Nachrichten VogtlandWolfsmonitoring Sachsen: Vier Wölfe liefern aktuell Daten für die Forschung

Titelfoto: LfULG
In Sachsen sind derzeit vier Wölfe mit aktiven Sendern unterwegs und liefern kontinuierlich Daten für das Wolfsmonitoring Sachsen. Grundlage dafür ist der aktuelle Bericht zum Landesbesenderungsprogramm Wolf, den das Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in dieser Woche veröffentlicht hat. Die Telemetriedaten ermöglichen detaillierte Einblicke in Bewegungsmuster, Raumnutzung und das Verhalten einzelner Tiere.

Zwei neue Sender bei Wolfswelpen im Rahmen von Managementmaßnahmen

Neu in das Monitoring aufgenommen wurden zwei heranwachsende Wolfswelpen, die im Zuge gezielter Managementmaßnahmen gefangen, mit einem Halsbandsender ausgestattet und anschließend wieder freigelassen wurden. Ziel ist es, den Erfolg dieser Maßnahmen wissenschaftlich zu überprüfen und das weitere Verhalten der Tiere engmaschig zu begleiten.

Wolf MT15 aus Großhennersdorf zeigt angepasstes Verhalten

Bei MT15 handelt es sich um einen Welpen des Rudels Großhennersdorf. Der junge Wolf war im südlichen Landkreis Görlitz wiederholt durch Nahbegegnungen mit Menschen aufgefallen. Das LfULG informierte dazu am 21. November 2025. Aktuelle Auswertungen der Radiotelemetrie zeigen seit rund drei Wochen, dass sich das Tier überwiegend in der Dämmerung und nachts bewegt und dabei vor allem Waldgebiete nutzt. Meldungen über auffällige Sichtungen liegen nicht vor. Nach derzeitigem Kenntnisstand deutet vieles darauf hin, dass die durchgeführte Vergrämung erfolgreich gewesen sein könnte.

Werbung

Words and Wonders

MT16: Vorfall bei Beilrode und Beobachtungen in Sachsen-Anhalt

Am 18. Dezember 2025 geriet ein männlicher Wolfswelpe mit der Kennung MT16 in einen nicht stromführenden Netzzaun bei Beilrode im Landkreis Nordsachsen. Fachkundige Personen betäubten das Tier, befreiten es aus der Lage und ein Tierarzt untersuchte es auf mögliche Verletzungen. Anschließend erhielt der Welpe einen Sender und wurde noch am selben Abend freigelassen.

Seitdem hält sich MT16 ausschließlich in Sachsen-Anhalt im Bereich der Annaburger Heide auf. Genetische Proben sollen klären, ob es sich um einen Welpen des dort ansässigen Rudels »Annaburger Heide« handelt. Die bislang ausgewerteten Daten zeigen, dass der Wolf wiederholt Grundstücke aufsuchte, meist jedoch nachts, was grundsätzlich als unauffällig gilt. Am zweiten Weihnachtstag kam es dennoch zu einem Zwischenfall: MT16 hielt sich vormittags auf einem Hof im Raum Jessen auf, offenbar auf Futtersuche, und konnte erst nach längerer Zeit vertrieben werden. In diesem Zusammenhang prüft das zuständige Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) derzeit weitere Maßnahmen.

Frühjahrsbesenderung 2025: Nur noch zwei aktive Sender

Von den vier Wölfen, die im Frühjahr 2025 in Sachsen besendert worden waren, senden aktuell nur noch zwei Tiere Daten. Der Rüde MT13 »Ulli« bewegt sich weiterhin großräumig als sogenannter Floater zwischen bestehenden Territorien. MT12 »Micha« hingegen konnte als Rüde des neu bestätigten Rudels Bernstein identifiziert werden. Gemeinsam mit seiner Fähe zog er im Sommer mindestens vier Welpen groß. Als Floater gelten erwachsene Wölfe, die sich zwischen Territorien bewegen, ohne ein eigenes Revier zu besitzen.

Schicksal der Fähe FT18 »Sofi«

Die Fähe FT18 »Sofi«, die im April 2025 bereits zum zweiten Mal gefangen und mit einem Sender versehen worden war, konnte ihr Halsband nach nur vier Monaten abstreifen. Anfang Oktober wurde ihr Kadaver gefunden. Die Wölfin starb eines natürlichen Todes, vermutlich infolge einer schweren Verletzung, die sie sich bei der Jagd auf Rotwild zugezogen hatte.

MT14 »Jarek«: Sender seit Dezember ohne Signal

Auch der im Frühjahr besenderte Rüde MT14 »Jarek« war Teil des Monitorings. Noch im Mai kümmerte er sich intensiv gemeinsam mit FT18 »Sofi« um den Nachwuchs, verließ das Territorium jedoch während der Aufzuchtphase. Spätere Fotofallenaufnahmen belegten, dass ein anderer Rüde seine Paarungsposition übernommen hatte. MT14 war anschließend ebenfalls als Floater unterwegs. Seit wenigen Wochen sendet sein Halsband keine Daten mehr.

Hintergrund: So funktioniert das Wolfsmonitoring in Sachsen

Das Wolfsmonitoring erfolgt im Auftrag des LfULG durch das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz sowie das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland. Die eingesetzte Radiotelemetrie Wolf ist eine etablierte Methode der Wildtierforschung. Unter Betäubung wird dem Wolf ein Senderhalsband angelegt, das eine Ortung aus der Distanz ermöglicht, ohne das Tier durch direkten Kontakt zu stören.

In Sachsen dient diese Technik vor allem dazu, Größe, Lage und Nutzung von Wolfsterritorien zu erfassen sowie das Abwanderungsverhalten junger Tiere zu untersuchen. Darüber hinaus wird sie gezielt im Wolfsmanagement eingesetzt, um auffällig gewordene besenderte Wölfe intensiv beobachten und bewerten zu können.

Nachrichten Vogtland
+ posts

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.

Werbung

Vogtland Shop