Nachrichten VogtlandAsyl im Vogtlandkreis: Neue Struktur, Schließung der Unterkunft in Plauen und die Rolle des Transferzentrums Reichenbach

Titelfoto: Landratsamt Vogtlandkreis – Ein Haus auf dem Areal an der Kasernenstraße.
Der Vogtlandkreis stellt seine Unterbringung von Asylsuchenden neu auf. Die zentrale Unterkunft an der Kasernenstraße in Plauen soll geschlossen werden. Die derzeit 90 Bewohner sollen umziehen. Dafür ist in Reichenbach ein Transferzentrum geplant.

Die Nutzung des Asylbewerberheims sollte 2030 ohnehin enden. Der Plauener Stadtrat hatte mehrheitlich beschlossen hat, den Mietvertrag mit dem Vogtlandkreis nicht über dieses Datum hinaus zu verlängern.

Die schrittweise Schließung der großen Sammelunterkunft soll nun bereits im ersten Halbjahr 2027 umgesetzt werden. Die Maßnahme ist Teil einer langfristigen Strategie. Große Unterkünfte sollen reduziert werden, um die Integration zu verbessern und die Belastung einzelner Standorte zu verringern.

Werbung

Banner Capitol Plauen

Dezentrale Unterbringung bleibt das Grundprinzip

Parallel zur Schließung in Plauen wird in Reichenbach eine neue, deutlich kleinere Einrichtung geschaffen. Dabei handelt es sich um ein Objekt des CVJM mit maximal 54 Plätzen. Das Transferzentrum soll jedoch kein Ort zur dauerhaften Unterbringung großer Personenzahlen sein, sondern nur zur kurzfristigen Erstunterbringung dienen. Von dort soll dann die organisatorische Steuerung erfolgen sowie die Verteilung auf die jeweiligen Wohnungen.

Grundsätzlich verlaufe eine Verteilung vom Bund auf die Länder und von dort auf die Landkreise. Zum Stand 31. Dezember 2025 leben laut Zahlen aus dem Landratsamt des Vogtlandkreis rund 15.600 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit im Landkreis.

Gesamtzahl und Einordnung

Zum Stichtag (31. Dezember 2026) leben rund 15.600 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit im Vogtlandkreis. Ein großer Teil verfügt über reguläre Aufenthaltsrechte:

  • ca. 4.418 Personen aus EU-Staaten
  • rund 3.815 Personen aus der Ukraine
  • etwa 1.427 Personen mit Aufenthaltstitel im Asylbezug
  • ca. 4.320 Personen mit sonstigen Bleiberechten

Deutlich kleiner ist die Gruppe der Menschen, die tatsächlich Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. Hier zeigen die Zahlen:

  • rund 1.648 Personen im Bezug von Asylbewerberleistungen
  • davon etwa 847 Personen mit aktiven Bleiberechten
  • und 801 Personen im laufenden Verfahren
Entwicklung über die Jahre

Ein Blick auf die Entwicklung seit 2012 zeigt mehrere Phasen:

  • 2015–2016: starker Anstieg im Zuge der Flüchtlingsbewegung
  • 2017–2021: Stabilisierung auf mittlerem Niveau
  • ab 2022: erneuter Anstieg, vor allem durch Geflüchtete aus der Ukraine
  • 2024–2025: leichte Rückgänge bzw. Stabilisierung

So lag die Gesamtzahl der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit:

  • 2015 bei rund 6.000
  • 2018 bei etwa 8.500
  • 2021 bei rund 9.500
  • 2024 bei über 16.000
  • 2025 bei etwa 15.600

Der Vogtlandkreis verfolge bereits seit Jahren das Ziel, Asylsuchende möglichst dezentral unterzubringen – also verteilt über mehrere kleinere Standorte im Landkreis. Dieses Modell habe sich aus Sicht der Verwaltung bewährt. Ein Großteil der Asylsuchenden lebe in kleineren Einrichtungen oder dezentralen Wohnungen.

Ein weiterer Grund für die Umstrukturierung seien rückläufige Zugangszahlen. Diese Entwicklung ermöglicht es, die bisherigen Strukturen anzupassen und größere Einrichtungen schrittweise zurückzufahren. Internationale Entwicklungen werden aber weiterhin beobachtet, sodass bei Bedarf Anpassungen möglich seien, erklärt der Leiter des Ordnungs- und Ausländeramtes, Jens Mittenzwey.

Nachrichten Vogtland
+ posts

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.

Werbung