Nachrichten VogtlandRohstoffsuche aus der Luft: Warum ein Spezial-Hubschrauber vom Flugplatz Auerbach startet

Titelfoto: TU Bergakademie Freiberg/ Müller – Bei den Flügen empfängt die am Hubschrauber angebrachte Sonde mit hochsensiblen Magnetfeldsensoren elektrische Signale leitfähiger Erz-Körper, die von auf dem Boden verlegten Stromkabeln angeregt werden.

Ein Hubschrauber, darunter an einem langen Seil eine auffällige, zeppelinartige Sonde: Am Flugplatz Auerbach ist derzeit ungewöhnliche Technik zu sehen. Bei einem Termin vor Ort wurde am Montag das Forschungsprojekt vorgestellt, für das der Hubschrauber aktuell über dem Vogtland und dem westlichen Erzgebirge unterwegs ist. Von Auerbach aus starten die Messflüge, mit denen Wissenschaftler tief unter die Erdoberfläche blicken wollen.

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Im Mittelpunkt steht vor allem das Gebiet um Gottesberg. Dort untersucht ein Team der TU Bergakademie Freiberg gemeinsam mit mehreren Forschungs- und Industriepartnern den Untergrund. Ziel ist es, ein möglichst genaues dreidimensionales Modell der dortigen Zinn-Lagerstätten zu erstellen. Die Messflüge sollen noch bis voraussichtlich 12. September dauern.

Auerbacher Flugplatz wird zur Basis für die Rohstofferkundung

Zum Einsatz kommt ein Hubschrauber der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Unter ihm hängt während der Messflüge eine mehr als 300 Kilogramm schwere Sonde, die wegen ihrer Form auch als „Bird“ bezeichnet wird. Verbunden ist sie mit dem Hubschrauber über ein rund 60 Meter langes Seil.

Vom Flugplatz Auerbach aus geht es in die jeweiligen Untersuchungsgebiete. Während der Messungen fliegt der Hubschrauber in etwa 120 Metern Höhe mit rund 100 Kilometern pro Stunde festgelegte Linien ab. Doch was sucht die Sonde eigentlich?

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Foto: TU Bergakademie Freiberg – Über der Region um Gottesberg ist noch diese Woche (bis voraussichtlich 12. September 2026) ein Hubschrauber der Bundesgesellschaft für Geowissenschaften und Rohstoffe unterwegs.
Strom im Boden und Sensoren in der Luft

Das Verfahren nennt sich Semi-Airborne-Elektromagnetik. Dabei werden zunächst kilometerlange Kabel am Boden ausgelegt. Über diese wird ein elektrisches Signal in den Untergrund eingespeist. Gesteine und mögliche Erzkörper reagieren aufgrund ihrer unterschiedlichen elektrischen Leitfähigkeit darauf. Die hochsensiblen Magnetfeldsensoren in der Sonde unter dem Hubschrauber erfassen die dadurch entstehenden Magnetfelder.

Vereinfacht gesagt entsteht damit eine Art geophysikalisches Bild des Untergrundes. Die Wissenschaftler können Strukturen erkennen, die von der Erdoberfläche aus nicht sichtbar sind. Untersuchungen sind bis in eine Tiefe von rund 1000 Metern möglich. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Sonde direkt erkennt: Hier liegt Zinn. Die Messungen zeigen zunächst auffällige leitfähige Strukturen. Erst durch die Kombination mit geologischen Erkenntnissen und bereits vorhandenen Bohrdaten können die Forscher beurteilen, ob diese mit möglichen Erzvorkommen zusammenhängen.

Warum Gottesberg für die Forscher interessant ist

Das Erzgebirge ist durch seine lange Bergbaugeschichte bereits vergleichsweise gut untersucht. Allerdings stammen viele Erkenntnisse aus einzelnen Bohrungen. Was zwischen diesen Bohrpunkten und insbesondere in größeren Tiefen liegt, lässt sich bislang nicht überall detailliert abbilden.

„Das Erzgebirge ist mit Bohrungen und geochemischen Daten punktuell schon gut erkundet, allerdings fehlt es an dreidimensionalen Modellen besonders für große Tiefen“, erklärt Thomas Günther, Professor für Angewandte Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an. Die neuen Messdaten sollen die Lücken zwischen vorhandenen Erkenntnissen schließen.

Am Gottesberg ist zudem bereits ein Zinnvorkommen bekannt. Das beteiligte Freiberger Unternehmen Saxore Bergbau erkundet dort die Lagerstätte. Damit bietet das Gebiet den Forschern zugleich die Möglichkeit zu überprüfen, wie gut ihre Messmethode bekannte geologische Strukturen abbilden kann.

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Foto: TU Bergakademie Freiberg – Hubschrauber nach dem Aufnehmen der Mess-Sonde am Flugplatz Auerbach. Mit Semi-Airborne-Elektromagnetik lassen sich elektrische Eigenschaften von Sedimenten und Gesteinen im Untergrund effizient und hochauflösend über große Gebiete und bis in 1000 Meter Tiefe erfassen – ohne eine einzige Bohrung in die Tiefe.

Weniger Bohrungen – und gezielter bohren

Bohrungen werden durch das Verfahren nicht vollständig überflüssig. Sie bleiben notwendig, um beispielsweise festzustellen, welche Erze tatsächlich vorhanden sind und in welcher Konzentration. Die neuen 3D-Modelle könnten jedoch dabei helfen, solche Bohrungen künftig wesentlich gezielter anzusetzen. Statt an vielen Stellen aufwendig in die Tiefe zu gehen, sollen die Messdaten zunächst zeigen, wo eine genauere Untersuchung sinnvoll erscheint.

Eine von den Forschern entwickelte Software verarbeitet dafür die Messwerte zu dreidimensionalen Modellen der elektrischen Leitfähigkeit. Hinzu kommen vorhandene Bohrdaten sowie geologische, geochemische und weitere geophysikalische Informationen. Auch KI-gestützte Prognosen kommen zum Einsatz.

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Erste Ergebnisse noch im Herbst 2026

Erste Ergebnisse der aktuellen Messkampagne erwartet das Team bereits im Herbst. Bis zum Frühjahr 2027 sollen gemeinsam mit Daten aus bestehenden Bohrungen belastbare 3D-Modelle entstehen. Im August 2027 ist eine weitere Befliegung vorgesehen, bei der das Gebiet Hämmerlein-Tellerhäuser im Mittelpunkt stehen soll. Die Untersuchungen gehören zum Verbundprojekt DESMEX-MinD, das im März 2026 gestartet ist und bis 2029 gefördert wird. Neben der TU Bergakademie Freiberg und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sind weitere Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt. Die Methode selbst wurde bereits im Harz sowie in Schweden, Spanien und Namibia erprobt. Im Erzgebirge wird ihre Weiterentwicklung nun erstmals eingesetzt. Ziel ist es, aus dem Forschungsansatz langfristig ein Verfahren zu entwickeln, das auch bei der praktischen Erkundung heimischer Rohstofflagerstätten eingesetzt werden kann.

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