Nachrichten VogtlandPascal Violo: “Dass 15 Millionen Menschen an einem Ort zusammen kommen – das konnte ich mir vorher einfach nicht vorstellen”

alle Fotos: Pascal Violo
Indien ist kein Reiseziel – es ist ein Erlebnis, das alle Sinne fordert. In seiner eindrucksvollen Live-Reportage nimmt Pascal Violo am Samstag um 14 Uhr beim WELTBlicke Festival in der Festhalle Plauen mit auf eine monatelange Reise durch einen Subkontinent voller Gegensätze, Intensität und spiritueller Tiefe.

Vom farbenprächtigen Rajasthan führt der Weg in die heiligen Gassen von Varanasi – eine der ältesten Städte der Welt, in der Leben und Tod unmittelbar aufeinandertreffen. Am Ufer des Ganges erlebt Violo die uralten Rituale des Hinduismus hautnah, begleitet von Feuer, Gebeten und einer Spiritualität, die tief unter die Haut geht. Ein weiterer Höhepunkt: das gigantische Kumbh Mela, bei dem Millionen Menschen zusammenkommen, um ihren Glauben zu feiern. Hier verdichtet sich Indien zu einem überwältigenden Mosaik aus Farben, Emotionen und Mythen.

Die Reise geht weiter in die stille Weite der Thar-Wüste, zu den goldenen Tempeln des Sikhismus und schließlich in den grünen Süden nach Tamil Nadu und Kerala. Dort öffnen sich durch persönliche Begegnungen Türen, die Reisenden sonst verschlossen bleiben: Wochenlang lebt die Familie Violo bei indigenen Völkern, begleitet ehemalige Wilderer durch Nationalparks und beobachtet wilde Tiger in freier Natur. Die Reise endet in den ruhigen Backwaters Keralas – ein stiller Kontrast zur Intensität des Nordens.

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Pascal Violo, der 1980 in Wien geboren ist, widmet sich seit über 25 Jahren dem Reisen, Erzählen und der Fotografie. Seine Reportagen führen ihn durch Asien sowie Nord- und Südamerika und zeichnen sich durch intensive Begegnungen und authentische Geschichten aus. Als einer der bekanntesten Multivisionsreferenten Österreichs begeistert er jährlich tausende Zuschauer im gesamten deutschsprachigen Raum. Neben seinen Vorträgen veröffentlicht er Bildbände und organisiert unter anderem Tourneen von Reinhold Messner. Mit der Gründung des Vereins „Karawane der Menschlichkeit“ engagiert er sich zudem aktiv für Menschen in Krisengebieten und verbindet seine Reisen mit konkreter humanitärer Hilfe. Ein bisschen mehr zu seiner Reise erzählt er im Interview:

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Was fasziniert dich nach all den Jahren immer noch so sehr am Reisen – gerade an einem Land wie Indien?

Diese unglaubliche Vielfalt – so etwas findet man kaum irgendwo sonst auf der Welt. Auf der einen Seite eine enorme Schönheit, Farben, Energie, Spiritualität. Auf der anderen Seite aber auch die schwierigen Lebensumstände vieler Menschen. Beides existiert gleichzeitig, sehr intensiv. Genau diese Gegensätze haben mich auch geprägt und letztlich dazu geführt, dass ich meine NGO gegründet habe. Ich habe das große Glück, so viel sehen und erleben zu dürfen – und möchte davon auch etwas zurückgeben.

Gab es einen Moment, in dem sich eine Vorstellung von einem Ort komplett aufgelöst hat?

Ja, absolut. Zum Beispiel beim Kumbh Mela. Dort kommen bis zu 15 Millionen Menschen zusammen – das konnte ich mir vorher einfach nicht vorstellen. Ich dachte, das wird völliges Chaos. Und natürlich ist es chaotisch – aber auf eine funktionierende Art. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Menschen in dieses Chaos einfügen und es plötzlich eine eigene Ordnung bekommt. Diese Energie vor Ort war unglaublich.

Wie schafft man es, als Fremder wirklich Vertrauen in anderen Kulturen aufzubauen?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich nehme mir bewusst Zeit. Oft lasse ich die Kamera am ersten Tag einfach weg und versuche, erst einmal anzukommen. Ich lerne ein paar Worte in der lokalen Sprache, komme ins Gespräch und beobachte. Vertrauen entsteht nicht sofort – aber man merkt relativ schnell, ob es passt. Und manchmal ist es auch wichtig zu akzeptieren, wenn es nicht passt. In Kambodscha war ich in einem Dorf, in dem die Menschen Angst davor hatten, fotografiert zu werden, weil sie glauben, wenn ich das Foto zum Beispiel verbrennen würde, dass sie krank werden würden. In so einer Situation fotografiere ich natürlich nicht. Respekt geht immer vor.

Das heißt, es gibt bewusst Momente, in denen du nicht abdrückst?
Ja, wenige, aber die gibt es. Ein gutes Foto entsteht nur, wenn Vertrauen da ist. Und mir ist es wichtig, die Menschen nicht nur zu zeigen, sondern ihnen auch auf Augenhöhe zu begegnen. Oft entstehen daraus sogar Freundschaften. Ich besuche manche Orte über Jahre hinweg immer wieder und bringe den Menschen Fotos von früher mit – das ist dann ein sehr schöner Moment.

Wenn du an Indien denkst – gibt es einen Geruch oder ein Gefühl, das dich sofort dorthin zurückbringt?

Die Märkte in Indien sind eine echte Sinnesexplosion. Man kann das schwer konkret beschreiben, aber es gibt diese Momente, in denen alles wieder da ist: die Atmosphäre, die Geräusche, die Energie.

Was möchtest du mit deinen Vorträgen beim Publikum auslösen?

Ich wünsche mir, dass ich Menschen motivieren kann, selbst zu reisen – und zwar offen zu reisen. Viele haben Vorurteile oder Unsicherheiten. Ich hoffe, dass ich zeigen kann, wie viel Positives darin steckt, sich auf andere Kulturen einzulassen. Nicht nur oberflächlich, sondern wirklich in Kontakt zu treten. Unsere Welt ist unglaublich vielfältig und genau dieser Austausch ist so wertvoll.

Nachgefragt bei…Pascal Violo
Lieblingsessen: …eigentlich alles, aber ich mag es neue Gerichte zu probieren
Lieblingsmusik: Musik der 60er, wie Bob Dylan
Lieblingswort: Frieden
Lieblingsort: der Hohe Norden Indiens, der Osten Kubas, die Wildnis Kanadas
Lieblingsmoment: …wenn im Kopf eine neue Idee für eine Reise entsteht
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