Das Bewährte, Vertraute kann nicht weniger verblüffen als das Brandneue, Unerhörte. Das zeigte einmal mehr das 2. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie am Mittwoch im Reichenbacher Neuberinhaus und am Freitag in der Greizer Vogtlandhalle.
Wer etwa die Musik von Niccolò Paganini vorrangig als Prüfstein für vor Ehrgeiz beinahe platzende Virtuosen ansieht, war bei der Solistin des Abends, Maria-Elisabeth Lott, an der falschen Adresse. Die 39-jährige Detmolder Professorin kam mit frappierender Leichtigkeit durch den gefürchteten Part des ersten Paganini-Konzerts, erfüllte die verlangte rasante Spieltechnik in jedem Takt mit glutvollem Leben, ehrte so bewegend den großen Italiener.
Zum anderen: Die ruhigen, gefälligen Passagen des Stücks gerieten kaum weniger ergreifend – dank des vollen, geschmeidigen, mitreißend singenden Tons der in Schramberg im Schwarzwald aufgewachsenen Geigerin. Die unter ihrem Chefdirigenten Florian Ludwig musizierende Philharmonie, hier lobenswerte Begleiterin, bot in Johannes Brahms’ zweiter Sinfonie zur ungeteilten Freude des Publikums ebenfalls Bemerkenswertes.
Einerseits ließ Ludwig das Beseelte der Komposition in voller Tiefe und Breite zur Geltung kommen, was in heutigen unruhigen, von Wissenschaft und Technik dominierten Zeiten einigen Mut erfordert. Andererseits wurde es öfter auch tüchtig laut und robust, war der scharfe Kontraste und gewagte Harmonien nicht scheuende Brahms erfahrbar.
Vor allem aber: Das Orchester fand zu einem Klang, der – namentlich in den beherzt loslegenden Holzbläsern – in einem fort an Ungarn und Böhmen denken ließ, die bedeutsamen Quellen der Wiener Tradition. Die eingangs solide gespielte, für 1943 datierte Ouvertüre der Polin Grazyna Bacewicz, die eine leidvolle Zeit ihres Landes in Erinnerung ruft, machte auf eine Komponistin aufmerksam, die die Philharmonie nicht aus den Augen verlieren sollte,
Vogtland Philharmonie: Bekanntes gegen den Strich interpretiert
