Nachrichten VogtlandDie Entscheidung ist gefallen: Griehgeniffte ist das Vogtländische Wort des Jahres 2026

Das Vogtland hat entschieden – und zwar mit Herz, Humor und einer ordentlichen Portion Heimatliebe. Beim großen Finale auf dem Altmarkt wurde gestern Abend das „Vogtländische Wort des Jahres 2026“ verkündet. Gemeinsam gaben Landrat Thomas Hennig, die „Landrätin Resi“ (Therese Langhof-Thomas) sowie die vogtländischen Hoheiten das Ergebnis bekannt.

Der Gewinner: Griehgeniffte (oft auch Griegeniffte geschrieben) steht nun nach „Aaziehzeich“ im Jahr 2024 und „Hietroochbrettl“ im Jahr 2025 fest.

Mehr als 1200 Bürgerinnen und Bürger hatten sich in den vergangenen Wochen an der Abstimmung beteiligt. Dass ausgerechnet dieses Wort das Rennen macht, überrascht viele Vogtländer wohl kaum. Schließlich steckt darin weit mehr als nur ein Begriff aus der Mundart.

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Griehgeniffte: Das Nationalgericht des Vogtlands

Wer im Vogtland aufgewachsen ist, verbindet mit Griehgeniffte meist sofort bestimmte Bilder: den Duft eines Sonntagsbratens, dampfende Klöße auf dem Teller und natürlich die Frage, ob noch genügend Soße da ist.

Die traditionellen grünen Klöße gelten seit Generationen als das kulinarische Herzstück der vogtländischen Küche. Ob zu Rouladen, Sauerbraten, Gänsebraten oder einem festlichen Weihnachtsessen – ohne Griehgeniffte fehlt vielen Vogtländern schlicht etwas auf dem Teller.

Was bedeutet das Wort Griehgeniffte?

Die Herkunft des Wortes verrät bereits viel über seine Entstehung:

  • grie = grün
  • Geniffte = von niffeln oder niffen, also reiben oder schaben

Übersetzt bedeutet Griehgeniffte damit nichts anderes als „geriebene grüne Klöße“.

Das „Grün“ kommt übrigens nicht von Kräutern oder Gemüse. Vielmehr verfärbt sich die rohe Kartoffelmasse durch den Kontakt mit Sauerstoff leicht grünlich-grau.

Wer glaubt, Griehgeniffte seien einfach nur Kartoffelklöße, war vermutlich noch nie in der Küche dabei. Die traditionelle Herstellung verlangt Geduld, Erfahrung und kräftige Arme.

1. Kartoffeln reiben

Der größte Teil der Kartoffeln wird roh und sehr fein gerieben.

2. Auspressen bis zum letzten Tropfen

Anschließend kommt die Masse in einen Kloßsack und wird extrem stark ausgepresst. Früher war das oft Schwerstarbeit – heute helfen manchmal moderne Küchengeräte nach.

3. Überbrühen

Die trockene Kartoffelmasse wird mit kochendem Wasser übergossen. Dadurch bindet die Stärke und es entsteht ein formbarer Teig.

4. Das Geheimnis in der Mitte

In jeden Kloß gehören traditionell geröstete Semmelwürfel in Butter – die berühmten Brotbröckla.

5. Ziehen lassen

Die Klöße garen rund 20 Minuten in siedendem Salzwasser. Wichtig: Das Wasser darf nicht sprudelnd kochen.

Das Ergebnis ist ein Kloß mit kernigem Biss, leicht glasiger Struktur und einer nahezu legendären Fähigkeit, Bratensoße aufzusaugen.

Diese Wörter standen ebenfalls zur Wahl

Die Entscheidung fiel nicht leicht. Zur Abstimmung standen mehrere typisch vogtländische Begriffe:

  • biedln – verpetzen, anschwärzen, verraten
  • Griehgeniffte – geriebene grüne Klöße
  • Sprengstitz – Gießkanne
  • Forzkapsl – Bett
  • Babuschn – alte Hausschuhe
  • oriescheln – das Gefühl, wenn erfrorene Hände wieder warm werden

Das Endergebnis der Abstimmung:

1. Griehgeniffte – 24,6%

2. Forzkapsel – 21,1%

3. biedln – 17,6%

4. oriescheln – 16,6%

5. Sprengstitz – 14,9%

6. Babuschn – 5,2%

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