Titelfoto: Theater Plauen-Zwickau
Manchmal kommt ein Lob genau zum richtigen Zeitpunkt. Nicht, weil es gebraucht würde, um Qualität zu beweisen. Sondern weil es bestätigt, was längst zu sehen und zu spüren ist.
Dass der Berliner Tanzkritiker Volkmar Draeger das Ballett des Theaters Plauen-Zwickau in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift tanz als seine „Compagnie des Jahres“ benennt, ist weit mehr als eine schöne Nachricht für die nächste Pressemitteilung. Es ist eine überregionale Anerkennung für eine Sparte, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der großen künstlerischen Stärken dieses Theaters entwickelt hat.
Wer die Arbeiten des Ensembles unter Ballettdirektor Sergei Vanaev erlebt hat, dürfte darüber kaum überrascht sein. Dieses Ballett kann wuchtig sein und leise, verstörend und poetisch, körperlich bis an die Grenze und im nächsten Moment von einer beinahe zerbrechlichen Schönheit. Manche Bilder bleiben lange, nachdem der Vorhang gefallen ist.
Vor allem aber gelingt hier etwas, von dem Kulturbetriebe oft sprechen und das sich wesentlich schwerer herstellen lässt: Das Ballett erreicht Menschen verschiedener Generationen. Es braucht dafür nicht zwingend Worte, keine Vorkenntnisse und auch keine vermeintliche kulturelle Eintrittskarte. Bewegung, Musik und Emotion finden ihren eigenen Weg zum Publikum.
Dass Draeger ausgerechnet „Carmen-Suite / Le Sacre du printemps“ hervorhebt und den Abend als „ungewöhnlich, kraftzehrend, sinnlich“ beschreibt, passt deshalb. Denn diese Produktion steht exemplarisch für eine Compagnie, die nicht einfach Bekanntes reproduziert. Sie fordert ihre Tänzerinnen und Tänzer – und sie fordert ihr Publikum. Gleichzeitig schafft sie Abende, die berühren.
Über den Erhalt des Theaters Plauen-Zwickau, über Finanzierung, Strukturen und notwendige Einsparungen wird diskutiert. Dass dabei gerechnet werden muss, ist Realität. Aber eine Rechnung darf nicht allein aus Zahlen bestehen. Sie muss auch berücksichtigen, was ein Theater unverwechselbar macht, wo es künstlerische Strahlkraft entwickelt und womit es tatsächlich Menschen erreicht. An einer Sparte anzusetzen, die all das gerade eindrucksvoll leistet, wäre fatal.
Denn sparen kann man sich im schlimmsten Fall auch erfolgreich: so lange, bis zwar Strukturen auf dem Papier erhalten bleiben, aber das verloren geht, weshalb Menschen überhaupt ins Theater kommen. Die Nennung als „Compagnie des Jahres“ ist deshalb nicht nur ein Kompliment an Vanaev und sein Ensemble. Sie ist auch ein Fingerzeig. Plauen und Zwickau besitzen mit diesem Ballett etwas, das über die Region hinaus wahrgenommen wird. Etwas, das künstlerisch eine eigene Handschrift trägt und zugleich Publikum bindet. In Zeiten knapper Kassen sollte man sehr genau hinschauen, wo man den Rotstift ansetzt. Denn was einmal weggekürzt wurde, lässt sich vielleicht in einer Haushaltszeile beziffern. Was damit an künstlerischer Qualität, gewachsenem Vertrauen und Publikum verloren geht, sehr viel schwerer.
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Wer am Ballett spart, spart an einer Stärke des Theaters – ein Kommentar

