Ein volles Haus kann laut sein. Im Leipziger Haus Auensee zeigte sich am Freitagabend Begeisterung aber vor allem im Zuhören. Zum Auftakt seiner „Angebot und Nachfrage“-Tour 2026 traf Heinz Rudolf Kunze auf Menschen, die sich auf seine Lieder einlassen: auf die vertrauten Melodien ebenso wie auf Texte, deren Gedanken sich nicht immer beim ersten Hören erschließen.
Kunze sang wie eh und je, mit seiner unverkennbaren Stimme und einer Sprache, die auch innerhalb eines Rocksongs Raum für Zwischentöne lässt. Seine Band „Verstärkung“ gab diesen Liedern ein musikalisches Fundament, das den Konzertabend wesentlich prägte.
Die Verstärkung: musikalische Qualität im Dienst der Songs
Eine gute Band erkennt man auch daran, wie viel Aufmerksamkeit sie dem Lied lässt. Kunzes Musiker überzeugen mit einem Zusammenspiel, das den Texten Platz gab und zugleich die eigenständige Kraft der Musik deutlich machte. Hier wurden Worte nicht lediglich begleitet. Die Songs lebten ebenso von ihrer musikalischen Ausarbeitung.
Das war entscheidend für ein Programm, das über weite Strecken genaues Hinhören verlangte. Kunzes poetische Texte brauchen mitunter etwas Zeit. Ein Gedanke bleibt hängen, eine Formulierung wirkt nach, während das Lied längst weitergeht. Dazu kam ein guter Klang – im Haus Auensee keineswegs selbstverständlich. Musik und Gesang blieben gut erfassbar. Präzise gesetzte Lichteffekte zeichneten Stimmungen nach und setzten Akzente.
Eine Setlist mit Raum für Gedanken und Wiedererkennen
Mit „Der große Tag der Abrechnung“ setzte Kunze den Auftakt. Es folgten unter anderem „Einen anderen Menschen lieben“, „Dann fängt die Liebe an“, „Romanze“ und „Meine eigenen Wege“. Schon diese Auswahl zeigt, wie weit sich seine Lieder zwischen persönlichen Beziehungen, Selbstverständigung und dem Blick auf die Welt bewegen.
Im weiteren Verlauf standen „Jeder Tote einer zu viel“, „Die Angst geht um“ und „Was bin ich wert“ neben „Regen in meinem Gesicht“ und „Keine Reaktion“. Mit „Mit Leib und Seele“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ mündete das zweite Set schließlich in zwei seiner bekanntesten Lieder.
Volles Haus, aufmerksames Publikum
Auch die Zugaben führten durch unterschiedliche Facetten des Repertoires: „Leg nicht auf“, „Alles was sie will“ und „Finden Sie Mabel“, anschließend „Lola“ und „Wenn du nicht wiederkommst“. Heinz Rudolf Kunzes Tourauftakt in Leipzig überzeugte durch das Zusammenwirken seiner unverwechselbaren Stimme, einer starken Band und eines Publikums, das den Liedern Aufmerksamkeit schenkte.
Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.
Heinz Rudolf Kunze: „Angebot und Nachfrage“-Tourauftakt in Leipzig – feine Worte, voller Sound



















