Wer übernimmt die Zahnarztpraxis, wenn der bisherige Inhaber in den Ruhestand geht? Mit Blick auf den anstehenden Generationswechsel setzen sich die oberfränkischen Landräte für eine Landzahnarztquote in Bayern ein. Sie soll helfen, die zahnmedizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig zu erhalten.
Eine Zahnarztpraxis in erreichbarer Nähe gehört für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Damit das auch künftig so bleibt, befürwortet der Bezirksverband Oberfranken des Bayerischen Landkreistages die Einführung einer Landzahnarztquote. Ziel ist es, frühzeitig Nachwuchs für Regionen zu gewinnen, in denen sich Versorgungslücken abzeichnen könnten.
Wie eine Landzahnarztquote funktionieren soll
Vorbild ist die bereits bestehende bayerische Landarztquote. Dabei wird ein Teil der Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich verpflichten, später in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen zu arbeiten.
Ein entsprechendes Modell für die Zahnmedizin soll den beruflichen Nachwuchs gezielt mit einer Perspektive auf dem Land verbinden. Die oberfränkischen Landräte unterstützen damit eine Forderung, die auch die Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) und die Vollversammlung der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK) erheben. Die aktuelle Initiative zielt auf die Einführung einer gesetzlichen Regelung in Bayern.
Generationswechsel stellt Zahnarztpraxen vor Herausforderungen
Bayern ist nach Angaben des Bezirksverbandes derzeit zahnmedizinisch sowohl qualitativ als auch quantitativ noch gut versorgt. Die Altersstruktur zeigt jedoch, weshalb die Beteiligten bereits jetzt Handlungsbedarf sehen: Jeder zweite Zahnarzt im Freistaat ist über 50, fast jeder vierte über 60 Jahre alt.
Dr. Rüdiger Schott, Vorsitzender des Vorstands der KZVB, verweist insbesondere auf die bevorstehenden Praxisübergaben: „In den kommenden fünf Jahren erreicht ein Viertel der Praxisinhaber das Ruhestandsalter.“
Zugleich zieht es junge Zahnärztinnen und Zahnärzte nach seiner Einschätzung derzeit vor allem in die Großstädte. Große Medizinische Versorgungszentren mit bis zu 30 angestellten Zahnärzten verstärkten diese Entwicklung, so Schott. Eine Landzahnarztquote könnte aus seiner Sicht dazu beitragen, einem Praxissterben im ländlichen Raum entgegenzuwirken.
Wohnortnahe Zahnmedizin bedeutet auch Vorsorge
Für den Vorsitzenden des Bezirksverbandes Oberfranken, den Hofer Landrat Dr. Oliver Bär, ist die Zahnmedizin ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Versorgung in den Landkreisen. „Wir setzen uns für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in unseren Landkreisen ein“, betont Bär. Unterstützt würden Initiativen, die eine dauerhaft flächendeckende und wohnortnahe Versorgung sichern.
Dabei geht es auch um Angebote außerhalb der Praxisräume. Bär verweist auf die Bedeutung der Prophylaxe in Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Eine verlässliche zahnmedizinische Versorgung soll deshalb sowohl Behandlungen als auch die vorbeugende Betreuung verschiedener Altersgruppen ermöglichen.
Sachsen und Thüringen setzen bereits auf eine Quote
Andere Bundesländer haben entsprechende Modelle bereits eingeführt. Dazu gehören Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die auch von der Stiftung für Hochschulzulassung als Länder mit einer Landzahnarztquote aufgeführt werden.
In Sachsen eröffnet die Landzahnarztquote seit dem Wintersemester 2026/2027 einen Zugang zum Zahnmedizinstudium außerhalb des regulären Numerus-clausus-Verfahrens. Die Teilnehmenden verpflichten sich im Gegenzug, später mindestens zehn Jahre in einer sächsischen Bedarfsregion zahnärztlich tätig zu sein. Studienorte sind Dresden und Leipzig.
Nachwuchs gewinnen, bevor Versorgungslücken entstehen
Mit ihrem Vorstoß wollen die oberfränkischen Landräte den anstehenden Generationswechsel frühzeitig begleiten. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, dass auch künftig genügend junge Zahnärztinnen und Zahnärzte eine berufliche Zukunft außerhalb der großen Städte wählen. Die Quote wäre dabei ein langfristiges Instrument: Wer heute ein Studium beginnt, kann erst nach der Ausbildung zur Versorgung beitragen. Gerade deshalb spricht sich der Bezirksverband dafür aus, die Rahmenbedingungen rechtzeitig zu schaffen – damit wohnortnahe Zahnarztpraxen auch in Zukunft zum Leben auf dem Land gehören.
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Landzahnarztquote für Bayern: Oberfränkische Landräte wollen Versorgung auf dem Land sichern

