Nachrichten VogtlandLorena Daum: “Ich habe mir mein Selbstbewusstsein auf der Bühne über Jahre hart erarbeitet.”

Titelfoto: Vivian Lovasz
Mit ihrer kraftvollen Stimme, ehrlichen Emotionen und einem Sound zwischen Rock und Pop gehört Lorena Daum zu den eher neuen Stimmen der deutschen Musikszene. Die Sängerin und Songwriterin aus Hamburg wurde einem breiten Publikum durch ihre Teilnahme an The Voice of Germany bekannt und überzeugte dort mit intensiven Performances und großer Bühnenpräsenz.

Ihr selbst definierter Stil „Heart Rock“ steht für Musik, die direkt unter die Haut geht und persönliche Geschichten mit energiegeladenen Sounds verbindet. Sie ist eine Künstlerin, die sowohl eigene Songs schreibt als auch als Live-Performerin auf großen Bühnen und exklusiven Events begeistert.

Im Interview spricht sie über ihren musikalischen Weg, ihre Inspirationen und darüber, was es bedeutet, sich in der heutigen Musikbranche authentisch zu behaupten:

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Wenn man dich außerhalb der Bühne trifft – wer ist Lorena dann?

Weltenbummlerin – ich reise sehr viel und erkunde gerne neue Kulturen und Länder

Freundin – meine wenige Freizeit verbringe ich am Liebsten mit meinem Partner und Freunden

Serienjunkie – nach einem gigreichen Wochenende muss ich die Akkus erstmal wieder aufladen

Sonnenanbeterin – für mich gibt es keinen besseren Start in den Tag, als mit Kaffee und einer anschließenden Yoga Session in meinem Garten Richtung Sonne mit Blick auf die Elbe

Langschläferin – wichtigste Regel in meinem Leben: Keine Termine vor 11!

Optimistin – es gibt keine Probleme, nur Challenges!

Erinnerst du dich an den Moment, in dem du wusstest: Musik ist mehr als nur ein Hobby?

Eigentlich gab es diesen einen Moment gar nicht – Musik war für mich schon immer mehr als ein Hobby. Meine Eltern erzählen bis heute die Geschichte, wie ich mich als Vierjährige im Kindergarten beschwert habe, dass ich immer nur in der Gruppe singen darf. Also habe ich mir kurzerhand meinen ersten „Solo-Gig“ auf dem Sommerfest organisiert – und das Video davon zeigt ziemlich deutlich, wie ernst ich das damals schon genommen habe. Mir war schon immer klar: Das ist kein Hobby, das ist mein Weg. Nach der Grundschule bin ich auf ein musisches Gymnasium gegangen und habe anschließend eine Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel in Berlin und Hamburg gemacht – für mich gab es nie wirklich einen Plan B.

Gab es jemanden, der dich besonders geprägt oder unterstützt hat?

Ganz klar: meine Eltern. Mein Vater ist nebenberuflich Sänger und Chorleiter – und ich stand seit ich ach bin zusammen mit ihm auf der Bühne. Ein Schlüsselmoment war, als wir gemeinsam auf dem Geburtstag meiner Mutter gesungen haben. Das Feedback war so positiv, dass daraus mehr entstanden ist: Wir haben zusammen mit einer weiteren Sängerin – die lustigerweise meine ehemalige Kindergärtnerin war und klassisch ausgebildet ist – ein Trio gegründet und sind regelmäßig auf Hochzeiten, Geburtstagen, Galas und Firmenevents aufgetreten. Das Ganze war ein Familienunternehmen: Meine Mutter hat moderiert und mein Bruder saß an der Technik. Mit etwa zwölf Jahren bin ich dann auch dem Show-Chor meines Vaters beigetreten.

Was war dein erster Auftritt?

Mein Solo Debut mit vier Jahren auf dem Kindergarten Sommerfest mit “Pack die Badehose ein”.

Was war der schwierigste Schritt auf deinem bisherigen Weg?

Der schwierigste Schritt war, den Glauben an mich selbst als Künstlerin wiederzufinden. Über viele Jahre wurde mir immer wieder vermittelt, dass ich nicht gut genug bin. Trotzdem habe ich nie aufgehört – weil ich die Bühne einfach brauche wie Luft zum Atmen. Irgendwann habe ich es geschafft, komplett von der Musik zu leben, und war unglaublich stolz darauf. Gleichzeitig habe ich mich als eigenständige Künstlerin verloren. Eigene Musik wurde zur Nebensache, weil ich mich auf Dienstleistungsmusik konzentriert habe. Nach meiner Teilnahme bei The Voice of Germany kam dann plötzlich die Chance, ein eigenes Projekt aufzubauen – LORENA. Es fühlte sich an wie ein Moment aus einem Film. So viele Menschen haben an mich geglaubt – nur ich selbst nicht. Aus Angst vor Enttäuschung habe ich mich lange zurückgehalten. Aber irgendwann habe ich verstanden: Wenn man selbst nicht daran glaubt, kann es auch nicht funktionieren. Es hat tatsächlich Jahre gedauert, bis ich zu meinem Manager sagen konnte: „Jetzt glaube ich auch dran.“

Der Titel Rebel Soul klingt nach Haltung – was bedeutet er für dich persönlich?

„Rebel Soul“ steht für mich dafür, seinem eigenen Weg zu folgen – auch dann, wenn es unbequem wird oder andere daran zweifeln. Es geht darum, auf die eigene innere Stimme zu hören und sich nicht verbiegen zu lassen. Gerade in einer Branche, in der dir oft gesagt wird, wie du sein solltest, ist es für mich ein Akt von Rebellion, einfach ich selbst zu bleiben. „Rebel Soul“ ist deshalb nicht nur ein Songtitel, sondern eine Haltung – der Mut, zu sich zu stehen, auch wenn es Gegenwind gibt.

Welcher Song auf dem Album ist dir emotional am nächsten – und warum?

Das ist eine schwierige Frage, weil jeder Song auf dem Album aus persönlichen Erfahrungen entstanden ist. Ein ganz besonderer Song für mich ist aber „Pieces“, den ich für meine Mama geschrieben habe. Sie ist einer der liebevollsten Menschen, die ich kenne – jemand, der immer für andere da ist und alles geben würde. Gleichzeitig musste sie in ihrem Leben durch sehr schwere Zeiten gehen, in denen ihr plötzlich der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Ich habe miterlebt, wie schlecht es ihr ging – und gleichzeitig, wie stark sie geblieben ist und für meinen Bruder und mich weitergekämpft hat. Schon lange wollte ich ihr einen Song widmen. Und dann, während einer Session mit Peter Keller in den Chefrock Studios, ist „Pieces“ einfach passiert. So etwas kann man nicht erzwingen. Als ich den fertigen Song das erste Mal gehört habe, liefen mir sofort die Tränen. Endlich hatte ich mir den Song von der Seele geschrieben.

Was wolltest du mit diesem Album anders machen als bisher?

„Rebel Soul“ ist mein Solo-Debüt – und damit auch ein kompletter Neuanfang für mich. Davor war ich immer Teil einer Band, und plötzlich stand ich vor der Frage: Wie klingt eigentlich LORENA? Genau diesen Prozess hört man auch auf dem Album. Ich habe mich bewusst ausprobiert, verschiedene musikalische Einflüsse zugelassen und mir die Freiheit genommen, nicht sofort alles festzulegen. Am Ende habe ich die Songs ausgewählt, die sich für mich ehrlich anfühlen und trotzdem als Gesamtwerk funktionieren. „Rebel Soul“ ist deshalb nicht nur ein Album – sondern der Moment, in dem ich angefangen habe, meine eigene künstlerische Identität wirklich zu finden.

Deine Musik hat einen internationalen Rock-Sound – war das eine bewusste Entscheidung?

Ja, absolut. Ich bin selbst mit internationalem Rock der frühen 2000er groß geworden – und genau diesen Sound habe ich lange vermisst. Für mich war deshalb schnell klar, dass ich keine rein nationale Richtung einschlagen möchte, sondern Musik machen will, die auch international funktioniert und verstanden wird. Ein besonderer Moment war meine Teilnahme 2020 bei The Voice of Germany: Unsere Version von „Enjoy the Silence“ hat über zwei Millionen Views auf YouTube erreicht – und viele davon kamen aus Lateinamerika. Es gibt sogar ein Cover unserer Version von brasilianischen Künstlern. Das hat mir gezeigt, dass Musik keine Grenzen kennt. Wenn meine Songs Menschen über Länder hinweg verbinden, ist das für mich eines der schönsten Gefühle überhaupt.

Was unterscheidet dich deiner Meinung nach von anderen Künstlerinnen in Deutschland?

Ich glaube, es ist die Kombination aus Energie, Ehrlichkeit und Emotionen. Ich mache Rock, aber nicht nur laut oder aggressiv – sondern mit emotionalem Kern. Deshalb nenne ich meinen Sound „Heart Rock“: kraftvoll, aber gleichzeitig verletzlich und ehrlich. Was mich unterscheidet, ist, dass ich nicht zwischen „stark“ und „verletzlich“ entscheide – sondern beides zusammenbringe. Ich komme aus der Live-Erfahrung, habe vor 32.500 Menschen gespielt, aber genauso in kleinen Clubs und Wohnzimmern, und genau diese Bandbreite prägt mich. Dazu kommt, dass ich meine Songs selbst schreibe und mit Rebel Soul sogar mit dem German Songwriting Award ausgezeichnet wurde. Für mich geht es immer darum, Haltung zu zeigen – Themen wie Selbstbestimmung, Mut und den eigenen Weg zu gehen sind kein Konzept, sondern Teil meiner eigenen Geschichte. Und vielleicht ist es genau das: Ich versuche nicht, jemand anderes zu sein – sondern alles, was ich bin, in meine Musik zu legen. 

Gibt es etwas, das du niemals für den Erfolg tun würdest?

Mich selbst verraten. Ich habe früh gelernt, wie schnell man in dieser Branche in eine Richtung gedrängt wird, die eigentlich gar nicht zu einem passt. Anfang zwanzig habe ich einen exklusiven Künstlervertrag für ein Projekt unterschrieben, das überhaupt nichts mit mir oder meiner musikalischen Vision zu tun hatte. Auch danach gab es immer wieder Situationen, in denen mir sinngemäß gesagt wurde: „Wenn du auf Deutsch singst, zehn Kilo abnimmst und musikalisch alles veränderst, dann könnte es funktionieren.“ Heute weiß ich ganz genau, wer ich bin, wofür ich stehe und welche Musik ich machen möchte. Für mich ist klar: Mir selbst treu zu bleiben ist wichtiger als jeder Erfolg. Alles andere würde sich am Ende nicht richtig anfühlen.

Gibt es Ziele oder Kollaborationen, die dich reizen?

Auf jeden Fall – ich glaube fest daran: The sky is the limit. Mein größtes Ziel ist es, Menschen international mit meiner Musik zu erreichen. Ich möchte auf Festivals spielen, eine eigene Tour aufbauen und langfristig komplett von meiner eigenen Musik leben. Gleichzeitig bin ich da auch realistisch: Gerade ist es schwieriger denn je. Streaming bringt kaum Einnahmen, Touren sind teuer und werden oft abgesagt, wenn nicht genug Tickets verkauft werden. Umso mehr bedeutet es mir, jeden einzelnen Schritt zu gehen. Mit Rebel Soul habe ich es dank meiner Fans bereits auf Platz 11 der Rock Album Download Charts geschafft – das war ein unglaubliches Gefühl. Natürlich ist auch ein Ziel, irgendwann in den offiziellen Charts zu landen. Aber vor allem geht es mir darum, mir nachhaltig etwas aufzubauen – ehrlich, unabhängig und Schritt für Schritt. Kollaborationen finde ich super spannend – vor allem, wenn sie musikalisch wirklich Sinn ergeben. Ein schönes Beispiel ist meine Zusammenarbeit mit Oliver Henrich: Unsere Rock Version von „Enjoy the Silence“ ist ursprünglich bei The Voice of Germany entstanden und nun haben wir den Song für mein Album im Studio nochmal neu aufgenommen. Mit Olli würde ich jederzeit wieder zusammen arbeiten – unsere Stimmen harmonieren einfach perfekt. Eine Female Rock Collab wäre aber natürlich auch ein Traum – Taylor Momsen, Emily Armstrong und Lzzy Hale – Call me ;)

 Was war die härteste Kritik, die dich wirklich getroffen hat?

Eine der härtesten Erfahrungen war tatsächlich der Umgang mit Hate-Kommentaren bei meiner Teilnahme bei The Voice of Germany. Kritik an meiner Performance kann ich total annehmen – das gehört dazu. Aber plötzlich ging es nicht mehr um die Musik, sondern um mich als Person. Menschen, die mich gar nicht kennen, haben mich als arrogant oder überheblich beschrieben. Und das hat mich wirklich getroffen, weil jeder, der mich kennt, weiß, wie weit das von mir entfernt ist. Ich habe mir mein Selbstbewusstsein auf der Bühne über Jahre hart erarbeitet – und genau dafür wurde ich dann öffentlich kritisiert. Das hat wehgetan und ich habe mich oft missverstanden gefühlt. Gleichzeitig habe ich dadurch gelernt, noch mehr bei mir zu bleiben und mich nicht von fremden Meinungen definieren zu lassen.

Nachgefragt bei…
Lieblingsessen: Pasta – geht einfach immer.
Lieblingsmusik: Rock, am liebsten Alternative
Lieblingswort: Ohrwurm – wie cool ist es bitte, dass wir dafür ein eigenes Wort haben?
Lieblingsort: Am Strand, wenn sich das Sonnenlicht im Wasser spiegelt.
Lieblingsmoment: Einschlafen – wenn ich mich wie ein „Koalapus“ (eine Mischung aus Koala und Oktopus) an meinen Freund kuschle und mal nicht mehr die Powerfrau sein muss.
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