Nachrichten VogtlandGänsehaut nach wenigen Sekunden: Vogtland Philharmonie nimmt Ennio-Morricone-Album mit Cellist Friedrich Kleinhapl auf

Schon nach wenigen Sekunden liegt sie im Raum: jene besondere Spannung, die den Atem anhält, die Haut prickeln lässt und Musik unmittelbar ins Herz trägt. Wenn die Instrumente erklingen und sich der orchestrale Klangraum öffnet, entsteht Gänsehaut – ein Moment, der nicht erklärbar, sondern nur fühlbar ist.

Genau diese Magie erfüllt derzeit das Neuberinhaus Reichenbach, wo die Vogtland Philharmonie gemeinsam mit dem international renommierten österreichischen Cellisten Friedrich Kleinhapl ein neues Album mit Werken von Ennio Morricone aufnimmt.

In dieser Woche entstehen Aufnahmen für Solocello und großes Orchester, die eindrucksvoll zeigen, warum Morricones Musik längst den Status reiner Filmmusik hinter sich gelassen hat. Morricone ist es gelungen, musikalische Vorurteile zu überwinden und eine Klangsprache zu entwickeln, die emotional unmittelbar wirkt und zugleich kompositorisch auf Augenhöhe mit klassischer Konzertliteratur steht.

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“Gerade in einer Zeit globaler Krisen und geopolitischer Spannungen erfährt diese Musik eine neue, tiefere Resonanz. Sie berührt, tröstet und verbindet – ein Bedürfnis, das derzeit stärker denn je empfunden wird”, sagt Kleinhapl, der für seine ausdrucksstarken Interpretationen und genreübergreifenden Projekte bekannt ist. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der künstlerischen Neubewertung von Filmmusik.

Erste Aufnahme: „Spiel mir das Lied vom Tod“

Gestern Vormittag begannen die Aufnahmen mit „Nascita di una città – C’era una volta il West“, weltbekannt aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Bis einschließlich Donnerstag werden die Stücke täglich rund sechs Stunden “konserviert”.

Bis es soweit war, sei das alles andere als einfach gewesen. In der Zeit in der sich Friedrich Kleinhapl mit Morricone befasste, verstarb dieser und die Umsetzung stagnierte durch erbrechtliche Belange. Lange Zeit verging. “Aufgeben liegt nicht in meiner DNA”, sagt der Cellist. Und dann passierte es: Eine Nacht. Eine E-Mail. Und zehn Minuten später die Antwort von Morricones Sohn “I agree”, sind sozusagen letztlich der Startschuss gewesen.

Die Aufnahmen finden unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Simon Edelmann statt. „Morricones Musik ist unglaublich gefühlvoll. Sie hat lange, atmende Linien, große innere Spannungen und gleichzeitig eine fast intime Verletzlichkeit. Diese Werke für Cello und Orchester eröffnen eine ganz eigene Farbwelt – genau diese Balance suchen wir hier gemeinsam“, sagt Edelmann kurz bevor das Erstmal das rote Licht angeht.

Viel Erfahrung mit Filmmusik

Auch Intendant Ulrich Wenzel betont die enge Verbindung zwischen Orchester und Genre: „Die Vogtland Philharmonie beschäftigt sich seit über 25 Jahren intensiv mit Filmmusik. Rund 80 Prozent unserer CD-Produktionen sind in diesem Bereich entstanden. Diese Erfahrung hört man – unser Orchester hat einen natürlichen Zugang zu dieser Musik, jenseits eines rein akademischen Klassikbegriffs.“

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Nicht zuletzt war genau das ausschlaggebend für die Entscheidung, die Produktion mit genau diesem Orchester im Vogtland zu realisieren, betont auch Friedrich Kleinhapl. Wie besonders die Stücke sind unterstreicht er nochmal, als er erzählt, dass Regisseure ihre Filme nochmal verändert haben, als sie die Musik hörten.

Die Album umfasst eine breite Auswahl ikonischer Morricone-Kompositionen, darunter:

  • Nascita di una città – C’era una volta il West
  • Cinema Paradiso – Mini Suite
  • Malena – End Credits
  • Chi Mai
  • Gabriel’s Oboe (The Mission)
  • Deborah’s Theme – Once Upon a Time in America
  • L’Estasi dell’Oro – Il buono, il brutto, il cattivo
  • The Legend of 1900 – Main Theme
  • La Piovra – Mini Suite
  • Sacco e Vanzetti – Speranze di libertà

Was hier entsteht, ist mehr als eine weitere Einspielung: Es ist ein musikalisches Statement für die emotionale Kraft der Filmmusik und für ihre Fähigkeit, Menschen tief zu berühren. Schon jetzt ist spürbar, dass diese Aufnahmen das Potenzial haben, lange nachzuklingen – weit über den letzten Ton hinaus. Die Tonträger werden vermutlich ab Sommer erhältlich sein. Natürlich kann die Musik dann auch gestreamt werden.

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