Was aus der Petition für zusätzliche Zughalte im Vogtland geworden ist. Der Vogtlandstreicher sprach mit Initiatoren, Kreis, Bahn und ZVV.
Gleise führen durch Reuth, Grobau und Gutenfürst, die Bahnsteige sind da, Züge fahren täglich vorbei. Und doch bleibt für viele Menschen vor Ort das Gefühl: Der Zug fährt – aber er hält nicht so, dass er im Alltag wirklich nutzbar wäre.
Genau aus diesem Gefühl heraus entstand im Sommer 2025 eine Petition. Ihr Ziel: mehr und verlässlichere Zughalte an den bestehenden Haltepunkten im Gemeindegebiet Weischlitz. Über 1700 Menschen unterschrieben, mehr als 300 Kommentare machten deutlich, dass es dabei nicht um Komfort, sondern um Erreichbarkeit geht – um Arbeit, Schule, Arztbesuche und die Frage, ob Leben auf dem Land ohne Auto überhaupt realistisch ist.
Am 3. September 2025 wurde die Petition an den Landrat des Vogtlandkreis, Thomas Hennig, übergeben. Was ist seitdem passiert – und wo steht das Anliegen heute?
Was die Initiative fordert – und was nicht
Die Initiatoren der Petition haben von Beginn an betont: Es geht nicht um neue Bahnhöfe, nicht um große Bauprojekte und nicht um einen Fünf-Minuten-Takt. Die Haltepunkte existieren, die Strecke ist in Betrieb, die Züge fahren ohnehin.
Gefordert wird ein Angebot, das überhaupt nutzbar ist. Heute halten in Reuth, Grobau und Gutenfürst je nach Haltepunkt nur zwei bis maximal sieben Züge pro Tag. Das liegt deutlich unter dem, was der Nahverkehrsplan als Mindestbedienung vorsieht.
Um Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen, legte die Initiative dem Landratsamt nach eigenen Angaben bereits im Oktober 2025 einen konkreten Umsetzungsvorschlag vor – ausdrücklich als Übergangslösung. Der Vorschlag sieht vor, zusätzliche Halte gezielt zu verteilen, ohne den Fahrplan grundsätzlich umzubauen. Pro Zug sollte mindestens ein zusätzlicher Halt an einem der drei Punkte erfolgen, rotierend zwischen Reuth, Grobau und Gutenfürst. Insgesamt wären so optional 14 zusätzliche Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten auf Basis des bestehenden Fahrplans – ohne Bauarbeiten, ohne neue Infrastruktur.

Was der Landkreis dazu sagt
Auf Anfrage des Vogtlandstreichers bestätigt das Landratsamt Vogtlandkreis, dass die Petition nach ihrer Übergabe ordnungsgemäß registriert, ausgewertet und weitergeleitet wurde. Zuständig sei vor allem der Zweckverband ÖPNV Vogtland.
Der Landkreis macht deutlich, dass es nicht bei einer bloßen Kenntnisnahme geblieben ist. Die Anliegen seien fachlich geprüft worden – unter Einbindung mehrerer Stellen. Neben dem ZVV seien auch DB InfraGO, beteiligte Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr einbezogen worden.
Gleichzeitig erkennt der Kreis das Engagement der Petition ausdrücklich an. Die geringe Zahl an Zughalten schränke die Nutzbarkeit der Haltepunkte deutlich ein und werde aus Sicht der betroffenen Bürgerinnen und Bürger „nachvollziehbar kritisch“ bewertet. Eine abschließende Entscheidung könne man jedoch derzeit noch nicht treffen, da die fachlichen Abstimmungen andauerten.
Was die Deutsche Bahn festhält
Wie DB-Sprecher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Jörg Bönisch, mitteilt, befinden sich alle drei Stationen in einem guten baulichen Zustand. Die Bahnsteige in Reuth und Grobau verfügen über eine Höhe von 55 Zentimetern, sodass ein stufenfreier Einstieg möglich ist. Gutenfürst ist zwar nicht barrierefrei, wird aber nicht als grundsätzlich ungeeignet eingestuft.
Die Bahn erklärt ausdrücklich, dass zusätzliche Halte grundsätzlich zu prüfen seien. Voraussetzung dafür sei jedoch eine entsprechende Bestellung durch den zuständigen Aufgabenträger – also den ZVV. Die Bahn selbst trifft diese Entscheidung nicht. Damit ist technisch klar: An den Haltepunkten an sich scheitert es nicht.

Die klare Position des ZVV
Auch der Zweckverband bestätigt, dass die Petition bekannt ist und fachlich geprüft wurde – wiederum unter Einbeziehung von DB InfraGO, Erfurter Bahn und dem Thüringer Landesamt. In der Bewertung geht der ZVV jedoch weiter als Landkreis und Bahn. Er stellt fest, dass die heutige Minimalbedienung Ergebnis einer bewussten Abwägung sei. Zusätzliche Halte seien zwar grundsätzlich betrachtet worden, derzeit jedoch nicht umsetzbar.
Begründet wird das mit engen Fahrplanlagen, abhängigen Anschlüssen im Gesamtnetz und begrenzter Infrastruktur. Zusätzliche Halte würden nach Einschätzung des ZVV die Fahrplanstabilität insgesamt gefährden. Zwar könnten Angebots- oder Potenzialstudien grundsätzlich sinnvoll sein, vor dem Hintergrund der bestehenden betrieblichen Bewertungen halte man sie aus Sicht des Verbands aktuell jedoch für nicht zielführend. Zu Prozess und Verfahren der eigenen “betrieblichen Bewertung” werden keine Details genannt.
Wo sich die Aussagen treffen – und wo sie auseinandergehen
Alle Beteiligten bestätigen, dass die Haltepunkte existieren, nutzbar sind und dass die Petition ernst genommen wurde. Niemand bestreitet den Bedarf aus Sicht der Bevölkerung. Niemand verweist auf marode Bahnsteige oder fehlende Infrastruktur.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Bewertung der betrieblichen Spielräume. Während die Initiative in ihrem Vorschlag gezielte, verteilte Zusatzhalte für möglich hält, sieht der ZVV aktuell keine Spielräume, ohne das Gesamtsystem zu destabilisieren. Die Bahn selbst positioniert sich neutral: Sie würde zusätzliche Halte umsetzen, wenn sie bestellt würden. Die Entscheidung liegt also beim ZVV. Der Landkreis moderiert, die Bahn setzt um – schlicht: der Aufgabenträger bestellt oder bestellt nicht.

Der Stand der Dinge Ende Januar 2026
Fast fünf Monate nach Übergabe der Petition ist das Thema nicht vom Tisch, aber auch nicht entschieden. Es gab fachliche Prüfungen, Gespräche, klare Positionen. Die Petition hat zumindest erreicht, dass über das Thema gesprochen wird.
Quellen & Recherchegrundlagen
1. Petition / Initiative
- openPetition:
„Zughalte Gutenfürst, Grobau und Reuth mindestens zweistündlich (z. B. mit Bedarfshalt der RB 13)”
https://www.openpetition.de/petition/online/zughalte-gutenfuerst-grobau-und-reuth-mindestens-zweistuendlich-z-b-mit-bedarfshalt-der-rb-13 - Initiative / Begleitkommunikation
(direkter Austausch mit den Initiatoren, inkl. schriftlicher Antworten und Umsetzungsvorschlag)
2. Umsetzungsvorschlag der Initiative
- „Entwurf auf Basis Fahrplan 2025“
(nicht öffentliches Dokument der Initiative, dem Landratsamt seit Oktober 2025 vorliegend; dem Vogtlandstreicher zur Auswertung zur Verfügung gestellt)
3. Fahrplan- und Betriebsgrundlagen
- Vogtlandbahn / Die Länderbahn GmbH – Fahrpläne RB 13, Fahrplanjahr 2025
https://www.laenderbahn.com/vogtlandbahn/ - DB Fahrplanauskunft (Abgleich Zughalte)
https://www.bahn.de
4. Zuständigkeiten & Infrastruktur
- Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV)
- DB InfraGO AG (Infrastrukturbetreiber)
- Die Länderbahn GmbH (vogtlandbahn)
5. Schriftliche Stellungnahmen (auf Anfrage des Vogtlandstreichers)
- Landratsamt Vogtlandkreis
Schriftliche Stellungnahme vom Januar 2026
(Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Stabsstelle Kommunikation) - Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV)
Schriftliche Stellungnahme vom Januar 2026
(Leitung Marketing, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit) - Deutsche Bahn / DB InfraGO AG
Schriftliche Stellungnahme von
Jörg Bönisch, Sprecher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
(Januar 2026)
6. Beteiligte Fachstellen (laut Antworten)
- Erfurter Bahn
(fachliche Einbindung im Rahmen der Prüfungen, laut ZVV / Landratsamt) - Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr (TLBV)
(fachliche Prüfung im Zusammenhang mit Fahrplan- und Betriebsfragen)
7. Eigene Recherche & Anfragen
- Schriftliche Presseanfragen des Vogtlandstreichers an:
- Landratsamt Vogtlandkreis
- Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV)
- Deutsche Bahn / DB InfraGO AG
- vogtlandbahn / Die Länderbahn GmbH
- Initiatoren der Petition
- Eigene Auswertung von:
- Fahrplänen 2025
- Stellungnahmen der beteiligten Institutionen
- vorgelegtem Umsetzungsvorschlag der Initiative
8. Hinweis zur Transparenz
Einzelne fachliche Prüfungen (z. B. Betriebsprogrammstudien von DB InfraGO) wurden von den beteiligten Stellen bestätigt, liegen jedoch nicht öffentlich vor. Die Einordnung im Artikel basiert auf den schriftlichen Stellungnahmen der genannten Institutionen.
Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita
Zuganbindung im Vogtland: Bahnhöfe in Gutenfürst, Grobau und Reuth – geprüft, diskutiert, nicht entschieden
