Nachrichten VogtlandMödlareuth ist „Ort der Demokratie in Bayern“ – Ilse Aigner zeichnet das einst geteilte Dorf aus

Einst trennte eine Betonmauer Familien und Nachbarn, heute kommen Schulklassen aus ganz Deutschland hierher. Heute Nachmittag hat Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner Mödlareuth als „Ort der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet. Bei einem Festakt im Deutsch-Deutschen Museum würdigte der Bayerische Landtag das Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze als Symbol der deutschen Teilung und als Lernort für Demokratie. Zugleich eröffnete Aigner die gleichnamige Sonderausstellung.

„Mödlareuth strahlt über seine eigenen Grenzen weit hinaus. Nämlich wenn Diktaturen verharmlost werden und repressiver Zwang mit Gleichgültigkeit quittiert wird, dann ist Mödlareuth ein Wegweiser für die Freiheit: Denn hier ist der DDR-Wachturm abgelöst worden durch einen Leuchtturm der Demokratie!“, sagte sie in ihrer Festrede.

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Die Landtagspräsidentin hob hervor, dass Bayern und Thüringen den Aufbau des Gedenkorts unterstützt hätten. Die Initiative sei aus dem Dorf selbst gekommen. „Mödlareuth ist heute vereint in Demokratie und Freiheit, weil Menschen sich dafür richtig ins Zeug gelegt haben.“

Für Dr. Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof und Vorsitzender des Museumszweckverbands, verbindet sich die Auszeichnung mit einem Bildungsauftrag: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, die einmal mehr unterstreicht, dass Mödlareuth ein Ort von nationaler Bedeutung ist. Für uns ist es Auftrag und Motivation zugleich, diesen Ort und die deutsch-deutsche Geschichte vor allem auch für junge Menschen erlebbar zu machen. Dorf ist Museum, Museum ist Dorf – dies ist einzigartig.“

Sonderausstellung im Deutsch-Deutschen Museum läuft bis Ende Januar 2027

Die Wanderausstellung „Orte der Demokratie in Bayern“ ist vom 5. November 2026 bis Ende Januar 2027 auf der Galerie im neuen Museumsgebäude zu sehen. Anhand historischer Schauplätze und persönlicher Geschichten zeichnet sie nach, wie sich politische Teilhabe von frühen Bauernaufständen über die Revolutionen bis zur parlamentarischen Demokratie entwickelte. Großformatige Graphic-Novel-Panels, Zeitzeugenberichte, historische Exponate und interaktive Medienstationen vermitteln die Geschichte.

Im Erdgeschoss widmet sich die im November 2025 eröffnete Dauerausstellung zur deutschen Teilung auf 500 Quadratmetern zwei Ebenen derselben Geschichte. Sie verbindet die politischen Entscheidungen des Kalten Krieges mit der Frage, was die Grenze für den Alltag in Mödlareuth bedeutete. Persönliche Erinnerungsstücke, historische Dokumente und Berichte von Zeitzeugen zeigen, wie tief das DDR-Grenzregime in das Leben der Menschen eingriff. Digitale Medien und virtuelle Anwendungen ergänzen die Ausstellung.

Warum Mödlareuth „Little Berlin“ genannt wurde

Seit 1810 gehörte der nördliche Teil Mödlareuths zum Fürstentum Reuß, der südliche zum Königreich Bayern. Im Dorfleben spielte die Verwaltungsgrenze lange kaum eine Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zur Grenze zwischen zwei politischen Systemen. 1952 begann die DDR, beide Ortshälften mit einem Holzzaun abzuriegeln. 1966 folgte eine rund 700 Meter lange Betonmauer. Sie trennte Familien, Nachbarn und Freunde und brachte dem Dorf den Beinamen „Little Berlin“ ein. Am 9. Dezember 1989 öffnete in Mödlareuth ein Grenzübergang.

Nach dem Mauerfall setzten sich Menschen aus dem Ort dafür ein, Teile der Grenzanlagen zu erhalten. Aus dieser Initiative entstand das Deutsch-Deutsche Museum. Bis heute können Besucherinnen und Besucher die Spuren der Teilung dort sehen, wo die Mauer einst mitten durch das Dorf verlief.

Seit rund 20 Jahren steht hinter dem Museum ein länderübergreifender Zweckverband. Zu ihm gehören die Landkreise Hof, Saale-Orla und Vogtland sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell. Den 2025 fertiggestellten Museumsneubau förderten der Bund, die Freistaaten Bayern und Thüringen sowie die Oberfrankenstiftung.

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Menschen aus dem In- und Ausland besuchen den Gedenkort. Schulklassen und Studierende setzen sich hier mit Diktatur, Demokratie und Menschenrechten auseinander. Was eine politische Grenze im Alltag bedeutet, lässt sich in Mödlareuth an einem konkreten Ort nachvollziehen. Weitere Informationen zu den Ausstellungen und zur Geschichte: Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth.

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Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.

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