Titelfoto: Francesco Gattoni – Katerina Poladjan
Die Goldstrand von Katerina Poladjan ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Damit gehört der Roman zu den wichtigsten literarischen Neuerscheinungen des Jahres. Mit poetischer Sprache, filmischer Bildkraft und einer vielschichtigen Erzählstruktur erzählt Poladjan die Geschichte eines Mannes, der versucht, seinem Leben im Rückblick eine Form zu geben – zwischen Erinnerung, Fantasie und Abschied.
Ein Roman zwischen Erinnerung, Reisen und innerer Suche
In „Goldstrand“ steht der Regisseur Eli im Mittelpunkt – ein Mann, der sein Leben rückblickend betrachtet und dabei zwischen Realität und Fabulieren wandert. Eli ist bekannt für seine bildgewaltigen Filme, doch sein eigenes Leben wirkt zunehmend still und leer.
Er lebt in einer bröckelnden Villa in Rom, wo die Einsamkeit langsam wächst. Auf dem Sofa seiner Dottoressa beginnt er, seine Geschichte zu erzählen. In langen Erinnerungssträngen rekonstruiert er seine Vergangenheit – wie ein Regisseur, der Szenen aus seinem eigenen Leben montiert.
Seine Erinnerungen führen zurück an die bulgarische Schwarzmeerküste der 1950er-Jahre. Von dort aus zieht sich eine Reise durch Raum und Zeit:
- von Warna
- nach Odessa
- über Konstantinopel
- bis zurück nach Rom
Die Stationen bilden ein Mosaik aus Erinnerungen, Begegnungen und Fragmenten einer Biografie, die sich erst im Erzählen zusammensetzt.
Das Leben als Montage – Struktur und Themen des Romans
Katerina Poladjan gestaltet „Goldstrand“ wie eine filmische Montage. Szenen aus verschiedenen Zeiten und Orten reihen sich aneinander und ergeben allmählich ein Bild des Protagonisten.
Zentrale Themen des Romans sind:
- Herkunft und Identität
- Migration und Bewegung
- Erinnerung und Selbstinszenierung
- Einsamkeit und Abschied
- die Kraft von Geschichten
Der Roman kreist um eine Leerstelle – etwas Ungesagtes oder Verlorenes, das Eli in seinen Erinnerungen immer wieder umkreist. Diese narrative Lücke macht den Text besonders spannend, denn sie zwingt Leserinnen und Leser, selbst Verbindungen zwischen den Episoden herzustellen.
Die besondere Sprache von Katerina Poladjan
Die Jury des Preis der Leipziger Buchmesse hebt besonders die Sprache des Romans hervor. Poladjans Stil ist zugleich leicht und tiefgründig. Ihre Prosa verdichtet Erinnerungen zu atmosphärischen Bildern, die zwischen Melancholie und leiser Ironie schweben.
Die Hauptfigur Eli wird dabei mit großer Zuneigung, aber auch mit sanftem Spott betrachtet. Schritt für Schritt entsteht das Porträt eines Menschen, der sich – vielleicht unbewusst – auf einen Abschied vorbereitet. Wohin seine Reise führt, bleibt lange offen und verleiht dem Roman eine stille Spannung.
Die Autorin Katerina Poladjan
Katerina Poladjan wurde 1971 in Moskau geboren. Sie wuchs in Rom und Wien auf und lebt heute in Deutschland. Die Autorin gehört zu den bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ihre Romane verbinden historische Themen mit poetischer Erzählkunst und einer besonderen Sensibilität für Erinnerung und kulturelle Identität.
Wichtige Stationen ihrer Karriere:
- Stipendien des Deutschen Literaturfonds, des Berliner Senats und der Kulturakademie Tarabya in Istanbul für Hier sind Löwen (2019)
- Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund (2021)
- Shortlist des Preis der Leipziger Buchmesse 2022 mit Zukunftsmusik
- Großer Preis des Deutschen Literaturfonds im Jahr 2025
Mit „Goldstrand“ setzt Poladjan ihre literarische Auseinandersetzung mit Erinnerung, Geschichte und Identität fort.
Warum „Goldstrand“ ein besonderes Buch ist
„Goldstrand“ ist kein klassischer Roman mit linearer Handlung. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte wie ein Film aus Erinnerungen, Gedanken und Bildern. Gerade diese Struktur macht das Buch faszinierend.
Leserinnen und Leser erwartet:
- eine poetische, bildreiche Sprache
- eine vielschichtige Hauptfigur
- eine Reise durch Städte, Zeiten und Erinnerungen
- ein Roman über das Erzählen selbst
Wer Literatur liebt, die Atmosphäre, Reflexion und Erzählkunst verbindet, wird in „Goldstrand“ ein außergewöhnliches Leseerlebnis finden.
Fazit
Mit Goldstrand legt Katerina Poladjan einen Roman vor, der zugleich introspektiv und weltumspannend ist. Die Geschichte eines Regisseurs wird zur Meditation über Erinnerung, Identität und die Macht des Erzählens.

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„Goldstrand“ von Katerina Poladjan – Roman über Erinnerung, Herkunft und die Kunst des ErzählensBuch

