Nachrichten VogtlandBallflachstreicher | 24 Juni 2026 – Die tägliche WM-Kolumne | Totgesagte treffen doppelt.

Sechs Tage ist es her, dass Cristiano Ronaldo gegen die DR Kongo mit ganzen 25 Ballkontakten durch ein WM-Spiel geisterte und halb Fußball-Europa zu dem Schluss kam, der Mann sei nun wirklich zu alt für diese Bühne. Gegen Usbekistan lieferte er die Antwort, und sie fiel deutlich aus: zwei Tore (6., 39.), 5:0 für Portugal, und mit seinem zehnten WM-Treffer zog der 41-Jährige in der ewigen Bestenliste an einer Legende wie Eusébio vorbei. Es war sein 230. Länderspiel, es waren seine Karrieretore 144 und 145 – und es war die x-te Wiederholung desselben Rituals: Ronaldo wird abgeschrieben, Ronaldo trifft, Ronaldo schaut in die Kameras, als hätte er es schon immer gewusst.

Man kann von diesem ewigen Drama halten, was man will, aber eines muss man ihm lassen: Timing hat der Mann. Kaum wird der Nachruf auf seine Karriere getippt, beantwortet er ihn mit dem Fuß. Portugal, nach dem blamablen Auftaktremis selbst unter Druck, wirkte gegen einen überforderten WM-Neuling befreit – Nuno Mendes, ein usbekisches Eigentor und Rafael Leão besorgten den Rest.

Wie man es nicht macht, führte am selben Tag England vor. Beim 0:0 gegen Ghana hatten die Three Lions sagenhafte 78,8 Prozent Ballbesitz – der höchste Wert, den je eine Mannschaft bei einer WM hatte, ohne dabei ein einziges Tor zu erzielen. England hortete den Ball wie ein Kind, das ihn partout nicht abgeben will, und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Schuld war ausgerechnet ein Portugiese: Ghanas Trainer Carlos Queiroz ließ seine Mannschaft so diszipliniert verteidigen, dass Harry Kane neunzig Minuten lang kaum vorkam. Es hatte etwas fast Poetisches – am selben Tag, an dem ein Portugiese in Houston nach Belieben traf, sorgte ein anderer Portugiese in der englischen Defensivnot für das genaue Gegenteil.

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Dass Tore eben doch mit dem Fuß fallen und nicht in der Statistik, bewiesen auch die übrigen Sieger des Tages. Norwegen schlug Senegal mit 3:2, und natürlich war Erling Haaland mit einem Doppelpack zur Stelle – der Norweger sammelt Tore inzwischen so beiläufig, wie andere Leute Payback-Punkte. Und Algerien drehte das nordafrikanisch-arabische Duell gegen Jordanien nach Rückstand noch zu einem 2:1. Die Lehre des Tages ist so banal wie tröstlich: Wer trifft, gewinnt. Wer nur den Ball hat, darf sich die Statistik einrahmen.

Am Ende gehört dieser Spieltag aber dem Mann aus Madeira, der mit 41 Jahren noch immer nicht versteht, was „austrainiert” oder „Karriereende” bedeuten soll. Man muss Ronaldo nicht mögen, um anzuerkennen, dass seine Beharrlichkeit eine eigene Kunstform ist. Andere Spieler hören auf, wenn die Beine schwer werden. Ronaldo hört offenbar erst auf, wenn ihm die Rekorde ausgehen – und danach sieht es derzeit nicht aus.

Zum Schluss noch das

Wo wir bei Denkmälern sind: Ronaldo gehört zu den wenigen Menschen, die schon zu Lebzeiten verewigt wurden – mit gemischtem Erfolg. Als der Flughafen seiner Heimatinsel Madeira 2017 nach ihm benannt wurde, enthüllte man eine Bronzebüste, die ihm so wenig ähnelte, dass sie binnen Stunden zum weltweiten Internet-Witz wurde; der Künstler hatte drei Wochen daran gearbeitet, das Ergebnis sah aus wie Ronaldos entfernter, leicht verunglückter Cousin. Ein Jahr später wurde sie diskret gegen eine ansehnlichere ausgetauscht. Pikanterweise gab es danach eine Petition, die alte, missratene Büste zurückzubringen – die Leute hatten sie liebgewonnen. So gesehen ist Ronaldo doch unkaputtbar: Selbst als hässlichste Statue der Fußballgeschichte hatte er noch eine Fangemeinde.

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Nach 20 Jahren Krieg, Krise und dem großen Ganzen journalistisch in das beschauliche Vogtland gewechselt. Ein Momentesammler und Geschichtenerzähler. Neugierig, nahe an den Menschen und manchmal ein bisschen frech. :) Autorenprofil/Vita

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