Nachrichten VogtlandMontez “So ist das mit dem Glück”: Zwischen großen Gefühlen und leisen Wahrheiten

Die größte Stärke ist zugleich die Achillesferse. Alle Details in der Albumrezension!

Titelfoto: Universal
Montez sucht auf seinem neuen Album „So ist das mit dem Glück“ nicht nach dem großen Happy End. Er interessiert sich vielmehr für das, was davor und danach passiert: für Menschen, die bleiben, obwohl vieles dagegenspricht, für jene, die fehlen, für falsche Entscheidungen, richtige Gefühle und Augenblicke, deren Wert sich manchmal erst im Rückspiegel offenbart. Musikalisch bleibt er dabei jener Schnittstelle aus Deutschpop und Rap treu, die längst zu seiner eigenen Klangsprache geworden ist. Vielleicht sogar ein wenig zu treu.

Glück ist ohnehin ein merkwürdiges Ding. Es lässt sich schwer konservieren und noch schwerer besingen, ohne dabei ins Pathetische oder Banale zu geraten. Oft wird es erst in dem Moment greifbar, in dem es bereits wieder verschwindet. Vielleicht ist genau das die interessanteste Lesart dieses Albums. Denn obwohl es „So ist das mit dem Glück“ heißt, erzählt Montez erstaunlich häufig von dessen Abwesenheit. Von Verlust. Von verpassten Möglichkeiten. Von früher. Von falschen Küssen und richtigen Menschen. Von der merkwürdigen Unfähigkeit zweier Menschen, miteinander zu reden, obwohl eigentlich alles gesagt werden müsste. Und schließlich von einem Abschied, gegen den selbst der dickste emotionale „Panzer“ nichts mehr ausrichten kann.

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Vor wenigen Tagen ist das neue Studioalbum erschienen. Ein Großteil des Materials entstand 2025 während eines Writing-Camps in Frankreich sowie Anfang 2026 in den Ocean Sound Studios auf der norwegischen Insel Giske. Liebe, Trennung, Sehnsucht, Zweifel – das emotionale Koordinatensystem der Musik bekannt.

Gemeinsam mit Chapo102 erzählt er in „Die Falschen geküsst“ von romantischen Fehlentscheidungen, ohne sie nachträglich zu Katastrophen erklären zu müssen. Vielleicht waren die Falschen schließlich notwendig, um irgendwann den Richtigen zu erkennen. Mit Sido sucht er in „Glück“ nach etwas, das mit wachsendem Erfolg keineswegs leichter zu definieren wird.

Wer Montez in den vergangenen Jahren gehört hat, kennt allerdings auch die klanglichen Bausteine dieser Platte. Mollgefärbte Akkordfolgen, Gitarren, Piano, atmosphärische Synthesizerflächen und elektronisch programmierte Beats bilden das Fundament. Darüber liegt diese charakteristische Stimme, die sich weder vollständig für Rap noch für klassischen Popgesang entscheidet. Montez phrasiert, zieht Silben, verschluckt Konsonanten, wechselt zwischen Sprechen und Singen und lässt Melodien häufig eher aus dem Sprachrhythmus entstehen, als sie demonstrativ darüberzulegen. Seine Stärke liegt in der Phrasierung und Wiedererkennbarkeit.

Die Strophe darf intim bleiben, der Pre-Chorus erhöht den emotionalen Druck, dann öffnet sich der Raum: zusätzliche Flächen, breitere Harmonien, Backings, mehr Hall, größere Dynamik. Der Refrain kommt selten überraschend – aber fast immer genau dort, wo man ihn haben möchte. Der Beat weiß, wann er verschwinden soll. Und die Hook weiß ziemlich genau, an welcher Stelle sie sich im Kopf festsetzen muss. Das ist die große Stärke und zugleich die Achillesferse dieser Platte.

Montez kann Worte einbrennen, die auf dem Papier beinahe zu gewöhnlich erscheinen, um überhaupt Songzeilen zu sein. Sie klingen wie Sätze, die nachts um halb zwei in einer Küche fallen könnten. Nach einer zu langen Diskussion. Nach zwei Gläsern Wein. Oder in jenem Moment, in dem einer endlich ausspricht, was beide längst wissen. Eben weil er verstanden hat, dass Poplyrik nicht zwingend davon lebt, einen Gedanken zu formulieren, den noch nie jemand hatte. Sie lebt davon, einen bekannten Gedanken so zu formulieren, dass er sich für drei Minuten wieder wie der eigene anfühlt. Und so haben vermutlich viele schon mal Liebeskummer mit einem seiner Song zelebriert.

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Fazit:

“So ist das mit dem Glück“ und so ist das mit Montez Songs. Sie bauen musikalisch gelegentlich etwas zu sehr auf die Mechanismen, die nachweislich funktionieren. Manche Steigerung hört man kommen. Manche Produktion kennt den Weg zum großen Gefühl vielleicht ein bisschen zu genau. Aber Perfektion wäre für dieses Album ohnehin ein seltsames Ziel. Denn eigentlich geht es darum, dass im Leben eben nicht immer alles glatt läuft.

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