Nachrichten VogtlandKarat in ausverkauften NaturTheater Bad Elster: Diese Melodien kennt mehr als eine Generation

Titelfoto & alle Fotos: Stephanie Rössel
Es braucht manchmal nur ein paar Töne. Eine Gitarrenfigur, eine Keyboardlinie, eine Melodie, die irgendwo im Gedächtnis gelegen hat – und plötzlich ist sie wieder da. Karat besitzen viele solcher musikalischen Momente. Beim ausverkauften Konzert am Samstagabend im NaturTheater Bad Elster zeigte sich, was ein Repertoire aus mehr als fünf Jahrzehnten ausmacht: Nicht alles muss ständig präsent sein, um nach wenigen Takten wieder vertraut zu klingen.

Unter dem Titel „Karat 50 + 1“ setzt die Band ihre Jubiläumsreise fort. 2025 jährte sich das erste Karat-Konzert zum 50. Mal. Rund 5000 Konzerte, 15 Studioalben und fünf Livealben zählt die Band selbst inzwischen zu ihrer Geschichte.

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Karat und 50 + 1 Jahre Ostrock: Die Melodien sind geblieben

Natürlich sind da die Lieder, deren Titel längst zum Allgemeingut deutscher Rockmusik geworden sind. „Der Schwanenkönig“ gehört dazu und selbstverständlich „Über sieben Brücken musst du gehn“. Ebenso stehen Stücke wie „Albatros“ oder „Der blaue Planet“ für jene Phase, in der Karat ihren eigenen Platz in der deutschsprachigen Rockmusik fanden. Doch wer die Band auf diese Handvoll großer Titel reduziert, macht es sich zu einfach.

Über die Jahrzehnte ist ein Repertoire entstanden, in dem erstaunlich viel melodisch haften geblieben ist. Da sind jene Lieder, die bis heute stattfinden und bei denen wenige Takte reichen, um sie zu erkennen. Und dann gibt es Stücke, deren Titel vielleicht nicht mehr sofort abrufbar sind, deren Melodien aber beim Wiederhören erstaunlich schnell zurückkehren. Gerade live wird deutlich, wie viele solcher Spuren Karat über die Jahrzehnte hinterlassen haben.

„50 + 1“ darf man dabei durchaus differenziert betrachten. Eine Band kann 51 Jahre alt sein, ihre Besetzung naturgemäß nicht. Von den Musikern, die heute unter dem Namen Karat auf der Bühne stehen, reicht vor allem die Geschichte von Gitarrist Bernd Römer in die Anfangsjahre der Band zurück. Sänger Claudius Dreilich wiederum steht inzwischen selbst seit vielen Jahren am Mikrofon und prägt damit längst die heutige Phase.

Interessanter als die Frage nach einer historischen Originalbesetzung ist ohnehin, wie diese Musik heute weitergeführt wird. Karat versuchen nicht, einen Zustand aus den Siebziger- oder Achtzigerjahren zu konservieren. Die alten Kompositionen bilden den Kern, daneben entsteht weiterhin neues Material. So erschien zum Jubiläum keine weitere Best-of-Sammlung, sondern 2025 mit „Hohe Himmel“ ein Album mit neuen Liedern.

Ostrock ohne Moshpit – dafür mit Songs, denen man zuhört

Wer bei einem Rockkonzert darauf wartet, dass sich vor der Bühne irgendwann ein wilder Moshpit bildet, dürfte bei Karat lange warten. Aber genau darum geht es bei dieser Musik auch nicht. Ihre Wirkung entsteht weniger aus Tempo oder permanenter Lautstärke als aus den Kompositionen selbst.

Gitarren und Keyboards teilen sich dabei seit jeher einen großen Teil des Klangraums. Dazu kommen ausgedehnte Melodielinien, häufig bewusst gesetzte Spannungsbögen und Texte, die selten beiläufig daherkommen. Auch ein gewisser Hang zum Pathos gehört zu Karat – und zwar so selbstverständlich, dass man ihn dieser Musik nicht nachträglich austreiben muss.

Gerade deshalb hätte der Sound im NaturTheater an diesem Abend die Musik noch besser tragen können. Bei Stücken, die von der Verzahnung der Instrumente und ihren melodischen Details leben, braucht es Trennschärfe: Die Gitarren dürfen Kontur besitzen, die Keyboards ihren Raum bekommen, ohne dass daraus einzelne Klangblöcke werden. Und dennoch zeigte der Abend etwas, das für den heutigen Stellenwert von Karat vielleicht wichtiger ist als jede Jubiläumszahl: Man hört dieser Band gerne zu – und das bemerkenswert unabhängig von der Generation.

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Karat müssen dafür weder künstlich jünger klingen noch permanent die „gute alte Zeit“ beschwören. Auch 50 + 1 Jahre nach dem Anfang funktioniert diese Musik nicht allein deshalb, weil Menschen Erinnerungen mit ihr verbinden.

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