Kliniken HochFranken100 Millionen für die Kliniken HochFranken: Landkreis Hof investiert – wirtschaftliche Grundlage nicht dokumentiert

Was kosten die Kliniken HochFranken den Landkreis Hof im laufenden Betrieb? Wie erklärt sich der Rückgang bei den Patientenzahlen, den die jüngsten Daten zeigen? Und ist ein Erweiterungsbau die richtige Antwort auf eine Region, deren Bevölkerung seit Jahrzehnten schrumpft?

Die Kliniken betreiben zwei Krankenhäuser: die Kliniken in Münchberg und Naila. Gemeinsam verfügen sie über 400 Planbetten, organisiert als Anstalt des öffentlichen Rechts unter Trägerschaft des Landkreises. Laut den aktuellsten öffentlich zugänglichen Zahlen – veröffentlicht zur Eröffnung der neuen Notaufnahme in Naila im Juli 2025 – wurden im Jahr 2024 insgesamt 15.587 Personen stationär aufgenommen: 9706 in Münchberg und 5881 in Naila.

Fallzahlen sinken – der Ausbau kommt trotzdem

Auf der offiziellen Website des Landkreises war bislang die Angabe „rund 17.600 stationäre Patienten pro Jahr” zu lesen. Der nun öffentlich dokumentierte Wert für 2024 liegt mit 15.587 um gut elf Prozent darunter. Der demografische Rahmen begünstigt diesen Rückgang nicht – der Landkreis Hof hat ein Durchschnittsalter von 47,7 Jahren und gehört damit zu den ältesten Landkreisen Bayerns. Ältere Bevölkerungen brauchen in der Regel mehr stationäre Versorgung, nicht weniger.

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Der Landkreis hatte nach amtlichen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik zum 31. Dezember 2023 insgesamt 92.675 Einwohner. Bei 400 Planbetten ergibt das eine Bettendichte von rund 4,3 Betten je 1000 Einwohner. Der bayernweite Vergleichswert lag 2023 bei rund 5,6 Betten je 1000 Einwohner. Der Landkreis Hof liegt damit strukturell deutlich unter dem Landesdurchschnitt – in einer Region, die sich seit 1997 demografisch stark verändert hat: Die Bevölkerung ist seitdem um rund 15 Prozent zurückgegangen.

Knapp 1080 Euro pro Einwohner – und der Betrieb bleibt intransparent

Das Investitionsvolumen ist erheblich. Der Erweiterungsbau in Münchberg wurde als größtes Bauprojekt bezeichnet, das der Landkreis Hof je realisiert hat – mit einem Gesamtbudget von knapp 100 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern trägt davon 67,3 Millionen Euro. Der Haushalt des Landkreises für 2026, den der Kreistag Ende März 2026 verabschiedet hat, weist für die Kliniken allein 36,6 Millionen Euro Eigenmittel aus – ergänzt durch knapp 30 Millionen Euro weitere Fördermittel. Rechnet man die Investitionen auf die Einwohnerzahl um, ergibt das rund 1080 Euro pro Kopf. Zusätzlich fließen rund 40 Millionen Euro Freistaatsförderung in den Ausbau des Standorts Naila.

Was der Betrieb der Kliniken den Landkreis darüber hinaus jährlich kostet, ist für die Öffentlichkeit schwer nachzuvollziehen. Die Jahresabschlüsse 2024 des „Sondervermögens des Landkreises Hof – Kliniken Münchberg und Naila” standen am 27. März 2026 auf der Tagesordnung des Kreistags. Konkrete Zahlen daraus – Betriebsergebnis, Personalkosten, Jahresfehlbetrag – finden sich online jedoch nicht. Wer sie einsehen will, muss nach Auskunft des Landkreises persönlich ins Landratsamt kommen.

Als Anstalt des öffentlichen Rechts unterliegen die Kliniken HochFranken zudem nicht den handelsrechtlichen Offenlegungspflichten des HGB. Dass beides zusammenkommt – fehlende Online-Transparenz und keine HGB-Pflicht – ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine politische Entscheidung. Andere Nachbarkommunen zeigen, wie es auch geht: Sie stellen Haushaltsdaten und Beteiligungsberichte gut aufbereitet und frei zugänglich im Netz bereit. Der Landkreis Hof investiert mehr als 100 Millionen Euro in seine Kliniken – und wer wissen will, wie die wirtschaftliche Grundlage dafür aussieht, muss persönlich vorstellig werden.

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Die Naila-Erweiterung und was sie zeigt

Im Standort Naila eröffnete am 28. Juli 2025 eine neue Notaufnahme auf rund 1000 Quadratmetern, ausgestattet mit Triage-Zimmer, Schockraum, Behandlungsräumen und moderner Erstdiagnostik. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach war persönlich zur Eröffnung angereist. Die Notaufnahme verzeichnete 2024 insgesamt 10.334 ambulante Behandlungen – ein Wert, der den realen Bedarf in der Region dokumentiert und zugleich zeigt, dass die Klinik Naila als Anlaufpunkt der Notfallversorgung eine eigenständige Funktion hat.

Auch in Münchberg schreitet der Bau voran. Grundsteinlegung war im September 2021. Entstanden ist ein Funktionsgebäude mit sechs Operationssälen, neuer Intensivstation, zentraler Notaufnahme, Endoskopie und Radiologie. Die ursprünglich für 2024 geplante Fertigstellung verschob sich; nach regionalen Berichten war das Projekt 2025 noch auf der Zielgeraden. Der Haushalt 2026 zeigt, dass der Landkreis auch in diesem Jahr substanziell in die Kliniken investiert – was darauf hindeutet, dass die Baufinanzierung noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

Der Vergleich liegt nahe: Was beim Klinikum Fichtelgebirge passiert ist

Wie heikel die wirtschaftliche Lage kommunaler Krankenhäuser in dieser Region ist, zeigt der Blick auf die direkte Nachbarversorgung. Das Klinikum Fichtelgebirge – Kommunalunternehmen des Landkreises Wunsiedel, mit rund 16.700 stationären Fällen pro Jahr in ähnlicher Größenklasse – hat den Landkreis in wenigen Jahren mit rund 40 Millionen Euro Stützung belastet. Das Betriebsergebnis lag zuletzt bei minus 15,1 Millionen Euro, der Kassenkreditrahmen wurde von 15,5 auf 36 Millionen Euro erhöht. Trotz dieser Summen blieben die strukturellen Probleme ungelöst. Wie der Vogtlandstreicher auf Basis eigener Recherchen und schriftlicher Auskünfte der zuständigen Stellen berichtet hat, gibt es beim Klinikum Fichtelgebirge weder eine öffentlich dokumentierte Strategie noch messbare wirtschaftliche Ziele – Geld floss vor allem in die laufende Verlustdeckung, nicht in Strukturveränderungen.

Auch das Klinikum Fichtelgebirge ist als Kommunalunternehmen organisiert und unterliegt damit nicht den handelsrechtlichen Veröffentlichungspflichten. Die Parallele zu den Kliniken HochFranken liegt auf der Hand: gleiche Rechtsform, gleiche strukturelle Herausforderungen, gleiche Intransparenz bei den Betriebsdaten. Der Unterschied ist, dass der Landkreis Hof gerade massiv investiert – während die wirtschaftliche Grundlage dieses Investments öffentlich nicht dokumentiert ist.

Die Reform und ihre offene Rechnung für kleine Häuser

Seit 2025 läuft die stufenweise Umsetzung der bundesweiten Krankenhausreform. Das Kernelement: 61 Leistungsgruppen ersetzen schrittweise die rein fallzahlbasierte Vergütung. Welche Leistungsgruppen einem Haus zugewiesen werden und ob dessen Fallzahlen die jeweiligen Qualitäts- und Mindestmengenanforderungen erfüllen, entscheiden die Länder. Für Häuser der Grund- und Regelversorgung in ländlichen Räumen gibt es Schutzmechanismen – Sicherungszuschläge und einen Transformationsfonds. Bayern ergänzt das mit dem Programm KleinK-FöR: 100 Millionen Euro für kleinere ländliche Krankenhäuser in den Jahren 2024 bis 2028.

Wie diese Mechanismen konkret auf Münchberg und Naila wirken, hängt von Zuweisungsentscheidungen ab, die noch ausstehen. In Bayern hatten 2023 rund sieben von zehn Krankenhäusern ein negatives Betriebsergebnis. Für 2024 gingen acht von zehn Häusern von weiteren Verlusten aus – so der Bayerische Krankenhaustrend der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Landrat Dr. Oliver Bär, der als Vorsitzender der Oberfranken-Arbeitsgruppe im Bayerischen Landkreistag zu den profilierten Kritikern der Reform gehört, formulierte seine Einschätzung öffentlich klar: Die Reform werde „diese Lage nicht verbessern – im Gegenteil.”

Was Münchberg auszeichnet – und was das nicht löst

Seit Juli 2014 ist die Klinik Münchberg Teil des STENO-Netzwerks – dem Schlaganfall-Netzwerk Telemedizin Nordbayern. Das bedeutet: rund um die Uhr telemedizinische Spezialversorgung bei Schlaganfall, ohne dass Patienten in ein größeres Zentrum verlegt werden müssen. Dieses Modell – stationäre Grundversorgung kombiniert mit digitaler Facharztanbindung – gilt als eines der belastbarsten Konzepte für kleine ländliche Häuser. In Münchberg ist zudem die chirurgische und internistische Abteilung teilweise durch niedergelassene Fachärzte betrieben, was das Haus strukturell flexibler macht als klassische kommunale Krankenhäuser.

Parallel wächst das MVZ-Netz in der Region: Die Unternehmung Gesundheit Hochfranken (UGHO) eröffnete 2023 ein Medizinisches Versorgungszentrum in Rehau und betreibt weitere Standorte im Landkreis. Ambulante Versorgung und stationäre Notfallversorgung sind keine Alternativen – sie ergänzen sich. Dass der Landkreis Hof beide Stränge gleichzeitig entwickelt, ist ein Zeichen für ein ernsthaftes Versorgungskonzept.

Baustein, nicht Antwort

Der Landkreis Hof baut. Er investiert mehr als je zuvor, holt Fördermittel aus München und schafft moderne Infrastruktur. Das ist anzuerkennen. Und doch bleibt eine strukturelle Spannung, die kein Gebäude auflöst: sinkende Fallzahlen trotz alternder Bevölkerung, eine Bettendichte unter dem bayerischen Durchschnitt, ein Finanzierungssystem, das sich fundamental wandelt – und eine wirtschaftliche Lage der Kliniken, die für die Öffentlichkeit nicht transparent nachvollziehbar ist. Der Erweiterungsbau sichert die bauliche Grundlage. Ob er auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sichert, ist eine Frage, auf die der Landkreis bisher keine öffentlich zugängliche Antwort gegeben hat.

INFO: Kliniken HochFranken – Grunddaten (Stand: Sommer 2025)

Die Kliniken HochFranken sind ein kommunales Krankenhaus des Landkreises Hof, organisiert als Anstalt des öffentlichen Rechts (selbstständiges Kommunalunternehmen). Standorte: Klinik Münchberg (235 Planbetten, Innere Medizin mit Stroke Unit/STENO-Netzwerk, Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Anästhesie/Intensivmedizin, Radiologie) und Klinik Naila (165 Planbetten, Innere Medizin, Chirurgie, Geriatrie). Stationäre Aufnahmen 2024: 15.587 Personen (Münchberg: 9.706, Naila: 5.881). Versorgungsstufe: Haus der Grund- und Regelversorgung. Weitere Informationen: www.kliniken-hochfranken.de


Quellen: Landkreis Hof – Kreistag verabschiedet Haushalt 2026 (landkreis-hof.de, 30.03.2026); Landkreis Hof – Eröffnung neue Notaufnahme Naila (landkreis-hof.de, 28.07.2025); Kliniken HochFranken (kliniken-hochfranken.de); Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit – Ministerin Gerlach / KleinK-FöR (stmgp.bayern.de); Bayerisches Landesamt für Statistik – Bevölkerungsstand Landkreis Hof 31.12.2023 / Krankenhausstatistik 2023 (statistik.bayern.de); Bayerische Krankenhausgesellschaft – 15. Bayerischer Krankenhaustrend (bkg-online.de); kma Online – Erweiterungsbau Münchberg (kma-online.de); Demographisches Profil Landkreis Hof (Statistik Bayern, PDF); Vogtlandstreicher – „40 Millionen für das Klinikum Fichtelgebirge” (eigene Recherche, schriftliche Auskünfte Landratsamt Wunsiedel, Dezember 2025)

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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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