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Kein Hochglanz-Frontmann, sondern ein Sänger mit Ecken, Druck und einer Stimme die nicht nachsingt, sondern gut zwischen Marshall-Wände und Classic-Rock-Hymnen passt. Nick Ferretti schaffte durch Dieter Bohlen den Weg vom Einkaufzentrum in Mallorca ins deutsche Fernsehen. Der gebürtige Neuseeländer wurde 2019 durch seine Teilnahme bei der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar “bekannt, bevor er 2020 mit seinem Sieg bei „Das Supertalent“ endgültig den Durchbruch schaffte.
Am Pfingstwochenende steht Nick Ferretti nun bei „ROCK Classics“ an der Göltzschtalbrücke in Netzschkau auf der Bühne — gemeinsam mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach und weiteren Solisten. Vor der spektakulären Kulisse der weltgrößten Ziegelsteinbrücke interpretiert er legendäre Songs von Bon Jovi, Bryan Adams oder den Rolling Stones in besonderen Arrangements zwischen Band und sinfonischem Orchester.
Im Interview spricht er über diesen Moment, über Castingshows, Straßenmusik und warum Emotion für ihn wichtiger ist als Perfektion. (Das Interview wurde auf Englisch geführt und ist hier übersetzt zu lesen.):
Das erste Mal mit Orchester – was bedeutet das für dich?
Es ist surreal. Ich habe ganz klein angefangen – nur mit einer Gitarre und meiner Stimme auf der Straße. Plötzlich ein ganzes Orchester hinter mir zu haben, fühlt sich an, als hätte sich meine Geschichte in alle Richtungen entfaltet. Es ist emotional – fast überwältigend –, aber auf die schönste Art und Weise.
Was unterscheidet dieses Projekt von deinen bisherigen Auftritten?
Der Umfang und die Verletzlichkeit. Mit einem Orchester kann man sich nicht hinter der Einfachheit verstecken. Jede Note, jeder Atemzug liegt offen da – wird aber gleichzeitig auch veredelt. Es ist, als würde man mit einer viel größeren Farbpalette malen.
Was denkst du wird dir durch den Kopf gehen, wenn das Orchester einsetzt?
Ehrlich gesagt? Die erste Sekunde ist pure Gänsehaut. Dann erinnere ich mich selbst: Bleib ganz im Moment. Denn wenn man sich darin verliert, wie gewaltig es klingt, verliert man die Verbindung zum Song.
Der Moment auf Palma mit Dieter Bohlen – erinnerst du dich daran?
Natürlich. Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz. Ich habe einfach mein Ding gemacht, und plötzlich stand er da. Es fühlte sich an, als hätte das Leben ohne Vorwarnung auf „Vorspulen“ gedrückt.
Was hat dich überzeugt, ins Fernsehen zu gehen?
Mir wurde klar: Die Straße hat mir eine Stimme gegeben – aber das Fernsehen könnte dieser Stimme ein viel größeres Publikum verschaffen. Es war ein Risiko, aber Musik ist immer ein Risiko.
Der zweite Platz bei DSDS – für dich eher Erfolg oder verpasste Chance?
Damals vielleicht ein bisschen von beidem. Heute? Definitiv ein Erfolg. Es hat das Fundament für alles gelegt, was danach kam.
Dann der Sieg bei „Das Supertalent“ – was war diesmal anders?
Ich habe aufgehört, krampfhaft versuchen zu wollen, irgendetwas zu beweisen. Ich habe mich einfach darauf konzentriert, jedes Mal, wenn ich sang, eine Geschichte zu erzählen. Die Menschen fühlen sich nicht von Perfektion berührt – sie fühlen sich von der Wahrheit berührt.
Technische Perfektion oder Emotion – was ist dir wichtiger?
Emotion. Immer. Technik ist wichtig, aber ohne Emotion ist es nur Schall. Emotion ist das, was aus Schall Musik macht.
Gab es andere Künstler, die deinen Stil beeinflusst haben – wer?
Eine Mischung aus vielen – Singer-Songwriter, Soul-Künstler und sogar Straßenmusiker, denen ich begegnet bin. Echte Menschen mit echten Geschichten haben mich mehr geprägt als alles andere.
Du lebst aktuell in London und verdienst dein Geld als Sänger auf Hochzeiten oder?
Ja, London ist mittlerweile meine Heimat. Und ja, ich trete tatsächlich auch auf Hochzeiten auf. Diese Momente sind unglaublich besonders – man wird Teil der Lebensgeschichte eines anderen Menschen. Ja, ich stehe für Hochzeiten und Veranstaltungen in Europa und Großbritannien zur Verfügung. Kontaktieren kannen man mich dafür unter: www.Nick Ferretti.com/contact
Welches ist denn das beliebteste Hochzeitslied?
Das wechselt immer wieder, aber zeitlose Liebeslieder setzen sich am Ende doch stets durch. Jene Lieder, die sich für das Paar ganz persönlich anfühlen – darauf kommt es am meisten an.
Arbeitest du selbst gerade an neuen Songs?
Immer. Das Songwriting hört für mich eigentlich nie wirklich auf. Tatsächlich experimentiere ich derzeit verstärkt mit orchestralen Elementen – dieses Projekt knüpft also direkt daran an.
Nachgefragt bei…Nick Ferretti
| Lieblingsessen: Pasta |
| Lieblingsmusik: Soul |
| Lieblingswort: „Jetzt“ |
| Lieblingsort: Überall dort, wo es eine Gitarre und einen Sonnenuntergang gibt. |
| Lieblingsmoment: Jene Sekunde, kurz bevor ich zu singen beginne. |
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Nick Ferretti: “Es fühlte sich an, als hätte das Leben ohne Vorwarnung auf „Vorspulen“ gedrückt.”

