Nachrichten VogtlandFeuerland ist eröffnet: Zoo Leipzig schafft spektakuläre Welt für Robben und Pinguine

Titelfoto: Zoo Leipzig – Zoodirektor Jörg Junhold und Leipzigs Oberbürgermeister Jung im 360 Grad Tunnel
Acht Jahre Arbeit, Millionen Liter Wasser, tonnenweise Stahl und Salz – und ein Zoodirektor, dem die Freude an diesem Tag deutlich anzusehen war: Mit Feuerland hat der Zoo Leipzig eine seiner spektakulärsten Tieranlagen eröffnet. Robben, Humboldtpinguine, Pelikane und weitere Seevögel bekommen einen neuen Lebensraum, während Besucher durch die derzeit weltweit längste 360-Grad-Acrylglasröhre mitten in ihre Unterwasserwelt eintauchen können. Doch hinter der scheinbar natürlichen Landschaft steckt ein technisches Mammutprojekt.

Videos: S. Rössel

Ein strahlender Zoodirektor und ein besonderer Tag im Zoo Leipzig

Manchmal braucht es gar keine großen Worte. Ein Blick in das Gesicht von Zoodirektor Prof. Jörg Junhold genügte bei der Eröffnung von Feuerland im Zoo Leipzig eigentlich schon. Er strahlte über beide Ohren – und das blieb auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung nicht verborgen, der die sichtbare Freude des Zoodirektors noch einmal ausdrücklich hervorhob.

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Verwunderlich ist sie nicht. Viele Jahre stecken in dem Projekt, das nun vollendet ist. Jahre mit Planungen, Entscheidungen, gewaltigen Bauarbeiten, technischen Herausforderungen und immer wieder der Frage, wie aus Beton, Stahl und Rohrleitungen am Ende etwas entstehen kann, das möglichst wenig nach Beton, Stahl und Rohrleitungen aussieht.

Nun ist das Tor geöffnet. Und dahinter beginnt eine kleine Reise ans andere Ende der Welt. Mit Feuerland erhält der in den vergangenen Jahren neu gestaltete Südamerikabereich des noch einmal ein außergewöhnliches Highlight. Die neue Küsten- und Meereslandschaft orientiert sich an Patagonien und Feuerland im Süden Südamerikas. Sie soll dabei weit mehr sein als eine neue Robben- und Pinguinanlage. Die ursprüngliche Idee war eine Reise.

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Fotos: Zoo Leipzig
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Feuerland soll vergessen lassen, dass draußen Leipzig liegt

Das planerische Ziel klingt dabei fast einfacher, als es umzusetzen war: Wer Feuerland betritt, soll für einen Moment vergessen können, dass er sich mitten in einer deutschen Großstadt befindet. Deshalb sollte sich die Architektur nicht in den Vordergrund drängen. Sie sollte möglichst verschwinden und selbst zu einem Teil der Landschaft werden. Felsen, Wasser, Vegetation, Wege und Gebäude wurden zu einem gemeinsamen Bild verbunden, das an die raue Küstenlandschaft erinnert.

Und diese Landschaft sollte nicht einfach nur von außen betrachtet werden. Von Beginn an stand fest, dass die Gäste sich durch Feuerland hindurchbewegen und den Lebensraum seiner Tiere aus immer neuen Blickwinkeln erleben sollen. Die Reise führt entlang einer Küstenlandschaft, durch eine weitläufige Voliere, vorbei an Pinguinen und schließlich zu den großen Wasserbecken. Dort ändert sich die Perspektive noch einmal grundlegend.

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Fotos: S. Rössel
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Plötzlich schwimmen die Robben über den Köpfen

Mehr als 100 Meter führt der Unterwassertunnel durch die Anlage. Sein spektakulärster Teil ist eine transparente 360-Grad-Acrylglasröhre. Statt vor einer klassischen Beobachtungsscheibe zu stehen und von außen in ein Becken hineinzusehen, befinden sich die Besucher hier plötzlich mitten im Wasserraum. Die Tiere können neben ihnen, über ihnen und scheinbar um sie herum durchs Wasser gleiten. Aus Tierbeobachtung wird damit beinahe ein Eintauchen in eine andere Welt.

Eine Wellenanlage bringt zusätzlich Bewegung ins Wasser. Gleichzeitig gehören Strandbereiche und Rückzugsmöglichkeiten zum Konzept. „Bei der Gestaltung unseres Feuerlandes haben wir ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse der Tiere gelegt und für die Besucher einzigartige Perspektiven für die Tierbeobachtung geschaffen“, betonte Zoodirektor Jörg Junhold zur Eröffnung.

Zu den Live-Klängen von „Kling, Klang“ von Keimzeit – die gestern Nachmittag Überraschungsgast waren und sozusagen einen Traum des Zoodirektor erfüllten – führte er die Gäste schließlich selbst nach Feuerland. Ein passender Soundtrack für eine Reise, für die man Leipzig nicht einmal verlassen muss.

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Fotos: S. Rössel
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Was natürlich aussieht, ist bis ins Detail geplant

Wer durch Feuerland läuft, sieht Wasser, Felsen, Pflanzen und Tiere. Genau das ist beabsichtigt. Was möglichst unsichtbar bleiben soll, ist die gewaltige Konstruktion dahinter. Unter den natürlich wirkenden Felsformationen verbergen sich Tragwerke und technische Einbauten. Wege müssen aussehen, als gehörten sie selbstverständlich in diese Landschaft – und gleichzeitig Anforderungen an Barrierefreiheit, Sicherheit, Fluchtwege und den täglichen Zoobetrieb erfüllen.

Selbst ein Felsen, der aussieht, als läge er seit Jahrhunderten genau an dieser Stelle, kann das Ergebnis unzähliger planerischer Entscheidungen sein. Gerade darin lag eine der Herausforderungen: Eine hochkomplexe Anlage zu bauen, deren Komplexität der Besucher am Ende möglichst nicht bemerkt.

Wie gewaltig dieses Projekt tatsächlich ist, zeigen die Zahlen hinter der vermeintlichen Natürlichkeit. Zunächst musste eine bis zu acht Meter tiefe Baugrube ausgehoben werden. Rund 22.000 Kubikmeter Erdmaterial wurden dabei abgefahren. Weil die Bauarbeiten bis zu sieben Meter tief ins Grundwasser reichten, musste eine rund 280 Meter lange und dichte Baugrubenwand errichtet werden.

Anschließend entstanden Decken, Baukörper, Becken und die technische Infrastruktur der neuen Tierwelt. Insgesamt wurden dafür etwa 7.000 Kubikmeter Beton und rund 1.300 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Mehr als 4,5 Millionen Liter Stadtwasser wurden für die Anlage mit rund 150 Tonnen Spezialsalz zu biologischem Meerwasser aufbereitet. Die Wassermenge entspricht ungefähr 25.000 Badewannenfüllungen. Damit es dauerhaft klar bleibt und die für die Tiere erforderliche Qualität gewährleistet werden kann, wird das gesamte Volumen einmal pro Stunde durch ein komplexes Filtersystem geführt und anschließend zurück in die Becken geleitet. Allein dafür wurden rund 2,8 Kilometer Rohrleitungen verlegt.

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Fotos. S. Rössel
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Ein 2800 Quadratmeter großes Netz über den Köpfen

Auch oberhalb der Besucher setzt sich die Dimension fort. Über dem neuen Lebensraum für Pinguine, Pelikane und weitere Seevögel spannt sich ein rund 2800 Quadratmeter großes Nylonnetz. Besonders anspruchsvoll waren zudem jene Bauteile, die heute wahrscheinlich zu den größten Publikumsmagneten von Feuerland gehören: die in den USA gefertigten Acrylglaselemente. Sie reichen von flachen und halbkreisförmigen Scheiben über ein 270-Grad-Element bis zur spektakulären, derzeit weltweit längsten 360-Grad-Röhre. Mehr als fünf Millionen Liter Wasser füllen nach Angaben des Zoos insgesamt die neue Küsten- und Meereslandschaft.

Dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht von Einzelnen gebaut werden kann, wurde bei der Eröffnung ebenfalls deutlich. Architektur und Landschaftsarchitektur, Tragwerksplanung, technische Gebäudeausrüstung, Wassertechnik, Tierpflege, Zoologie, Brandschutz, Bauphysik, Handwerksbetriebe und Spezialfirmen mussten über Jahre zusammenarbeiten und immer wieder neue Lösungen finden.

Architekt Peter Rasbach wandte sich mit sehr persönlichen Worten an den Leipziger Zoodirektor: „Feuerland, lieber Jörg, ist vor allem dein ganz persönlicher Verdienst. Deine Beharrlichkeit, dein Blick für das Ganze und deine Leidenschaft haben das möglich gemacht.“

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Fotos: S. Rössel
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Feuerland ist eröffnet – und die Technik darf jetzt in den Hintergrund treten

Nun beginnt für Feuerland die Zeit, für die all dieser Aufwand betrieben wurde. Pinguine stehen an der Küste, Robben ziehen durchs Wasser und Besucherinnen und Besucher verschwinden für einige Minuten in einer transparenten Röhre unter der Wasseroberfläche.

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Die Eröffnung würdigten zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft sowie der internationalen Zoogemeinschaft. Christoph Schwitzer, Präsident der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) und Zoodirektor in Dublin sprach dem Zoo Leipzig seine Anerkennung aus: „Leipzig setzt Maßstäbe. Feuerland ist mehr als eine neue Tieranlage – es ist ein Symbol, was moderne Zoos sein können und leisten müssen. Hier sieht man, wie Tierwohl, Besucherbedürfnisse, Bildung und Artenschutz Hand in Hand gehen.“ Der Präsident des Freundes- und Fördervereins des Zoo Leipzig Michael Weichert betonte, dass die Zivilgesellschaft eng an der Seite des Zoos steht und übergab im Rahmen der Eröffnung einen Scheck über 300.000 Euro, womit sich die Unterstützung des Vereins an den Zoo auf 4,8 Millionen Euro in den letzten fünf Jahren erhöht. Auch dabei war S.E. Jorge Sandrock, Botschafter der Republik Chile, der die Arbeit des Zoo Leipzig in Chile für den Artenschutz lobte. Sachsens Landtagspräsident Alexander Dierks, in Vertretung für den Ministerpräsidenten, würdigte den Zoo als Leuchtturm für Tourismus, Fortschritt und Mut in Sachsen.

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