Nachrichten VogtlandStefan Gwildis blickt auf musikalische 50 Jahre zurück: „Ich habe gelernt, dass Aufmerksamkeit ein Geschenk ist“

Titelfoto: Christian Barz
Ein halbes Jahrhundert Musik. Fünf Jahrzehnte voller Melodien, Begegnungen und leiser wie lauter Momente. Stefan Gwildis feiert 50-jähriges Bühnenjubliäum – und blickt dabei nicht zuerst auf große Hallen oder Chartplatzierungen zurück. Seine Geschichte beginnt draußen. Auf der Straße.

Nicht im Studio. Nicht im Fernsehen. Sondern zwischen Passanten, Asphalt und offenen Gitarrenkoffern. Dort stand er als junger Musiker, mit einer Menge Träume – und mit einem Gefühl, das ihn bis heute begleitet: Lampenfieber.

Schon damals lernte Gwildis eine Lektion, die sein gesamtes künstlerisches Leben prägen sollte. Anfangs empfand er es als unangenehm, von fremden Menschen angeschaut zu werden. Irgendwann jedoch verstand er, dass genau darin eine Kraft liegt – dass Aufmerksamkeit etwas Positives ist, etwas, das man annehmen darf. Diese Erkenntnis hat er bewahrt. Bis heute.

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Straßenmusik war eine harte Schule

Wer den inzwischen 67-Jährigen live erlebt, merkt schnell: Hier steht kein Künstler, der Distanz sucht. Hier steht jemand, der Verbindung will. Die Straßenmusik war seine härteste Schule. Niemand bleibt stehen, weil er muss. Applaus ist nicht garantiert, Aufmerksamkeit schon gar nicht. Doch genau darin liegt die Wahrheit dieses Ortes. Gwildis lernte früh, die Reaktionen der Menschen zu lesen – ein Blick, ein Lächeln, ein kurzes Innehalten. All das wurde Teil seiner musikalischen Sprache. Das Publikum, sagt er, sei sein Spiegel.

Passend zum Bühnenjubiläum veröffentlichte er ein Album mit dem Titel “..das war doch grad erst eben!”. Es ist warm, persönlich, stellenweise melancholisch, dann wieder voller Groove. Die Songs erzählen von Lebenserfahrung – und von Neugier. Gebannt ist darauf auch ein Duett mit Caroline Beil. Genauso wenig erwartbar, wie das Lied das er im vergangenen Jahr mit Annette Frier aufnahm.

An eine Stadt hat er sein Herz verloren

Auch aktuell ist Stefan Gwildis live zu erleben – unter anderem am 21. Februar 2026 in Bad Elster. Für ihn macht es keinen Unterschied, ob er in einer Großstadt oder in einer Kurstadt spielt. Am Ende sitzen da immer Menschen, die ihm ihre Zeit schenken. Und das, sagt er, ist etwas Kostbares.

Allerdings an eine Großstadt hat er sein Herz verloren: Hamburg. Für Gwildis keine bloße Station – es ist Heimat und Inspirationsquelle zugleich – ein lebenslange Beziehung – künstlerisch wie emotional. Deswegen möchte er sich auch künstlerisch der Hansestadt widmen. Diese Projekt wächst gerade, genau wie das eine oder andere literarische Vorhaben, denn Sprache ist für ihn Klang, Rhythmus, Atmosphäre. Er lässt Texte von Borchert und Lenz „atmen“.

50 Jahre Bühne bedeuten für Gwildis keine klassische Karrierebilanz. Er spricht eher von einem langen Weg mit vielen Stationen und unzähligen Begegnungen. Kleine Kneipen, große Hallen, stille Augenblicke und tosender Applaus – alles gehört dazu. Was ihn heute noch antreibt? Neugier. Und Respekt vor dem Publikum. Musik beginnt nicht allein beim Künstler. Sie entsteht zwischen Menschen.

Nachgefragt bei…Stefan Gwildis
Lieblingsessen: Hühnersuppe
Lieblingsmusik: amerikanischer Gospel
Lieblingswort: Respekt
Lieblingsort: im Wald
Lieblingsmoment: Kuss
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