WM KolumneBallflachstreicher | 20 Juni 2026 – Die tägliche WM-Kolumne | Believe me: Trump-Deal gegen Elfenbeinküste

Zwei Spiele, zwei Siege, zwei gegnerische Eigentore zur Führung – und schon steht die USA im Sechzehntelfinale. Tatsächlich sind die Amerikaner die erste Mannschaft der WM-Geschichte, die in zwei aufeinanderfolgenden Partien jeweils durch ein Eigentor des Gegners in Führung ging. Effizienter kann man kaum ins Glück stolpern.

Gegen Australien lenkte Cameron Burgess eine Balogun-Flanke ins eigene Netz (11.), ehe Alex Freeman nach langer Videoprüfung per Kopf das 2:0 nachlegte (43.). Mit sechs Punkten führt das Team von Trainer Mauricio Pochettino die Gruppe D an und ist vorzeitig weiter. Schön war das nicht immer, aber wirkungsvoll – und vor allem reicht es.

Bemerkenswerter als das Wie ist ohnehin das Drumherum. Denn das Land, das Fußball – pardon: Soccer – jahrzehntelang als possierliche Beschäftigung für Achtjährige am Samstagvormittag abgetan hat, stürzt sich plötzlich mit der typisch amerikanischen Vollgas-Begeisterung in dieses Turnier. Das Auftaktspiel gegen Paraguay verfolgten 27,5 Millionen Menschen – die meistgesehene Fußballübertragung in der Geschichte der USA, mehr als doppelt so viele wie noch vor vier Jahren. An einem einzigen Tag dieser WM strömten über 281.000 Zuschauer in die Stadien, ein neuer Rekord. Ein Volk, dem man nachsagt, es könne mit dem Spiel nichts anfangen, schaut auf einmal zu, als hätte es nie etwas anderes getan.

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Und das ist, mit Verlaub, sehr amerikanisch. Dieses Land kann eine Sache mit großer Hingabe ignorieren – um sie dann über Nacht zu entdecken, als hätte es sie erfunden. Es gibt eben keine glühenderen Anhänger als die frisch Bekehrten: Wer vorgestern noch „Soccer” für eine Fußnote hielt, erklärt einem heute mit leuchtenden Augen den Unterschied zwischen Fünferkette und Manndeckung. Ob die Liebe hält, wird sich zeigen, sobald die Mannschaft einmal verliert. Noch aber läuft es – also läuft das ganze Land mit.

Dass an diesem Abend auch die beiden anderen Gastgeber lieferten, fügte sich ins Bild. Mexiko schlug Südkorea durch ein Tor von Luis Romo mit 1:0 – schmucklos, aber genug für den vorzeitigen Gruppensieg. Und Kanada drehte gegen Katar völlig frei: 6:0, mit einem Dreierpack von Jonathan David und dem ersten WM-Sieg der Landesgeschichte überhaupt. Getrübt wurde der Jubel allein durch die schwere Verletzung von Ismaël Koné, die mitten im Schützenfest daran erinnerte, dass selbst der schönste Abend seinen Wermutstropfen hat.

So bleibt nach diesem Spieltag das ungewohnte Bild dreier Gastgeber, die nicht nur dabei sind, sondern liefern. Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass eine Weltmeisterschaft im eigenen Land selbst den hartnäckigsten Fußball-Verweigerer bekehren kann. Amerika hat das Spiel für sich entdeckt. Mal sehen, ob es ihm treu bleibt, wenn der WM-Rummel vorbei ist.

Zum Schluss noch das

Ach ja, und dann war da ja noch das deutsche Spiel. Wir werden sehen, ob die deutsche Offensive auch ohne Einladung zaubert und ob die berühmte Abwehr diesmal länger dichthält als bis zur ersten Ecke. Und falls nicht, hat der Kanzler höchstselbst diese Woche vorgesorgt – wenn auch unfreiwillig komisch. Beim G7-Gipfel trippelte Merz nämlich zu einem breit thronenden Donald Trump hinüber und überreichte ihm artig ein Nationaltrikot mit dem Namen „Trump” und der Nummer 47, garniert mit dem Sätzchen, man spiele ja „im selben Team”. Das Land der vier Sterne macht seine Farben damit zum Werbegeschenk für einen Mann, der einen Eckball nicht von einer Exekutivverordnung unterscheiden könnte und das gute Stück prompt in die Kameras reckt wie einen Pokal, den er nie erspielt hat. Daraus ergibt sich immerhin ein Plan B: Wird es heute Abend eng, ruft Nagelsmann einfach seinen Nummer-47-Mann an – den größten Dealmaker der Weltgeschichte. Ein Telefonat, angeblich der beste Deal aller Zeiten -“believe me!” und schon einigt man sich auf ein 4:2, den Papierkram erledigt best buddy Infantino.

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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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