Nachrichten VogtlandBabylon Berlin Staffel 5: Rath, Ritter und der Rausch vor dem Abgrund – das Finale

Titelbild: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film/BDA Creative/Hintergrund KI-generiert
Die Lichter flackern noch. Der Champagner steht auf den Tischen, irgendwo spielt eine Kapelle, Berlin tanzt – doch draußen marschiert bereits eine andere Zeit. Seit wenigen Stunden 2026 läuft mit „Babylon Berlin“ Staffel 5 das große Finale einer Serie, die deutsche Fernsehgeschichte in Kino verwandelt hat. Acht Folgen bleiben Gereon Rath und Charlotte Ritter. Acht Folgen bis zum endgültigen Abschied.

Berlin, Anfang 1933. Noch glitzert die Nacht. Noch rauschen Automobile durch die Straßen, Absätze klackern über das Pflaster und hinter schweren Türen wird getanzt, getrunken, geliebt. Doch der Rausch der wilden Zwanziger ist vorbei. Etwas Dunkles hat sich über die Stadt gelegt. Und genau dort beginnt „Babylon Berlin“ Staffel 5.

Werbung

Werbung Bad Elster

Aktuell stehen alle acht Folgen der fünften und letzten Staffel in der ARD Mediathek bereit. Im Ersten folgt das Finale in zwei großen Blöcken: Die Folgen eins bis vier laufen am 19. September ab 20.15 Uhr, die Folgen fünf bis acht am 25. September ab 22.20 Uhr. Dann fällt der Vorhang.

„Babylon Berlin“ Staffel 5 führt mitten ins Jahr 1933

Es ist der wohl dramatischste Moment, den sich die Serie für ihr Finale hätte wählen können. Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt. Wenige Wochen später steht der Reichstag in Flammen. Dazwischen liegt eine kurze Zeitspanne, in der sich Deutschland mit atemberaubender Geschwindigkeit verändert. Mittendrin: Charlotte Ritter und Gereon Rath.

Die Regisseure und Autoren Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten schicken ihre Figuren ein letztes Mal durch ein Berlin, das seinen Rhythmus verliert. Die Demokratie zerbricht, Gewalt und Angst dringen immer tiefer in den Alltag – und aus dem Kriminalfall wird ein Wettlauf gegen die Geschichte.

Charlotte Ritter jagt einen Mörder – Gereon Rath ist verschwunden

Charlotte Ritter, gespielt von Liv Lisa Fries, ermittelt in einer Reihe rätselhafter Todesfälle ehemaliger Frontsoldaten. Die Spur führt weit zurück, bis ins Jahr 1918. Doch damit nicht genug. Eine brisante Akte ist verschwunden. Sie betrifft Hitlers Vergangenheit als Soldat im Ersten Weltkrieg. Offenbar enthält sie Informationen, die gefährlich genug sind, dass Menschen dafür sterben. Und dann verschwindet Gereon Rath. Spurlos.

Für Charlotte wird der Fall persönlich. Denn irgendwo in dieser Stadt muss der von Volker Bruch gespielte Kommissar sein – jener Mann, mit dem sie über Jahre gestritten, gelitten, ermittelt, getanzt und immer wieder um eine gemeinsame Zukunft gerungen hat. Während Berlin immer tiefer in die Dunkelheit rutscht, beginnt Charlotte nach ihm zu suchen.

Das Berlin von „Babylon Berlin“ verliert seinen Glanz

Vielleicht liegt genau darin die Faszination dieser letzten Staffel: Wir wissen, was die Figuren noch nicht wissen können. Wir kennen das Danach. Wir wissen, was auf die letzten Nächte der Weimarer Republik folgen wird. Und plötzlich bekommen all jene Bilder, die „Babylon Berlin“ so unverwechselbar gemacht haben, eine andere Bedeutung. Die Tanzflächen. Die Bars. Das Licht. Die Musik. Die Mode. Die Freiheit. Das Moka Efti.

Seit 2017 erzählte die Serie von einer Stadt im Rausch. Von einem Berlin, das schneller, freier, lauter und wilder sein wollte als seine Zeit. Doch schon immer lauerten hinter dem Glamour Gewalt, politische Radikalisierung, Armut und Angst. In „Babylon Berlin“ Staffel 5 gibt es diesen sicheren Abstand zwischen Licht und Schatten nicht mehr. Der Schatten hat die Tanzfläche erreicht.

Volker Bruch und Liv Lisa Fries: Ein letztes Mal Rath und Ritter

Und dann sind da diese beiden. Gereon Rath und Charlotte Ritter. Er: traumatisiert, verschlossen, zerrissen zwischen Pflicht, Vergangenheit und Schuld. Sie: schlagfertig, neugierig, unangepasst und fest entschlossen, sich von niemandem sagen zu lassen, welchen Platz eine Frau wie sie einzunehmen hat.

Aus zwei Ermittlern wurde über vier Staffeln eine der kompliziertesten Beziehungen der Serie. Immer wieder schien der richtige Moment zum Greifen nah – und immer wieder kam ihnen das Leben dazwischen. Nun bleibt nicht mehr viel Zeit.

Volker Bruch und Liv Lisa Fries stehen auch im Finale im Zentrum eines großen Ensembles. Mit dabei sind unter anderem Benno Fürmann, Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Christian Friedel, Fritzi Haberlandt, Godehard Giese, Karl Markovics, Jördis Triebel, Martin Wuttke und Trystan Pütter. Neu stoßen unter anderem Clemens Schick, Ulrich Noethen und Devid Striesow hinzu.

„Märzgefallene“ liefert die Vorlage für das große Finale

Die fünfte Staffel von „Babylon Berlin“ basiert frei auf Motiven aus Volker Kutschers Roman „Märzgefallene“. Doch wie schon in den vorherigen Staffeln ist die Kriminalgeschichte nur eine Ebene. Darunter erzählt die Serie von Menschen, die plötzlich begreifen müssen, dass die Welt, in der sie gestern noch gelebt haben, morgen möglicherweise nicht mehr existiert. Mitlaufen oder widersprechen? Bleiben oder fliehen? Wegsehen oder handeln? Das Politische wird persönlich. Und das Persönliche gefährlich.

Als „Babylon Berlin“ 2017 begann, sah die Serie anders aus als vieles, was bis dahin im deutschen Fernsehen zu sehen war. Opulente Sets, große Massenszenen, Choreografien, Musik, Kostüme und eine Kamera, die Berlin nicht bloß abbildete, sondern regelrecht erschuf. Man konnte beinahe den Zigarettenrauch riechen, wenn die Kamera durch die Clubs zog. Spürte die Enge der Hinterhöfe und den Größenwahn der Tanzpaläste. Und dann war da natürlich die Musik. Spätestens mit „Zu Asche, zu Staub“ bekam „Babylon Berlin“ einen eigenen Klang – dunkel, hypnotisch, dekadent.

Mit Staffel 5 endet nun ein Projekt, das fast ein Jahrzehnt begleitet hat. Die ersten vier Staffeln kamen nach Angaben der ARD auf insgesamt rund 94 Millionen Abrufe in der ARD Mediathek. Allein Staffel vier erreichte dort 23 Millionen Abrufe. Doch die Bedeutung der Serie lässt sich schwer allein in Zahlen erzählen. „Babylon Berlin“ hat eine Epoche nicht einfach rekonstruiert. Die Serie hat sie in eine eigene Bildwelt verwandelt. Ein Berlin aus Gold und Schwarz. Aus Jazz und Sirenen. Aus Seide, Schweiß, Blut und Champagner.

ARD begleitet das Finale mit Doku, Making-of und „Moka Efti“-Game

Ganz verschwinden wird die Welt von „Babylon Berlin“ nach den letzten acht Folgen deshalb noch nicht. Zum Finale gibt es unter anderem die Dokumentation „Babylon Berlin – Die Doku“, die den historischen Hintergrund der Ereignisse von 1933 beleuchtet. Hinzu kommen ein Making-of und die Hörspielserie „Haus Vaterland“. Mit „Eine Nacht im Moka Efti – Eine Babylon Berlin-Story“ führt zudem ein narratives Adventure Game noch einmal dorthin zurück, wo diese Serie ihren Mythos geschaffen hat: in die Nacht.

Statements der Darstellerinnen und Darsteller:

Volker Bruch über Gereon Rath: “Die Figur begleitet mich seit zehn Jahren wie ein Schatten. Auf zauberhafte Weise waren die Inhalte von Gereons Reise oft eng verwoben mit meiner Wahrnehmung der Realität, und andersherum war mein persönliches Ringen mit mir selbst immer der innere Anker für die Gefühlswelt der Figur.”

Liv Lisa Fries über ihren Abschied von Charlotte: “Ich kann Charlotte Ritter nach zehn Jahren wohlwollend und dankbar gehen lassen.”

Und dann sind da die Menschen, die bleiben:

Christian Friedel: “Eine besondere Crew aus KünstlerInnen und wunderbaren Menschen traf aufeinander und zauberte sich in die Zeit zurück und erschrak zuletzt über die gruseligen Parallelen zur heutigen weltweiten politischen Lage.”

Benno Fürmann: “‘Babylon Berlin’ war für mich auch ein Zusammenwachsen mit Kollegen und Team. Es war auch das Altern vor der Kamera. In der ersten Staffel hatte ich volles Haar, in der letzten eine Glatze.”

Clemens Schick: “Ich habe mich seit Jahren auf jede neue Folge von ‘Babylon Berlin’ gefreut, und jetzt in der letzten Staffel in diesem Ensemble mitspielen zu dürfen, ist für mich ein sehr großes Geschenk.”

Und manchmal sind es die völlig absurden Set-Momente, die man nie vergisst:

Benno Fürmann: “Ich werde mich wahrscheinlich immer an die Nacht erinnern, als wir auf der Drachenburg am Rhein drehten. Ich verbrachte die Drehpause in meinem Trailer. Es klopfte um halb drei an meiner Tür, als ich sie öffnete, stand da ‘Adolf Hitler’ und fragte: ‘Brauchst du mein Ladekabel noch?'”

Liv Lisa Fries: “Als in der ersten Staffel der halbe Alexanderplatz abgesperrt und in die 20er Jahre getaucht war: Ich werde den Moment nie vergessen, wie ich aus der Straßenbahn aussteige und auf die rote Burg zulaufe. Magisch!”

Vom Bildschirm mitten ins Berlin der Zwanziger

Wie sehr „Babylon Berlin“ inzwischen selbst zum Mythos geworden ist, zeigt sich auch abseits des Bildschirms. Bei Madame Tussauds Berlin lässt sich die Welt der Serie ganz unmittelbar betreten: Zwischen Kulissen im Stil der Goldenen Zwanziger begegnen Besucher den Figuren Gereon Rath und Charlotte Ritter als Wachsfiguren und können für einen Moment selbst Teil jener schillernden, dunklen Serienwelt werden.

Nachrichten Vogtland
Fotos: Stephanie Rössel – Madame Tussauds Berlin
Nachrichten Vogtland

Von „Der nasse Fisch“ bis „Märzgefallene“: Die Bücher hinter Babylon Berlin

Hinter dem Rausch von „Babylon Berlin“ steht eine ganze Romanwelt. Ausgangspunkt der Serie ist die Gereon-Rath-Reihe des Schriftstellers Volker Kutscher: Die erste Staffel griff vor allem Motive aus „Der nasse Fisch“ auf, später folgten Elemente aus „Der stumme Tod“ und „Goldstein“. Für die vierte Staffel diente insbesondere „Die Akte Vaterland“ als literarische Grundlage. Das große Finale orientiert sich nun frei an „Märzgefallene“, dem fünften Gereon-Rath-Roman. Dabei war „Babylon Berlin“ nie eine werkgetreue Verfilmung: Figuren, Handlungsstränge und historische Ereignisse wurden neu verwoben und zu jener eigenen Welt verdichtet, in der Krimi, Zeitgeschichte, Melodram und Großstadtrausch ineinanderfließen. So endet die Fernsehserie 1933 – während Kutschers literarische Geschichte von Gereon Rath noch deutlich weiterführt.

Werbung

ALLE FOLGEN | ARD MEDIATHEK – sowie SAMSTAG, 19. SEPTEMBER | AB 20:15 UHR | 1 – 4 | DAS ERSTE FREITAG, 25. SEPTEMBER | AB 22:20 UHR | 5 – 8 | DAS ERSTE

Nachrichten Vogtland
+ posts

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.

Werbung

Vogtland Shop