Nachrichten VogtlandAmsel, Drossel, Fink und Star: Gefieder geputzt – und ab nach Süden?

„Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar“: Im Kinderlied klingt das nach Frühling, offenen Fenstern und Wiedersehen. Ende September bekommt die vertraute Zeile eine andere Stimmung. Wenn sich Vögel in den Baumkronen sammeln und plötzlich gemeinsam auffliegen, sieht es ein wenig nach Abschied aus. Der Himmel wird zur Abflughalle, wir bleiben unten und schauen hinterher.

Der Vogelzug im Herbst hat allerdings keinen gemeinsamen Abflugtermin. Manche Arten sind längst unterwegs, andere brechen erst in den nächsten Wochen auf. Einige bleiben. Und während wir den Sommergästen nachsehen, treffen bereits Vögel ein, für die unsere Gegend ein Winterquartier ist.

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Warum Vögel im Herbst aufbrechen

Für einen kleinen Vogel zählt im Winter vor allem, ob er genügend Nahrung findet. Fliegende Insekten werden rar, Frost und Schnee erschweren den Zugang zu Futter, und die kurzen Tage lassen weniger Zeit für die Suche. Wer weiter südlich bessere Bedingungen findet, nimmt dafür eine anstrengende Reise in Kauf.

Wann es losgeht, hängt unter anderem vom angeborenen Zugverhalten und der Tageslänge ab. Auch Wetter und Nahrungsangebot spielen eine Rolle. Besonders Kurzstreckenzieher können ihre Reise stärker an die jeweiligen Bedingungen anpassen. So läuft der herbstliche Aufbruch über viele Wochen.

Video (2): private Aufnahme im Vogtland

Amsel, Drossel und Fink: Jeder hat seine Reisepläne

Die Amsel wirkt wie eine Nachbarin mit festem Wohnsitz. Tatsächlich verbringen viele Amseln den Winter in Mitteleuropa. Andere ziehen fort: Die Art gehört hier zu den sogenannten Teilziehern. Das bedeutet, dass ein Teil der Vögel bleibt, während ein anderer auf Wanderschaft geht. Wer im Winter eine Amsel zwischen den Blättern nach Futter suchen sieht, beobachtet also keineswegs eine verpasste Abreise.

Bei den Drosseln lohnt es sich, genauer hinzusehen. Viele Singdrosseln überwintern in Südeuropa und Nordafrika. Rotdrosseln wiederum kommen aus dem Norden und Nordosten Europas zu uns, rasten hier auf dem Durchzug oder verbringen den Winter in Mitteleuropa.

Auch der Buchfink ist in Mitteleuropa ein Teilzieher. Hinzu kommen im Winter Buchfinken aus nördlicheren und östlicheren Regionen. Der Fink im Baum muss deshalb nicht derselbe sein, der dort im Frühjahr gesungen hat. Für uns sieht der Garten vertraut aus; seine gefiederten Besucher können längst gewechselt haben.

Stare: Wenn der Himmel in Bewegung gerät

Stare beherrschen den gemeinsamen Auftritt. Schon nach der Brutzeit bilden sich Trupps, die zum Herbst hin zu größeren Schwärmen anwachsen können. Wo viele zusammenkommen, ziehen ihre Flugbewegungen den Blick beinahe von selbst nach oben: Der Schwarm wird schmal, breitet sich aus, wendet.

Solche Ansammlungen gehören auch zum gemeinsamen Aufsuchen von Schlafplätzen, etwa in Schilfgebieten oder Baumgruppen. Ein auffliegender Schwarm muss deshalb nicht gerade seine große Reise beginnen. Viele mitteleuropäische Stare ziehen bis in den Mittelmeerraum oder nach Nordafrika; andere überwintern in Deutschland. Auch unter den Staren reisen also längst nicht alle gleich weit.

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Foto: NABU

Vogelzug im Vogtland: Ein Blick nach oben lohnt sich

Für einen kleinen Herbstmoment braucht es keinen berühmten Beobachtungsplatz. Ein freier Blick über Felder, ein Spaziergang am Waldrand oder etwas Geduld im Garten können schon genügen. Gerade Ende September und im Oktober lohnt es sich, morgens auf durchziehende Kleinvögel zu achten. Ein erheblicher Teil des Vogelzugs findet allerdings nachts statt und bleibt unseren Blicken verborgen.

Auch später im Jahr gibt es Neues zu entdecken: Bergfinken beispielsweise kommen aus ihren nördlichen Brutgebieten zum Überwintern nach Mittel- und Südeuropa. Für sie ist die vermeintlich kalte Jahreszeit bei uns bereits die mildere Alternative.

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Ein bisschen Unordnung für die Gäste

Wer den Reisenden und den Daheimgebliebenen helfen möchte, kann im Garten etwas stehen und liegen lassen. Samenstände an verblühten Stauden liefern Futter, Laub unter Hecken bietet kleinen Nahrungstieren Unterschlupf. Beeren und etwas Fallobst ergänzen das Angebot. Ein naturnaher Garten bleibt damit auch nach der Blütezeit ein gedeckter Tisch. Vielleicht ist das ein guter Grund, beim nächsten herbstlichen Aufräumen kurz innezuhalten.

Wissenswertes:

Ein stiller Garten ist nicht unbedingt ein leerer Garten
Nach der Brutzeit singen viele Vögel deutlich weniger: Partnersuche und Revierverteidigung verlieren an Bedeutung. Während der Mauser leben manche zudem zurückgezogener. Wenn das morgendliche Konzert verstummt, sind also längst nicht alle Sänger abgereist.

Sieben Nachbarn reichen für eine Flugchoreografie
Ein Star muss im Schwarm nicht Tausende Artgenossen gleichzeitig im Blick behalten. Er orientiert sich an ungefähr sechs bis sieben Nachbarvögeln. So können sich Richtungsänderungen durch den Schwarm fortsetzen. Die ständig wechselnde Formation erschwert es Greifvögeln außerdem, ein einzelnes Tier anzuvisieren.

Die erste große Reise führt ins Unbekannte
Jungvögel vieler Singvogelarten erreichen Winterquartiere, in denen sie noch nie gewesen sind – ohne ihren Eltern hinterherzufliegen. Wesentliche Informationen über Zugrichtung und Zugdauer sind angeboren. Erfahrung ergänzt dieses Grundprogramm bei späteren Reisen.

Reiseproviant wird unter der Haut verstaut
Zugvögel legen Fettreserven als Energievorrat an. Bei Zwischenstopps füllen sie diese wieder auf. Untersuchungen an Gartengrasmücken zeigen, dass die vorhandenen Fettreserven entscheidend dafür sind, wie lange eine Rast dauert. Ein unscheinbarer Busch voller Nahrung kann damit zur wichtigen Tankstelle werden.

Im Herbst reist der Nachwuchs mit
Zu den erwachsenen Vögeln kommen die Jungvögel des Sommers hinzu. Deshalb sind beim Herbstzug erheblich mehr Tiere unterwegs als beim Frühjahrszug. Außerdem verweilen viele länger an Rastplätzen – im Frühjahr drängt dagegen die Rückkehr in die Brutgebiete.

Früher vermutete man Schwalben im Schlamm
Noch im 19. Jahrhundert wurde darüber diskutiert, ob Schwalben den Winter im Schlamm von Gewässern verbringen. Ihr plötzliches Verschwinden blieb lange rätselhaft. Die wissenschaftliche Vogelberingung half später, tatsächliche Reisewege nachzuweisen.

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Seit zwei Jahrzehnten journalistisch unterwegs – mit offenen Ohren, kritischem Blick und Freude an Sprache. Im Vogtland verwurzelt, weit darüber hinaus neugierig. Ihr Fokus liegt auf Kunst und Kultur sowie den Menschen dahinter. Unvoreingenommen im Gespräch, differenziert im Urteil, mit Gespür für Zwischentöne und der Freude daran, andere für Neues zu begeistern.

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