WM KolumneBallflachstreicher | 25 Juni 2026 – Die tägliche WM-Kolumne | Der Gastgeber muss ausziehen.

Eine Heim-Weltmeisterschaft hat vor allem einen Charme: Man bleibt, wo man ist, und lässt die anderen anreisen. Ausgerechnet diesen Luxus hat Kanada gestern verspielt. Durch das 2:1 der Schweiz im Gruppenfinale rutschte der Co-Gastgeber auf Platz zwei – und muss für die K.-o.-Runde nun das eigene Land verlassen und in die USA umziehen.

Schuld daran war eine Schweizer Mannschaft, die das tut, was sie seit Jahren am besten kann: unaufgeregt funktionieren. Ruben Vargas traf direkt nach der Pause (46.), der Freiburger Jungstar Johan Manzambi legte wenig später nach (57.), und auch das späte 1:2 durch Promise David änderte nichts mehr daran, dass Murat Yakins Elf als Gruppensieger in Vancouver bleiben darf, während Kanada die Koffer packt. Die Eidgenossen waren in dieser Vorrunde nie spektakulär, aber jedes Mal genau gut genug – eine Tugend, die in der K.-o.-Runde mehr wert sein kann als jedes Offensivfeuerwerk.

Das eigentlich Bemerkenswerte ist die Pointe, die nur ein Turnier mit drei Gastgebern hervorbringen kann: Heimvorteil ist hier ein dehnbarer Begriff. Kanada hat sich zwar fürs Achtelfinale qualifiziert, was für ein Land mit überschaubarer Fußballtradition ein schöner Erfolg ist – aber den Trumpf der eigenen Stadien, der eigenen Fans und der kurzen Wege gibt es dafür ab. Man darf weitermachen, nur eben woanders. Es ist irgendwie so, als müsse man für die eigene Geburtstagsparty in die Wohnung des Nachbarn umziehen.

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Ansonsten brachte der Tag vor allem Bestätigungen. Kolumbien zog durch ein 1:0 gegen die DR Kongo dank eines Treffers von Daniel Muñoz souverän in die nächste Runde ein. Kroatien meldete sich nach der Lehrstunde gegen England mit einem 1:0 gegen Panama zurück, und Bosnien-Herzegowina verabschiedete Katar mit einem 3:1. Lauter Ergebnisse, die niemanden vom Hocker reißen, aber die Tabellen so ordnen, wie es die Papierform vorgesehen hatte.

Heute Abend schließlich endet auch die deutsche Gruppe E, wenn die längst als Sieger feststehende DFB-Elf auf Ecuador trifft. Es ist eines jener Spiele, in denen es für die eine Seite um nichts und für die andere um alles geht – Ecuador braucht Zählbares, Deutschland vermutlich vor allem frische Beine und ein paar Antworten auf die Frage, ob diese Abwehr inzwischen weiß, wo hinten ist. Pflichtprogramm für die einen, Schicksalsspiel für die anderen.

Zum Schluss noch das

Wer wissen will, wie man eine Heim-WM auch ohne Heimrecht überlebt, sollte sich an den Schweizern orientieren – genauer an ihren Fans. Quer durch Nordamerika reist derzeit ein 72-Jähriger, den sie zu Hause nur „WM-Hampi” nennen, in voller Appenzeller Tracht und mit einem Arsenal an Kuhglocken, das ganze Stadionblöcke zum Klingen bringt. Schon in Katar 2022 und bei der EM 2024 in Deutschland war er eine Attraktion, und auch in Los Angeles staunen die Amerikaner nun über einen Mann, der aussieht und klingt, als hätte sich eine ganze Alp auf die Tribüne verirrt. Man muss kein Schweizer sein, um sich solche Fans zu wünschen – nur ohrenbetäubungsfest sollte man sein.

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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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