Nachrichten VogtlandSarah Kühnel ist seit einiger Zeit offiziell Leiterin der Galerie e.o.plauen – das sind ihre Pläne

Titelfoto: Stadt Plauen
Heute Abends wird um 18 Uhr in der Galerie e.o.plauen eine neue Schau eröffnet: „Witz². Humor- und Witzzeichnungen von Erich Ohser“. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere humoristische Arbeiten des Künstler aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung sind die Werke der Berliner Künstlerin Katharina Greve. Sie zählt zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartssatire. Inhaltlich bewegen sich ihre Arbeiten zwischen politischer Zuspitzung, gesellschaftlicher Analyse und absurden Alltagsszenen.

Neue Leitung in der Galerie e.o.plauen: Sarah Kühnel offiziell im Amt

Seit Februar hat die Galerie offiziell eine neue Leiterin. Seit dem 1. Juli 2025 war Sarah Kühnel kommissarisch eingesetzt und hat nun endgültig die Leitung der Einrichtung des Kulturbetriebes der Stadt Plauen übernommen. Bereits im März 2021 begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der e.o.plauen Stiftung.

Kühnel wurde 1991 geboren und ist in Stützengrün im Erzgebirge aufgewachsen. Nach ihrem Abschluss als staatlich geprüfte gestaltungstechnische Assistentin am Beruflichen Schulzentrum e.o.plauen studierte sie an der Universität Erfurt, wo sie 2020 ihren Master of Arts in Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte abschloss.

Werbung

Banner Admiral Nürnberg

Im Interview erzählt sie etwas mehr über sich und ihre Arbeit:

Frau Kühnel, erinnern Sie sich an den Moment, in dem Ihnen klar wurde: Ich möchte mit Kunst arbeiten – was hat diesen Wunsch ausgelöst?

Eigentlich wusste ich schon immer, dass ich mit Kunst arbeiten möchte. Kunst hat mein Denken von klein auf geprägt. Ich habe als Kind sehr gerne gezeichnet, Kunst war mein Lieblingsfach, und dieser Wunsch, beruflich „etwas mit Kunst“ zu machen, hat mich nie losgelassen. Auf meinem Weg hatte ich viele Menschen, die mich unterstützt und bestärkt haben – meine Eltern, Lehrkräfte, Mentoren, später auch Kolleginnen und Kollegen. Besonders meine Studiengänge – Kunst und sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte – an der Universität Erfurt haben mich geprägt: Ich konnte in diversen Praktika (bes. zu nennen sind das Kunsthaus Erfurt, das Angermuseum oder die Sammlung Perthes in Gotha) hinter die Kulissen schauen, Sammlungsarbeit und Ausstellungsprozesse aus nächster Nähe erleben und eigene Projekte, wie z. B. die Aufnahme des Vorlasses von Egon Zimpel, eigenständig realisieren.

Gab es auf Ihrem Weg von der Gestaltungsschule bis zum Masterstudium an der Universität Erfurt einen Wendepunkt, der Ihre berufliche Richtung besonders geprägt hat?

Einen klassischen Wendepunkt gab es für mich nicht, aber es gab eine Phase, in der sich meine berufliche Richtung deutlich verändert hat. Ich habe zunächst Kunst studiert, weil das für mich der natürlichste Ausdruck meiner Interessen war. Doch während der Praktika wurde mir bewusst, dass mich nicht nur das eigene künstlerische Arbeiten fasziniert, sondern vor allem das, was hinter den Kulissen passiert. Ich habe gesehen, wie Ausstellungen entstehen, wie Sammlungen betreut werden, wie viel konzeptionelle und organisatorische Arbeit nötig ist, damit Kunst überhaupt sichtbar wird. Diese Einblicke haben mich beeindruckt. Sie haben mir gezeigt, dass ich mich weniger im eigenen Atelier sehe, sondern vielmehr in der Rolle, Kunst zu vermitteln, zu bewahren, zu erforschen und für ein Publikum erfahrbar zu machen.

Seit Februar 2026 leiten Sie die Galerie offiziell – wie hat sich Ihr Blick auf das Hausverändert, seit Sie nicht mehr nur mitarbeiten, sondern verantworten?

Mein Blick auf das Haus hat sich tatsächlich verändert, seit ich es offiziell leite. Ich war zuvor bereits ein knappes halbes Jahr in der Interimsleitung und durfte in dieser Zeit den Übergang zum Kulturbetrieb der Stadt Plauen begleiten. Das war eine Phase, in der ich Verantwortung getragen habe, aber noch nicht mit der langfristigen Perspektive einer offiziellen Leitung. Als ich mich dann 2025 auf die Leitung beworben habe und schließlich ausgewählt wurde, hat sich mein Verhältnis zum Haus noch einmal vertieft.
Plötzlich war klar: Jetzt geht es nicht mehr nur darum, eine Übergangszeit zu gestalten, sondern die Zukunft des Hauses aktiv zu formen. Diese Rolle bringt einen anderen Blick mit sich – strategischer, umfassender, aber auch persönlicher. Ich sehe das Museum heute viel stärker als Gesamtorganismus: mit seiner Sammlung, seinem Team, seiner Geschichte und seinem Potenzial.

Sie möchten die Galerie als Comic-Standort etablieren: Was macht Comics für Sie zu einem zeitgemäßen Medium im Museumskontext?

Comics sind für mich ein zeitgemäßes Medium, da sie mehrere Ebenen gleichzeitig bedienen: Sie erzählen visuell, sprachlich und rhythmisch. Diese Mehrschichtigkeit macht sie im Museumskontext unglaublich spannend. Comics sind niedrigschwellig und zugleich komplex – sie erreichen Menschen, die sich vielleicht nicht sofort in klassische Kunstsparten hineinfinden, und bieten gleichzeitig enorme künstlerische Tiefe. Was für uns als Galerie e.o.plauen spannend ist: Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler, die in der Tradition Ohsers stehen. Sie greifen seine Themen, seine Bildsprache oder seine Haltung auf, entwickeln sie weiter und übersetzen sie in heutige Kontexte. Diese künstlerischen Linien in unseren „Zeitgenössischen Kommentaren“ sichtbar zu machen, ist ein Gewinn.

Nachrichten Vogtland

Welche Zielgruppe liegt Ihnen besonders am Herzen – und wie setzt man Interaktivität, Inklusion, Familienfreundlichkeit konkret in Ausstellungen und Veranstaltungen um?

Mir liegt tatsächlich keine einzelne Zielgruppe mehr am Herzen als eine andere. Unser Anspruch ist es, ein Haus zu sein, das alle Menschen mitnimmt – unabhängig von Alter, Vorwissen oder kulturellem Hintergrund. Und genau das spiegelt sich in unseren Ausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsangeboten wider. Es soll möglichst für alle etwas dabei sein. Ich finde es wichtig, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt. Museen sind öffentliche Orte, und sie haben die Aufgabe, Zugänge zu schaffen – weniger Hürden. Deshalb denken wir unsere Programme bewusst breit: Wir wollen diejenigen erreichen, die schon lange kommen, genauso wie Menschen, die vielleicht zum ersten Mal ein Museum betreten. Wenn wir es schaffen, dass sich Familien genauso angesprochen fühlen wie(Kunst-)Studierende, Comicfans, Schulklassen, Seniorinnen und Senioren odereinfach neugierige Spaziergänger, dann erfüllt das Haus genau das, was es soll: ein lebendiger, offener Ort für alle zu sein.

Digitalisierung ist Teil Ihrer Agenda: Was bedeutet das für Sie jenseits von Social Media –eher Infrastruktur, Vermittlung oder neue Kunstformen?

Tatsächlich alle drei: Ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Weiterführung der Sammlungsdokumentation. Unter Frau Dr. Haist wurde hier bereits ein Fundament gelegt, das ich weiter aufbauen möchte. Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir es an dieser Stelle mit einem langfristigen Vorhaben zu tun haben. Ein digitales Werkverzeichnis entsteht Schritt für Schritt: Es braucht gründliche Recherche, präzise Erfassung und kontinuierliche Pflege. Gerade deshalb sehe ich es als strategische Aufgabe, die das Museum über viele Jahre weiterbegleiten wird.Langfristig eröffnet uns ein solches Verzeichnis neue Möglichkeiten – sowohl für die wissenschaftliche und künstlerische Arbeit als auch für die Vermittlung. Es schafft Transparenz, erleichtert den Zugang zur Sammlung und stärkt die Grundlage für zukünftige Ausstellungen und (Forschungs-)Projekte.

Welche Ausstellung würden Sie gern einmal realisieren, ganz ohne Budget- oder Raumgrenzen?

Wenn ich wirklich ohne Budget- oder Raumgrenzen denken dürfte, würde ich eine große Ausstellung zu e.o.plauen realisieren – aber nicht im klassischen Sinne. Ich fände es unglaublich spannend, einen eigenen Comic über sein Leben, sein Werk und seine Bildwelt entwickeln zu lassen und diesen Comic selbst zur Ausstellung zumachen. Also nicht nur Originale zeigen, sondern seine Geschichte in einem neuen Medium erzählen, das seiner eigenen künstlerischen Sprache sehr nahe kommt. Man könnte die Panels räumlich übersetzen, Szenen betretbar machen, Arbeitsprozesse sichtbar machen und gleichzeitig neue künstlerische Positionen einbeziehen, die in seiner Tradition stehen. Eine Ausstellung als begehbarer Comic, die sowohl Hommage als auch Weiterdenken ist.

Wenn Sie einen freien Tag ganz ohne Termine haben: Wie verbringen Sie ihn – eher mit Skizzenblock, Buch, Natur oder Stadttrubel?

Ein freier Tag ohne Termine ist für mich vor allem eines: ein Moment zum Durchatmen. Dann genieße ich die einfachen Dinge. Ich entspanne, spiele mit meiner Katze, verbringe Zeit mit Freundinnen, Freunden sowie Familie und lasse den Alltag ein bisschen langsamer werden. Außerdem koche und backe ich sehr gern – das ist für mich eine wunderbare Art, kreativ zu sein, aber auf eine ganz andere Weise als im beruflichen Kontext. Oft begleitet mich dabei ein Podcast (am liebsten höre ich True Crime oder Geschichts- und Wissensformate) oder ein gutes Hörbuch.

Nachgefragt bei…Sarah Kühnel
Lieblingsessen: Aisatisch, Nudelgerichte, Salate
Lieblingsmusik: Die Ärzte, Fiddlers Green, K-Pop
Lieblingswort: /
Lieblingsort: Erfurt
Lieblingsmoment: /
Nachrichten Vogtland
+ posts

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.

Werbung

Vogtland Shop