Titelfoto: Michael Pauser
Ein erfahrener, vielfach erprobter musikalischer Leiter ist nicht so leicht in Verlegenheit zu bringen. Davon konnten sich die Besucher des sechsten Sinfoniekonzerts der Vogtland Philharmonie am Mittwoch im Reichenbacher Neuberinhaus und am Freitag in der Greizer Vogtlandhalle überzeugen. Dort stand jeweils Dorian Keilhack am Pult, von 2020 bis 2024 Chefdirigent des Orchesters.
Bei dem Wiedersehen war Sergej Rachmaninows zweite Sinfonie zu schultern. Das Stück hat es in sich. Es nimmt fast eine Stunde in Anspruch, ist nicht gerade einfallsreich instrumentiert und bewegt sich auch – persönliche Sorgen wie Sorgen um Russland und die Welt reflektierend – in einer wenig Abwechslung bietenden, vielleicht eine Spur zu gut ins Ohr gehenden Klangwelt.
Keilhack bescherte dem Werk einen respektablen Erfolg, weil er dynamisch fein differenzierte, stets eine Menge Stationen bis zum Fortissimo kannte, und die Trumpfkarten der Komposition – etwa die subtil angelegten Satzschlüsse – gekonnt ins Licht stellte. Außerdem hatte er keine Probleme mit der breit ausladenden Lyrik des Russen, schien sich darin oft sogar regelrecht zu Hause zu fühlen. So wie offenbar auch die Philharmonie, die in allen Belangen imponierend mitzog.
Peter Tschaikowskys Violinkonzert mit Alma Vivienne Keilhack
Der Dirigent hatte außerdem seine Tochter Alma Vivienne mitgebracht. Die 2006 geborene Musikstudentin spielte Peter Tschaikowskys Violinkonzert, das zweite Werk des Abends, über dessen Vielgestalt und Einzigartigkeit es keine Zweifel gibt.
Die blutjunge Solistin wartete mit einer frappierenden Technik auf, kam tadellos durch bis heute gefürchtete Passagen, aber vor allem: Bei einigen Stellen – vornehmlich im ersten Satz – fand sie zu einer tief berührenden, schlichten Gesanglichkeit.
Wer früh einen solchen Prüfstein meistert, dabei sogar Eigenes einzubringen vermag, dem dürfte eine bemerkenswerte Zukunft bevorstehen.
Großer Konzertabend in Reichenbach und Greiz: Vogtland Philharmonie mit Rachmaninow und Tschaikowsky
