Nachrichten VogtlandMoby”Future Quiet”: Schweres Piano, leichte Seele – der leiseste Gegenentwurf zur lauten Welt

Emotionale Klangräume, fernab von tanzbaren Strukturen – alle Details in der Albumrezension!

Als Moby am Freitag sein 23. Studioalbum Future Quiet veröffentlicht, ist schnell spürbar: es ist ein kein lautes Statement – eher ein leises Öffnen der Tür. Richard Melville Hall legt mit diesem Werk keine Parolen vor, sondern Räume. Reduziert bis auf das Wesentliche, entwirft es einen Gegenentwurf zur überdrehten Gegenwart: Musik als Rückzugsort, als langsames Schweben in einer Welt, die kaum noch innehält.

Wer hier Beats erwartet oder Dancefloor-Momente, wird freundlich enttäuscht. Dieses Album bewegt sich auf anderen Achsen. Piano-Minimalismus trifft auf Ambient-Schleier, fragile Stimmen tauchen auf und verschwinden wieder. Es ist Musik, die nicht drängt. Die nicht erklärt. Sondern wartet und sich anfühlt wie ein stiller Spaziergang durch einen Schutzraum gegen Reizüberflutung und akustische Dauerpräsenz.

Moby selbst beschreibt das Album als Ort der Ruhe. Nicht im Sinne von Leere, sondern als bewusste Verdichtung von Stimmung. Seine Diagnose ist klar: Die Welt ist lauter geworden – also muss Musik leiser werden. Dieser Gedanke zieht sich durch jede Note. Statt Spannungskurven sowie Drops setzt er auf Geduld und Atmosphäre. Die Stücke entfalten sich wie Nebel: erst kaum greifbar, dann plötzlich ganz nah.

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Schon der Auftakt macht deutlich, wohin die Reise geht. „When It’s Cold, I’d Like to Die“ – eine Neuinterpretation des Songs aus Everything Is Wrong (1995) – kehrt in veränderter Gestalt zurück. Nachdem das Stück durch die Serie Stranger Things eine neue Generation erreicht hat, verleiht ihm Moby nun gemeinsam mit Jacob Lusk von Gabriels eine fast sakrale Tiefe. „This Was Never Meant for Us“ und „Retreat“ wirken danach wie zarte Zwischenspiele – fragile Pianomotive treiben, Harmonien lösen sich auf.

Mit „LiEstrella del Mar“ (feat. Elise Serenelle) und „Precious Mind“ (feat. India Carney) bekommt das Album eine menschliche Textur. Die Stimmen wirken wie warme Lichtpunkte in einer kühlen Klanglandschaft. Kontemplativer Gesang trifft auf schwebende Arrangements, Emotionalität auf kluge Zurückhaltung – ein fragiles Gleichgewicht.

Dazwischen entfaltet Moby reine Instrumentalräume: „Ruhe“, „Tallinn“, „Mono No Aware“ – minimalistische Klavierflächen, begleitet von subtiler Orchestrierung. „Ruhe“ wird dabei zum stillen Zentrum des Albums. Musik, kommt, bleibt, und verschwindet wieder.

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Fazit:

Future Quiet entfernt sich bewusst von vertrauten Hooks und tanzbaren Strukturen. Das Album fordert Aufmerksamkeit. Es fordert sich darauf einzulassen. Unterm Strich ist es eines von Mobys wirklich anderen Werken: ein Triptychon aus Stille, Klangfarbe und emotionaler Offenheit. Und trotzdem – oder genau deshalb ist es kein Album für nebenbei. Sondern für all jene, die bereit sind, Nuancen zu hören – in einer Welt, die permanent um Aufmerksamkeit kämpft.

Der Vogtlandstreicher verleiht 3 von 5 Streichern

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