Titelfoto: HR / Bettina Müller
„Ich war eine glückliche Frau“ ist ein stilles, tiefgehendes Beziehungs- und Familiendrama aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Martin Enlen. Der Film erzählt die Geschichte von Eva Sanders, eindringlich verkörpert von Petra Schmidt-Schaller. Ein scheinbar harmloser Anruf eines früheren Nachbarn wird zum Auslöser einer schmerzhaften Reise in die Vergangenheit – und stellt das Bild eines glücklichen Familienlebens radikal infrage.
Was zunächst wie eine harmonische, beinahe idyllische Familiengeschichte wirkt, entpuppt sich nach und nach als fragile Fassade. Der Perspektivwechsel ist dabei das Herzstück des Films: Erinnerungen, Erzählungen und Rückblicke lassen erkennen, wie trügerisch Wahrnehmung sein kann – und wie weit die innere Wahrheit manchmal von dem entfernt ist, was nach außen sichtbar wird. Die ruhige Kameraarbeit und die oft wortlosen Szenen verstärken diese Wirkung und lassen Raum für eigene Gedanken und Emotionen.
Besonders berührend ist das nuancierte Spiel von Petra Schmidt-Schaller, die Evas innere Zerrissenheit zwischen Sehnsucht, Verdrängung und ernüchternder Erkenntnis spürbar macht. Auch Rainer Bock überzeugt als nachdenklicher Hermann Blok und fungiert fast wie ein stiller Spiegel der Vergangenheit. Die entschleunigte Erzählweise fordert Geduld, belohnt diese jedoch mit emotionaler Tiefe und nachhaltiger Wirkung.
Der Film stellt leise, aber eindringlich Fragen: Was bedeutet Glück wirklich? Wie viel Wahrheit steckt in unseren Erinnerungen? Und wie lange können wir uns selbst etwas vormachen?
Fazit:
Kein Film für nebenbei, sondern ein nachdenkliches Drama, das unter die Haut geht. Mit sensibler Inszenierung, starken Darstellerleistungen und einem ehrlichen Blick hinter die Fassade eines scheinbar perfekten Lebens bleibt er lange im Gedächtnis – still, traurig und zugleich erschreckend menschlich.
Der Vogtlandstreicher verleiht 4 von 5 Punkten.

Erscheinungsdatum: 2017
Genre: Drama
Als Eva mit ihrem Mann und den zwei Kindern in ihr neues Haus einzieht, ist alles in Ordnung. Im gegenüberliegenden Haus wohnt das ältere Ehepaar Blok. Frau Blok ist krank und verlässt kaum das Haus. Sie freut sich über das Glück der jungen Frau mit ihrer Familie. Frau Blok geht es von Tag zu Tag besser, bis sie eines Tages feine Zeichen bemerkt, die das Unglück gegenüber ankündigen. (ARD Film)
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