Nachrichten Vogtland50 Jahre Farbe, Linie, Leidenschaft: Henry Scheibe stellt in Schleiz aus

alle Fotos: privat
Manche künstlerischen Wege beginnen nicht an einer Akademie, sondern mit einem neugierigen Blick über die Schulter eines anderen. Bei Henry Scheibe war es eine Begegnung mit dem Maler und Grafiker Heinrich Kiefer, die seinem eigenen Schaffen eine Richtung gab. Fast fünf Jahrzehnte später gehören Aquarell, Öl, Pastell, Feder, Tusche und Linolschnitt zu Scheibes künstlerischer Sprache. Unter dem Titel „Kunst aus Leidenschaft – 50 Jahre Malerei & Grafik“ zeigt die Kleine Galerie in Schleiz nun Arbeiten des Thüringer Hobbykünstlers.

Die Ausstellung wird am Freitag, 18. September 2026, um 16 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Zu sehen ist sie anschließend bis zum 9. Dezember 2026. Die vom Schleizer Kulturbund betriebene Galerie befindet sich im ersten Obergeschoss der Alten Münze am Neumarkt 13 und widmet sich in wechselnden Ausstellungen vor allem Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.

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Henry Scheibe: Ein künstlerischer Weg, der früh begann

Geboren wurde Henry Scheibe am 29. März 1961 in Neustadt an der Orla. Schon als Schüler zeichnete und malte er gern. Einen entscheidenden Impuls erhielt er Ende der 1970er-Jahre durch Heinrich Kiefer. Scheibe begegnete dem Künstler eher zufällig beim Malen, schaute ihm bei der Arbeit zu – und wurde schließlich eingeladen, selbst mit ihm zu skizzieren.

1978 wurde Scheibe Mitglied des Mal- und Zeichenzirkels Neustadt an der Orla, der damals von Kiefer geleitet wurde. Die Kunst blieb fortan eine Konstante in einem Lebenslauf, der beruflich zunächst in ganz andere Richtungen führte. Scheibe absolvierte eine Ausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter, arbeitete später unter anderem als Energietechniker, Disponent, Speditionskaufmann und im Außendienst. Gemalt und gezeichnet wurde trotzdem weiter.

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Zwischen Landschaft, Architektur und Reiseerinnerung

Scheibe legt sich dabei weder auf eine einzige Technik noch auf eine bestimmte Motivwelt fest. Er arbeitet mit Öl und Pastell ebenso wie mit Aquarell, Feder und Tusche. Hinzu kommen Linolschnitte, deren klare Schwarz-Weiß-Kontraste eine ganz andere Bildsprache entwickeln als seine farbigen Arbeiten.

Mal ist es eine Landschaft, die sich beinahe im Nebel verliert. Mal sind es Häuser, Dächer oder eine alte Kirche, deren Linien Scheibe interessieren. Dann wieder hält er Reiseeindrücke fest oder richtet den Blick auf scheinbar unspektakuläre Dinge. Seine Bilder führen unter anderem ans Wasser, in die Berge oder in Städte und Landschaften, die ihm begegnet sind.

Das entspricht auch dem künstlerischen Ansatz der Malfreunde e.V., zu denen Scheibe gehört: Die Gruppe arbeitet mit unterschiedlichen Techniken und widmet sich sowohl Motiven aus der eigenen Region als auch Eindrücken von Reisen.

Von der Farbe bis zur Reduktion auf Schwarz und Weiß

Gerade die unterschiedlichen Techniken lassen Scheibes Arbeiten sehr verschieden wirken. Seine Aquarelle leben von Transparenz, Atmosphäre und dem Spiel des Wassers mit der Farbe. Öl und Pastell erlauben kräftigere Flächen und Strukturen. Bei Federzeichnungen und Linolschnitten dagegen tritt die Farbe zurück – Linie, Kontrast und Form übernehmen die Erzählung.

Diese Vielseitigkeit war bereits im Frühjahr 2026 bei einer Ausstellung in Gera zu sehen. Dort zeigte er einen Querschnitt aus Naturstudien und Reiseeindrücken. Besonders hervorgehoben wurden seine Linolschnitte und deren Reduktion auf das Wesentliche.

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Seit Jahrzehnten in der regionalen Kunstszene verwurzelt

Seine erste Ausstellungsbeteiligung reicht bis 1973 zurück. 1990 folgte in Stadtroda seine erste Personalausstellung. Weitere Einzelausstellungen führten ihn unter anderem nach Pößneck, Oberpöllnitz, Triptis, Gera, Schleiz und Hermsdorf. Darüber hinaus waren seine Arbeiten bei zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen zu sehen – von Thüringen bis nach Hessen und Baden-Württemberg.

Auch organisatorisch engagiert sich Scheibe für die Kunst. Von 2009 bis 2021 war er Vorsitzender des Neustädter Mal- und Zeichenzirkels. Seit 2022 ist er Vorsitzender der Malfreunde e.V. mit Sitz in Triptis. Der gemeinsame Mittwoch mit den Malfreunden sei für ihn inzwischen „heilig“, erzählte Scheibe anlässlich seiner Geraer Ausstellung. Dass er 2026 in den Ruhestand gegangen ist, dürfte daran wenig ändern. Papier, Leinwand, Farbe und Zeichenstift begleiten ihn schließlich schon wesentlich länger.

„Kunst aus Leidenschaft“ in der Kleinen Galerie Schleiz

Der Titel der Schleizer Ausstellung ist deshalb durchaus wörtlich zu verstehen. „Kunst aus Leidenschaft – 50 Jahre Malerei & Grafik“ blickt auf einen künstlerischen Weg zurück, der nicht geradlinig geplant wurde und gerade dadurch bemerkenswert ist. Die Besucher erwartet ein Einblick in unterschiedliche Techniken und Motivwelten.

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„Kunst aus Leidenschaft – 50 Jahre Malerei & Grafik“ – Henry Scheibe
Vernissage: Freitag, 18. September 2026, 16 Uhr
Ausstellung: 18. September bis 9. Dezember 2026
Ort: Kleine Galerie des Schleizer Kulturbundes e.V., Alte Münze, Neumarkt 13, 07907 Schleiz
Besichtigung: zu den Öffnungszeiten der Stadtinformation Schleiz. Die Kleine Galerie befindet sich im ersten Obergeschoss der Alten Münze.

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