Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist das wohl größte regelmäßig in Deutschland vorkommende Landsäugetier. Er wurde zum Wildtier des Jahres 2026 gekürt. Während die männlichen Tiere – die Hirsche – eine Schulterhöhe von etwa 150 Zentimetern erreichen können und bis zu 250 Kilogramm auf die Waage bringen, sind die weiblichen Tiere, die Hirschkühe, deutlich leichter und bringen etwa die Hälfte dieses Gewichts auf. Im Vergleich dazu wirkt selbst ein naher Verwandter klein: Das Reh kommt lediglich auf rund 20 Kilogramm Körpergewicht.
Das Geweih: Schnellstes Organwachstum der Natur
Ein markantes Merkmal ist das Geweih. Dieses wird jedes Frühjahr abgeworfen und wächst anschließend vollständig neu. Dabei kann das Wachstum bis zu zwei Zentimeter pro Tag betragen. Innerhalb weniger Monate entstehen so oft mehr als zehn Kilogramm neue Knochensubstanz – ein Rekordwert und das schnellste bekannte Organwachstum in der Natur. Das Fell verändert sich im Jahresverlauf: Im Sommer zeigt sich der Rothirsch in rotbraunen Farbtönen, während das dichtere Winterfell eher graubraun erscheint.
Die sozialen Strukturen des Rotwilds sind klar organisiert. Hirschkühe, Kälber und Jungtiere leben in Rudeln zusammen. In den weiblichen Familienverbänden bestimmt eine ranghohe, erfahrene Leitkuh über Fress-, Flucht- und Zugverhalten der Gruppe. Auch männliche Tiere schließen sich außerhalb der Fortpflanzungszeit zu Gruppen zusammen. In der Brunft zwischen September und Oktober kommt es jedoch zu eindrucksvollen Rivalenkämpfen. Mit Imponierverhalten und teilweise auch mit ihren Geweihen kämpfen die Hirsche um die Aufmerksamkeit der Weibchen. Diese Phase ist äußerst kräftezehrend und kostet die Tiere erhebliche Energiereserven.
Lebensraum des Rothirschs: Vom Offenland in den Wald gedrängt
Ursprünglich bevorzugt das Tier halboffene Landschaften mit eher wenigen Bäumen. Durch zunehmenden menschlichen Einfluss und intensive Bejagung hat sich das Tier jedoch weitgehend in Wälder zurückgezogen. Dort ernährt sich der Rothirsch täglich von bis zu 20 Kilogramm Nahrung, darunter Gräser, Kräuter, Knospen, Triebe von Weichhölzern, Früchte und sogar Baumrinde. Durch dieses Verhalten verändert er aktiv seinen Lebensraum.
Diese Eingriffe führen teilweise zu Konflikten mit der Forstwirtschaft, haben aber auch ökologische Vorteile: Es entstehen Lichtungen, die Lebensräume für Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen bieten. Gleichzeitig trägt er zur Verbreitung von Pflanzensamen bei – entweder über sein Fell oder über den Verdauungsprozess. Selbst die abgeworfenen Geweihstangen erfüllen eine wichtige Funktion, da sie Nagetieren als Mineralstoffquelle dienen.
Gefährdung und Herausforderungen für den Rothirsch
Die Populationen stehen vor erheblichen Problemen. Infrastruktur wie Straßen und Siedlungen sowie intensive Landnutzung fragmentieren die Lebensräume stark. Die Folge ist eine nachgewiesene genetische Verarmung, die durch wildbiologische Studien bestätigt wurde. Parallel dazu wird der Rothirsch intensiv bejagt, da er in Land- und Forstwirtschaft wirtschaftliche Schäden verursachen kann. Rotwild ist in Deutschland nicht vom Aussterben bedroht. Aktuell wird der Bestand auf rund 200.000 Stück geschätzt.
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Wildtier des Jahres: Der Rothirsch ist eins der größten Säugetiere in Deutschland

