Die Europäische Wildkatze kehrt ins Vogtland zurück. Der BUND Sachsen hat bei einem aktuellen Monitoring erstmals seit Jahren wieder Tiere in der Region nachgewiesen. Besonders bemerkenswert ist, dass unter den gesichteten Tieren auch ein Weibchen ist.
Erste Sichtungen wurden bereits 2009 dokumentiert. In den vergangenen Jahren blieben die Erhebungen jedoch erfolglos. In diesem Frühjahr startete der BUND im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ eine neue Initiative: Entlang der Grenze zu Thüringen wurden gezielt Lockstöcke aufgestellt. Durch genetische Analysen der gesammelten Haarproben konnten nun zwei Individuen bestätigt werden.
Bedeutung des Weibchens für die Population
Projektleiterin Almut Gaisbauer betont: „Besonders erfreulich ist der Nachweis des Weibchens. Wildkatzenweibchen haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, da sie für die Jungenaufzucht allein zuständig sind und dafür viele Verstecke benötigen.“ Ob sich bereits eine stabile Wildkatzenpopulation etabliert hat, ist derzeit noch unklar.
Bert Schmieder, Leiter des Forstbezirks Plauen, kommentiert den Nachweis: „überaus erfreuliches Signal“ und sieht darin eine Bestätigung der bisherigen Maßnahmen und der Förderung des naturnahen Waldumbaus. Dies zeigt, dass gezielte Maßnahmen im Bereich Wildtier-Schutz Früchte tragen.
Maßnahmen zur langfristigen Ausbreitung
Um die Rückkehr der Wildkatze nachhaltig zu unterstützen, haben der BUND Sachsen und der BUND Thüringen ein Dialogforum mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Interessengruppen in Plauen organisiert. Ziel ist die Erstellung einer Machbarkeitsanalyse für Wanderkorridore, die den Tieren eine langfristige Ausbreitung ermöglichen sollen.
Fakten zur Wildkatze (Felis silvestris): Verbreitung: Sie kommt in Europa, Asien und Afrika vor. Lebensraum: Bevorzugt naturnahe, große Laub- und Mischwälder mit dichter Bodenvegetation. Größe: Ähnlich wie eine Hauskatze, aber etwas kräftiger gebaut. Körperlänge ca. 50–70 cm, Schwanz 25–35 cm. Gewicht: 3–8 kg. Unterschied zur Hauskatze: Buschiger, stumpf endender Schwanz mit 3–5 dunklen Ringen, graubraunes Fell mit undeutlicher Musterung, insgesamt kräftiger Körperbau. Lebensweise: Überwiegend nachtaktiv und sehr scheu. Einzelgänger. Nahrung: Hauptsächlich Mäuse, aber auch Vögel, Insekten und gelegentlich Kaninchen oder Amphibien. Fortpflanzung: Paarungszeit im Februar/März. Nach rund 9 Wochen werden 2–4 Jungtiere geboren. Gefahren: Lebensraumverlust, Straßenverkehr und Hybridisierung (Vermischung mit verwilderten Hauskatzen). Schutzstatus: In Deutschland streng geschützt, steht auf der Roten Liste (gefährdet). Bestand: In Deutschland wieder zunehmend – schätzungsweise über 7000 Tiere, vor allem in Mittelgebirgen wie Eifel, Harz, Hunsrück und Thüringer Wald. |
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