sachlich nicht rechtfertigen lassen”.

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Ein dritter Baustein ist neu in diesem Jahr: der CO2-Preis. Seit 2021 wird auf Benzin und Diesel eine Abgabe für den Klimaschutz fällig, die Jahr für Jahr steigt. 2026 gilt erstmals kein fester Preis mehr, sondern ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2 – die Zertifikate werden seit Anfang Juli an der Leipziger Energiebörse versteigert. Im Liter Benzin stecken dadurch derzeit rund 16 bis 18 Cent CO2-Abgabe, im Liter Diesel 17 bis 20 Cent; gegenüber dem Vorjahr macht das bis zu drei Cent mehr aus. Kein riesiger Betrag, aber einer, der sich zu Steuer und Marge addiert.

Und schließlich der Kalender: Ausgerechnet an diesem Wochenende war Ferienstart in Sachsen und Thüringen sowie kurz vorher in Niedersachsen und Bremen. Hunderttausende Familien fahren in den Urlaub – die Nachfrage steigt genau in dem Moment. Dazu kommt eine bittere Randnotiz: Sachsen war laut ADAC-Auswertung schon im Juni das teuerste Bundesland für Super E10.

Was das konkret an den Tankstellen der Region bedeutet

Ein Blick auf die Preistafeln vom Wochenende zeigt, wie groß die Unterschiede selbst innerhalb der Region sind. In Plauen lag der Durchschnitt bei 2,12 Euro für Super, 2,07 Euro für E10 und 1,96 Euro für Diesel – die günstigsten Stationen, etwa die Supermarkt-Tankstellen an der Morgenbergstraße oder in Weischlitz, verlangten für Diesel aber nur 1,86 bis 1,87 Euro. In Oelsnitz war Diesel ab 1,89 Euro zu haben, in Auerbach ab 1,88 Euro. In Hof zeigt sich das bayerische Preisgefälle: Dort kostete Diesel zwischen 1,93 und 1,98 Euro, E10 ab 1,94 Euro – ein paar Cent günstiger als auf der sächsischen Seite. Im Saale-Orla-Kreis wiederum tankte man in Schleiz Diesel um 1,97 Euro, während Pößneck mit 2,01 Euro für Diesel und 2,10 Euro für E10 zu den teuersten Ecken der Region gehörte. Und wer auf der A72 bei Taltitz an die Autobahntankstelle fuhr, zahlte für Diesel 2,42 Euro – über einen halben Euro mehr als wenige Kilometer weiter in der Stadt.

Zwei praktische Lehren stecken in diesen Zahlen. Erstens: Preisvergleich lohnt sich in unserer Region derzeit so sehr wie selten, per App oder einfach mit offenen Augen; zwischen der teuersten und der günstigsten Tankstelle liegen an manchen Tagen mehr als 50 Cent pro Liter. Zweitens: Seit die Zwölf-Uhr-Regel gilt, ist der günstigste Moment zum Tanken kurz vor zwölf Uhr mittags – dann sind die Preise nach ADAC-Daten im Schnitt rund vier Cent niedriger als im Tagesmittel, bevor sie um Punkt zwölf wieder springen.

Wie es weitergeht

Bleibt die Frage, die sich jeder Pendler stellt: Wird das jetzt so bleiben? Vieles spricht für allmähliche Entspannung – aber unter Vorbehalt.

Für sinkende Preise spricht der Weltmarkt. Die großen Investmentbanken haben ihre Ölpreisprognosen nach dem Hormus-Abkommen deutlich gesenkt: Goldman Sachs erwartet für das vierte Quartal einen Brent-Preis von etwa 80 Dollar, Morgan Stanley 75, andere Häuser noch weniger. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass die Golfstaaten ihre Förderung rasch wieder hochfahren, und sagt für 2027 sogar ein kräftiges Überangebot an Öl voraus – Öl könnte dann eher zu billig als zu teuer sein. Kommt es so, dürfte ein Teil des aktuellen Preisniveaus an den Tankstellen in den nächsten Wochen und Monaten wieder abschmelzen; der 17-Cent-Sprung vom 1. Juli allerdings bleibt, denn die Steuer ist zurück, und eine Anschlussentlastung ist in Berlin bislang nicht beschlossen, nur angedeutet.

Dagegen stehen die Risiken, und die sind real. Das Abkommen zwischen Washington und Teheran ist kein Friedensvertrag, sondern ein Zwischenschritt: Das 60-Tage-Verhandlungsfenster läuft Mitte August ab, ebenso die amerikanische Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte. Der Iran hat bereits angekündigt, danach Gebühren für die Durchfahrt durch die Meerenge erheben zu wollen, und hat die Straße im Juni schon einmal für kurze Zeit wieder dichtgemacht, als ihm israelische Angriffe im Libanon als Vertragsbruch erschienen. Auch die jemenitischen Huthi-Milizen bedrohen weiterhin das Rote Meer, weshalb viele Frachter nach wie vor den langen Umweg um Afrika nehmen. Scheitern die Gespräche im August, halten Analysten auch einen Rückfall über die Marke von 100 Dollar für möglich – und dann würde es an den Zapfsäulen schnell wieder aufwärtsgehen.

Für die etwas fernere Zukunft ist eines schon sicher: Billiger wird Tanken strukturell nicht. Für 2027 haben sich Union und SPD zwar auf einen Deckel beim nationalen CO2-Preis verständigt, und der europäische Emissionshandel für den Verkehr soll erst 2028 statt 2027 starten – die Richtung aber steht fest, der Preis fürs Verbrennen wird Jahr für Jahr steigen. Vielleicht ist das die stillste Nachricht dieses Sommers: Im Juni waren reine Elektroautos erstmals die meistzugelassene Antriebsart in Deutschland. Für alle anderen gilt einstweilen der nüchterne Rat: kurz vor zwölf tanken, Preise vergleichen – und die Autobahntankstelle links liegen lassen.

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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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